Die Drohung steht im Raum: Wenn der Kanton und die Stadt Zürich nicht mehr Geld sprechen, dann steht das Züri-Fäscht vor dem Aus. So sagte es OK-Präsident Roland Stahel vor kurzem. Dann müsste das Vermögen des organisierenden Vereins Zürcher Volksfeste angezapft werden. Dass die Gelder gesprochen werden, gilt zwar als wahrscheinlich. Doch hinter den Kulissen rumort es.

Die Gründe für den erhöhten Finanzbedarf des Züri-Fäscht sind einerseits höhere Sicherheitskosten, vor allem aber eine neue Vereinbarung mit dem Zürcher Verkehrsverbund (ZVV). Der ZVV betreibt während der drei Fest-Tage die Nachtzüge und Nachtbusse und rechnet mit 400 000 Kunden. Die Benützung des Nachtnetzes kostet normalerweise einen Zuschlag von 5 Franken, denn der Nacht-öV muss gemäss Vorgabe des Kantonsrats kostendeckend betrieben werden. Am Züri-Fäscht aber sieht sich der ZVV aufgrund der Menschenmassen ausserstande, den Zuschlag einzukassieren. Bei früheren Ausgaben des Fests nahm der ZVV die entstandenen Ausfälle auf seine Kappe. Doch dieses Jahr knüpft der Zürcher Regierungsrat die Auszahlung von Geldern aus dem Lotteriefonds zugunsten des Fest-OK an die Zahlung von 900 000 Franken für das Nachtnetz. Den Rest des geschätzten Einnahmenausfalls von 1,9 Millionen Franken übernimmt der ZVV.

Wie gut ist das Handy-Netz?
Die Vertriebskanäle des ZVV seien auf den Regelverkehr ausgelegt, sagt Sprecher Caspar Frey. Die örtliche Konzentration des Festes auf die Innenstadt und die Konzentration der Rückreise auf die Zeit nach den Feuerwerken führe bei den vor Ort vorhandenen Ticketautomaten und Verkaufsstellen zu Nachfragespitzen, die «schlicht nicht mehr zu bewältigen sind.» Das gelte auch für den Bezug des Zuschlags übers Handy: Bei Grossveranstaltungen dieser Dimension reichten die Netzqualität und die Netzverfügbarkeit der grossen Telekommunikations-Anbieter nicht mehr aus. Längere Netzausfälle seien programmiert, während denen ein Vertrieb von SMS- oder Mobile-Tickets unmöglich sei. Der ZVV habe verschiedene Alternativen wie mobile Verkaufsstellen geprüft, die sich aber etwa aus sicherheitstechnischen Aspekten nicht umsetzen liessen.

Roland Stahel, Geschäftsleiter des OK Züri-Fäscht, widerspricht. «Für den ZVV ist dieser Weg die einfachste Lösung», sagt er. «Er könnte natürlich mehr Leute einsetzen, um den Zuschlag einzuziehen.» Auch SMS-Lösungen seien möglich, und der Nachtzuschlag könne auch im Vorneherein gelöst werden. Ab Mitternacht werde das Mobilfunknetz zudem sicher nutzbar sein. Der Nachtzuschlag muss für Züge und Busse ab ein Uhr gelöst werden.

Den Schwarzen Peter an die Telekom-Firmen weiterzureichen, sei auch nicht angezeigt, sagt Stahel. Swisscom und Sunrise würden je fünf zusätzliche Antennen aufstellen. Das Lösen des Nachtzuschlags übers Handynetz sei fast immer möglich. Bei der letzten Ausgabe im Jahr 2013 habe man am Freitag keinen Netzausfall und am Samstag nur einen von etwa zwei Stunden verzeichnet.

Bei der diesjährigen Ausgabe wird zudem eine weitere Staffelung eingeführt: Neu werden zwei Feuerwerke stattfinden, ein erstes um 22.30 Uhr für ein Familien-Publikum und ein zweites um 1.30 Uhr für jüngere Festbesucher. So sollen die Massen besser verteilt werden.

Trinken für den Nachtzug
Um die Mehrkosten decken zu können, mussten die Getränkepreise am Fest erhöht werden. 50 Rappen Zuschlag gehen auf das Konto der ZVV-Abgabe. «Dennoch entsteht für uns eine Finanzierungslücke», sagt Stahel. Werde sie nicht von der Stadt und dem Kanton gedeckt, müsse das OK das Vermögen von 600 000 Franken antasten, und dann könne es keine weitere Ausgabe des Züri-Fäscht geben. Ohne Vermögen sei die Planung eines solchen Fests undenkbar. Insgesamt sollen die Stadt und der Kanton Zürich 1,5 Millionen Franken beitragen, 800 000 Franken mehr als noch vor drei Jahren.

Eine rechtliche Grundlage für das Vorgehen des ZVV, sagt Stahel, gebe es wohl nicht. «Man könnte auch argumentieren, dass der ZVV einen Transportauftrag hat.» Auf rechtlichem Weg gegen die Pauschale vorzugehen, kommt für das OK allerdings nicht infrage. Der Regierungsrat habe nun mal die Vorgabe gemacht, dass sich das Fest-OK mit dem ZVV einigen müsse. Für die nächste Ausgabe im Jahr 2019 sei eine neue Lösung nötig, sagt Stahel.

Das Züri-Fäscht 2016 findet vom 1. bis 3. Juli statt. Bei der letzten Ausgabe vor drei Jahren wurden über die Dauer des Fests 2,3 Millionen Besucher gezählt. Das grösste Fest der Schweiz hat dieses Jahr ein voraussichtliches Budget von 7,5 Millionen Franken zur Verfügung.

Mehr Themen finden Sie in der gedruckten Ausgabe oder über E-Paper