In Sachen Marketing haben sie keine Nachhilfe nötig. Mit Slogans wie «friedliches Zimmer nahe am Stadtzentrum» oder «der perfekte Ort, um die Schweiz zu erleben» werben Zürcher Studenten für ihr Zimmer auf «Airbnb». Auf dieser Plattform der gleichnamigen US-Firma kann jeder zum Hotelier werden, indem er sein Zimmer ausschreibt. Die Kunden sind zufrieden. In den Bewertungen geben sie vier oder gar fünf von fünf Sternen. «Ein unglaublicher Ort», schreibt ein Gast. Ein anderer spricht von «einer der besten Airbnb-Erfahrungen», gibt aber zu bedenken: «Man muss Bad und Küche mit anderen teilen.»

Denn bei diesem Airbnb-Angebot handelt es sich um ein Zimmer in einem Studentenheim. Genauer: einem Haus der studentischen Wohngenossenschaft Woko. Diese bietet günstigen Wohnraum für Studierende an. Dank dem Goodwill von Hauseigentümern und effizienter Verwaltung kann sie Zimmer zum Teil weit unter dem Marktpreis anbieten. Die Mietkonditionen sind streng. Nur wer an der ETH, Uni Zürich oder an einer der berechtigten Hochschulen eingeschrieben ist, darf bei der Woko wohnen. Verdienen Doktoranden mehr als 26 400 Franken pro Jahr, müssen sie einen Zuschlag zahlen. Dass Studenten ihr Woko-Zimmer als Hotelzimmer anbieten, ist nicht vorgesehen. Das wird in den meisten der 2500 Zimmer eingehalten. Doch es gibt schwarze Schafe. Eine Studentin wirbt unverhohlen für ihr «Zimmer im Studentenheim». Auf Anfrage legt sie offen, dass sie das Zimmer am Wochenende und während ihrer Ferien vermiete oder wenn sie bei ihrem Freund übernachtet.

Lukrativ für Hobby-Hoteliers
Die Preise sind für ein Hotelzimmer günstig, verschaffen den studentischen Hobby-Hoteliers aber ein schönes Taschengeld. Ein Zimmer wird für 45 Franken angeboten und kostet damit hochgerechnet auf einen Monat doppelt so viel wie die Miete. Ein anderes kostet rund 30 Franken. Das ist ein Drittel mehr.

Für sogenannte «Sharing Economy»-Angebote wie «Airbnb» gibt es noch keine gesetzlichen Bestimmungen. Geregelt ist aber die Untermiete. Diese ist grundsätzlich erlaubt, darf aber nicht über der tatsächlichen Miete plus Nebenkosten liegen. Für Möbel kann ein Aufschlag verrechnet werden. Die Woko vermietet aber nur möblierte Zimmer.

Die Verantwortlichen der Woko erfuhren erst durch die Recherchen der «Schweiz am Sonntag», dass ihre Zimmer auf Airbnb angeboten werden. Sie wollen nun reagieren. «Wir tolerieren nicht, dass Zimmer, die wir günstig an Studierende vermieten, teurer auf Airbnb angeboten werden», sagt Pascal Wyrsch, Leiter Wohnen. Nach eigenen Nachforschungen hat die Woko nun vier Mieter auf dem Radar.

Mehr Regulierung gefordert
Studentenzimmer auf Airbnb entsprechen einem Trend in urbanen Zentren, die bei Touristen und Einheimischen beliebt sind. In Berlin drohen Airbnb-Anbietern ohne Sonderbewilligung seit dem 1. Mai Bussen von bis zu 100 000 Euro. Auch in Zürich wird der Ruf nach Regulierung lauter. Denn ein Blick auf die «Airbnb»-Seite zeigt: Es werden auch ganze Wohnungen angeboten. Damit werden nicht nur dringend benötigte Wohnräume zu Hotels, dem hiesigen Tourismus entgeht auch Kundschaft. Martin von Moos, Präsident der Hoteliers Zürich, drängt darum zum Handeln. «Grundsätzlich bin ich gegen Regulierungen, aber wenn wir Hoteliers Vorschriften einhalten, Steuern- und Abgaben bezahlen müssen, dann sollen das auch die Anbieter von Airbnb-Zimmern tun müssen.» Von Moos denkt dabei an Hygienevorschriften oder feuerpolizeiliche Bestimmungen, die Zürcher Kurtaxe (City Tax) oder die Mehrwertsteuer.

Derweil drängen neue Anbieter auf den Markt. Inserenten der unter Studenten beliebten Zimmer-Börse «WGZimmer.ch» bekamen E-Mails des Anbieters «Flat Club», der analog zu «Airbnb» Zimmer für längere Aufenthalte vermittelt. Inhalt der Mails: Bietet eure WG-Zimmer doch auf unserer Plattform an. Die Plattformen kassieren bei der Zimmervermittlung mit. Auf diese Weise profitiert Airbnb auch von den günstigen Zimmern der Studentischen Wohngenossenschaft Woko.

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