Das grösste Hallenbad der Schweiz ist jenes in Zürich Oerlikon nicht mehr, seit die Ustermer den Rekord letztes Jahr zu sich holten. Doch das könnte sich wieder ändern. Denn die Stadt Zürich plant einen riesigen Ersatzneubau. Zwar wurde das Bad 2006 umfassend saniert und 2015 die Technik erneuert. Doch der Zustand des Gebäudes macht mittelfristig einen Ersatzneubau erforderlich – und der wird teuer.

Im Fokus des Stadtrats steht ein kombinierter Ersatzneubau namens «Sportzentrum Oerlikon», wie die «Schweiz am Sonntag» weiss. In dieses würden auch der Ersatzneubau der Kunsteisbahn Oerlikon und ein Teil der Rasensportanlage Neudorf integriert. Kein Thema mehr ist die Integration eines Standorts von Entsorgung und Recycling. Es liege bereits eine Machbarkeitsstudie vor, sagt Manuela Schläpfer, Sprecherin des Sportamts. Ein Betriebskonzept sei zurzeit in Erarbeitung. Anschliessend müsse der Stadtrat einen Projektierungskredit sprechen. Das Sportamt rechnet zurzeit mit Kosten von gegen 170 Millionen Franken. Das ist deutlich mehr, als für frühere Projekte eingesetzt wurde. Vor sieben Jahren schätzte der Stadtrat die Kosten für einen Ersatzneubau des Hallenbads auf 80 Millionen Franken. Dabei war allerdings die Integration der Kunsteisbahn und der Rasensportanlage nicht eingerechnet. Sportamt-Sprecherin Schläpfer betont, dass die Höhe der Investitionen erst mit der detaillierten Ausarbeitung des Projekts genau beziffert werden könne. Geplant wird mit einem Baubeginn im Jahr 2022 und der Inbetriebnahme zwei bis drei Jahre später.

Viermal teurer als Hallenbad Uster
Die Kosten geben zu reden. Zum Vergleich: Die umfassende Sanierung und Erweiterung des Hallenbad Uster kostete knapp 40 Millionen Franken. «Ein zeitgemässer und kosteneffizienter Sanierungsbedarf erscheint unbestritten», sagt Martin Götzl, Fraktionschef der SVP, im Gemeinderat. «Aus der Sichtweise der SVP soll jedoch auf Beiwerk verzichtet werden.» Aufgrund des Projektstands und des unbekannten Inhalts dieser Investition sei zwar nur eine vage Abschätzung zur Vertretbarkeit der Kosten möglich. Aus der heutigen Sichtweise mache die SVP aber «sehr viel Skepsis» geltend. «Finanzpolitisch ist das Projekt aus heutiger Sicht kaum vertretbar», sagt Götzl. Er hat bereits vor sechs Monaten eine Anfrage eingereicht, in welcher er von der Stadtregierung wissen wollte, was dieser unternimmt, um die Hallenbäder zu entlasten. Insbesondere die Hallenbäder City und Oerlikon sind zu Spitzenzeiten am frühen Morgen, über den Mittag und abends sehr gut ausgelastet. Götzl schlägt etwa eine bessere Nutzung der Schulschwimmanlagen oder die Anzeige des Auslastungsgrads für die Schwimmer vor – ein Projekt, welches der Stadtrat aus Kostengründen und technischen Überlegungen ablehnte.

Positiver steht die SP dem Ersatzneubau gegenüber. Jean-Daniel Strub, Vizepräsident der SP-Fraktion im Gemeinderat, sagt, das Projekt habe eine hohe Dringlichkeit, weil das aktuelle Hallenbad erhebliche Mängel aufweise. Er zweifle nicht daran, dass der Stadtrat ein Vorhaben ausarbeite, welches mit dem bestmöglichen Kosten-Nutzen-Verhältnis aufwarte.

Fast 4000 Eintritte jeden Tag
Die Hallenbäder Oerlikon und City sind die einzigen der Stadt mit 50-Meter-Becken. Dementsprechend beliebt sind sie. Das Hallenbad City zählte im Jahr 2015 durchschnittlich fast 1200 Eintritte täglich, jenes in Oerlikon über 1000. Insgesamt werden die sieben städtischen Hallenbäder täglich von über 3600 Personen besucht. Für den obligatorischen Schwimmunterricht in den Schulen betreibt die Stadt zudem in 17 Schulanlagen Schwimmbecken, welche allerdings zurzeit voll ausgelastet sind. Eine weitere Schulschwimmanlage soll im Rahmen der neuen Schulanlage bei der Überbauung Freilager entstehen. Bis dahin, so schreibt es der Stadtrat in der Antwort auf eine Anfrage, müssen Schulklassen weiterhin teilweise die öffentlichen Hallenbäder nutzen. Sie sollen dies immerhin nicht zu Spitzenzeiten tun. Dann ist es vielen Schwimmern bereits heute zu eng – und die Anzahl der Eintritte nimmt nicht zuletzt wegen des Bevölkerungswachstums weiter zu.

Zwar liegt Zürich bezüglich Anzahl Einwohner pro Hallenbad im Schweizer Vergleich im Mittelfeld, und die Zufriedenheit der Schwimmer ist gemäss Umfragen hoch. Bei einer Befragung im Jahr 2014 gaben aber 27 Prozent der Schwimmer im Hallenbad City und 38 Prozent der Umfrageteilnehmer im Hallenbad Oerlikon an, mehr Wasserfläche zu benötigen. Ein zusätzliches Hallenbad ist politisch dennoch chancenlos. Die Nachfrage nach Schwimmgelegenheiten sei zwar generell hoch, sagt Jan-Daniel Strub von der SP. Sportbauten stünden aber in Konkurrenz mit anderen öffentlichen Bauten. «Ich würde einem zusätzlichen Hallenbad gegenwärtig eher kritisch gegenüberstehen, weil dieses ziemlich sicher nur in Konkurrenz zu günstigen Wohnungen realisiert werden könnte», sagt er. Martin Götzl von der SVP sagt, ein Neubau wäre «Wunschdenken, aber aus finanziellen Gründen nicht vertretbar.»

Kaum eine Sportart ist in Zürich so populär wie Schwimmen. 2015 verkaufte das Sportamt 35 000 Jahres- und Saisonkarten. Ausgebaut wird der Service nun in Leimbach: Mit der Wiedereröffnung des dortigen Hallenbads nach der Sanierung gelten morgens und abends längere Öffnungszeiten.

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