Nicht einmal Elmar Ledergerber will mehr ein gutes Wort für Zürich als Olympiastadt einlegen. Der Alt-Stadtpräsident und ewige Zürich-Promoter machte sich mehrfach stark für Winterspiele an der Limmat. Nun ist der ehemalige Präsident von Zürich Tourismus froh, dass er sich nicht mehr zum Thema äussern muss. Auf Anfrage verzichtet er auf einen Kommentar.

Die Stadt Zürich hat ein Olympia-Trauma, seit Swiss Olympic ihr zwar den Zuschlag für eine Kandidatur für die Winterspiele 2014 gab, es den Zürchern dann aber doch zu teuer war. Die Kandidatur wurde wieder zurückgezogen.

Panik wegen Bündner Plänen
Die Mehrheit der Zürcher Gemeinderäte ist zurzeit ob der Pläne eines anderen Kantones in Aufruhr. SP, Grüne und die Alternative Liste verlangten vom Stadtrat in einer Interpellation eine Distanzierung von der Kandidatur von «Graubünden und Partner 2026». Die Mehrheit der Gemeinderäte hatte die Interpellation zuvor für dringlich erklärt.

Aufgescheucht wurden sie, als Zürich als Veranstaltungsort verschiedener Events genannt worden war. Diese Woche legte die Bündner Regierung die Pläne für die Olympischen Winterspiele offen, die zuvor nur in Umrissen bekannt waren. Gemäss den Dokumenten könnten die Eröffnungsfeier sowie Eishockeyspiele und Schlittschuhwettbewerbe dereinst in Zürich stattfinden – immer vorausgesetzt, das Bündner Stimmvolk hätte plötzlich Lust auf Olympia und die Kandidatur würde von Swiss Olympic für gut befunden.

Der Stadtrat erteilte nun solchen Vorhaben einen erneuten Dämpfer. Zwar stehe der Stadtrat Olympischen Spielen «grundsätzlich positiv» gegenüber, schreibt er in der Antwort auf besagte Interpellation. Zürich will aber weder Host-City sein noch «weitreichende oder gar unbegrenzte Garantien» übernehmen oder im Organisationskomitee mitwirken. Man könne sich zwar vorstellen, eine Schlittschuhhalle zur Verfügung zu stellen und allenfalls auch den Sechseläutenplatz. Mit Blick auf die Volksinitiative «Freier Sechseläutenplatz» fügt die Stadtregierung aber an: «Sofern er dannzumal dafür zur Verfügung gestellt werden darf.» Olympia-Begeisterung klingt anders.

Im Keim erstickt hat das Olympiafeuer ausgerechnet ein Bündner. SP-Gemeinderat Marco Denoth ist Urheber der Interpellation. «Meine Eltern, die immer noch in Chur leben, haben mich auf das Thema sensibilisiert», sagt er. Es sei eine Zumutung, dass sie zum zweiten Mal innert zweier Jahre über Olympia abstimmen müssten. In den Unterlagen zur Bündner Kandidatur habe er gesehen, dass für Zürich eine zentrale Rolle vorgesehen ist, und sei aktiv geworden. Die Schützenhilfe für die Bündner Genossen kommt ihm gelegen. In erster Linie gehe es ihm aber um Zürich, sagt Denoth. «Sobald ein Olympia-Event hier stattfindet, braucht es zum Beispiel ein immenses Sicherheitsdispositiv. Das ist sehr teuer.» Die Stadt brauche ihr Geld aber für anderes. Etwa günstiges Wohnen, Kinderbetreuung oder Velowege. «Bei Olympischen Spielen, ist es immer das Gleiche: Der Staat zahlt, aber profitieren tun nur ein paar wenige», sagt er.

SVP-Liebi: Spiele nicht nachhaltig
Mit ähnlichen Argumenten bekämpft die SP die Olympia-Kandidatur in Graubünden. Dort wird am 12. Februar über einen 25-Millionen-Kredit abgestimmt. In der Limmatstadt verfallen derweil gestandene SVPler in links-grünen Jargon, wenn es um Olympia geht. «Der Begriff Nachhaltigkeit ist abgedroschen, aber hier passt er. Die Spiele der Vergangenheit haben gezeigt, dass die Investitionen meist nicht nachhaltig sind», sagt Gemeinderat Roger Liebi auf Anfrage.

Er erinnert zudem an die Leichtathletik-EM 2014 und die Fussball-Europameisterschaft 2008. «Diese Sportevents waren teuer. Ob sie der Stadt Zürich touristisch etwas gebracht haben, wissen wir bis heute nicht.» Die SVP-Fraktion habe das Thema allerdings noch nicht abschliessend diskutiert, sagt Liebi.

FDP-Gemeinderat Roger Tognella ist bekannt dafür, dass er ein Strassenrennen mit Elektroautos nach Zürich holen will. Er steht daher nicht im Verdacht, ein Gegner grosser Events zu sein. Doch für Olympia will auch er zumindest heute noch keine Lanze brechen. «Zuerst müssen wir konkret wissen, was auf die Stadt zukäme und wie viel das kosten würde, dann können wir darüber diskutieren.» Olympische Spiele seien zudem mit der Formula E nicht vergleichbar. «Winterspiele erreichen zwar sehr viele Personen weltweit. Im Fokus stünde aber nicht nur Zürich, sondern Graubünden oder allenfalls die Schweiz als Ganzes», sagt er.

Ledergerbers Nachfolger als Präsident von Zürich Tourismus nimmt die Olympia-Skepsis der Zürcher indes gelassen. Hotelier Guglielmo Brentel will erst einmal abwarten, wie die Bündner Stimmbevölkerung entscheidet. «Olympia ist eine emotionale Angelegenheit. Wenn erst einmal die Euphorie für den Sport aufkommt, kann der Funke schnell überspringen», sagt er. Er warnt auch vor einer Mentalität, den Wohlstand nur noch zu verwalten: «Zürich muss früher oder später wieder etwas wagen.» Brentel, der an Hotels in beiden Kantonen beteiligt ist, denkt an eine Kooperation mit dem Schneekanton Graubünden. Mit oder ohne Olympia.

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