Seit 2012 plant die Stadt eine neue Flaniermeile in der City. Kernstück soll die neue autofreie Sihlstrasse werden. Nun ist das von Ruth Genner (Grüne) angestossene Projekt eine Runde weiter. Am Freitag veröffentlichte das Tiefbauamt von FDP-Stadtrat und Genner-Nachfolger Filippo Leutenegger die neusten Pläne – und muss bereits Kritik von links und rechts einstecken.

Das neue Projekt sieht ein Fahrverbot auf der Sihlstrasse zwischen dem Restaurant Hiltl und der Bahnhofstrasse vor. Der Autoverkehr wird nur noch durch die Uraniastrasse geleitet. Damit stehen dem Autoverkehr insgesamt weniger Spuren zur Verfügung. Gegenüber früheren Projekten sind die Änderungen vor allem für Velofahrer einschneidend. Wer mit dem Velo vom Werdmühleplatz an die Sihlporte will, muss neu über die Uraniastrasse und die Gerbergasse durch die Löwenstrasse fahren. In der Löwenstrasse soll eine Tempo-30-Zone entstehen. In der umgekehrten Richtung werden Velofahrer über die Sihlstrasse in die Uraniastrasse geführt – und teilen sich damit in der neuen autofreien Zone den Platz mit den Fussgängern. Es ist vor allem die Organisation der Velofahrer, welche für rote Köpfe sorgt. Der Abschnitt dazu sei «völlig misslungen», sagt SVP-Gemeinderat Derek Richter. «Den Veloverkehr durch Fussgängerzonen zu führen, ist schlicht fahrlässig.» Solche Mischverkehrssituationen schafften grosses Konfliktpotenzial. Das könne man am Limmatquai täglich beobachten.

«Wege für Velos sind viel zu lang»
Ähnlich sieht das der Grünen-Gemeinderat und VCS-Zürich-Geschäftsführer Markus Knauss. Die angestrebte Lösung führe zu unnötigen Konflikten mit Fussgängern, sagt er. In der Nord-Süd-Richtung wiederum sei die Veloführung zu umständlich. «Velofahrer suchen den schnellsten Weg», sagt Knauss. Der Weg über die Gerbergasse und die Löwenstrasse sei schlicht zu lang. Sinnvoll wäre es gewesen, den Veloverkehr in beiden Richtungen durch die Uraniastrasse zu führen. Das Projekt sei primär wieder auf Autos ausgerichtet. Ein Dorn im Auge ist Knauss auch der Velostreifen in der Uraniastrasse auf der Höhe der Sternwarte. Dieser soll nur 1,25 Meter breit werden – nicht viel breiter als das Minimum von 1,20 Metern und damit deutlich zu schmal, wie Knauss findet.

Auch GLP-Gemeinderat Sven Sobernheim äussert Kritik am Projekt – auch wenn er es grundsätzlich begrüsse. Dass in der Löwenstrasse keine Begegnungszone eingerichtet wird, sei eine verpasste Chance. «Die Strasse wäre eigentlich mit den Bäumen sehr schön und würde sich gut etwa für Boulevardgastronomie eignen», sagt er. Das sei mit der Tempo-30-Zone, welche der Stadtrat nun im Gegensatz zur Forderung des Gemeinderats umsetze, nicht möglich.

Die Pläne liegen für einen Monat öffentlich auf. Viel zu lange habe das gedauert, sagt Markus Knauss. Die Stadt habe drei Jahre benötigt, um das Projekt zu überarbeiten.

Grundsätzliche Opposition kommt hingegen aus der bürgerlichen Ecke. Die geplante Umgestaltung schaffe mehr Probleme, als sie zu lösen versuche, sagt SVP-Politiker Richter. Der Spurabbau in der Uraniastrasse und das Fahrverbot in der Sihlstrasse belasteten die umliegenden, überregionalen Achsen noch mehr. Bereits heute entstünden durch zum Teil künstliche Staus grosse wirtschaftliche Schäden – auch zulasten der Läden in der Gegend. Die umliegenden Durchgangsrouten hätten ihre Kapazität längst erreicht. Auch der geplante Abbau von drei Carparkplätzen komme nicht infrage. «Wozu diese Umgestaltung gut sein soll, ist nicht ersichtlich», sagt Richter. Die heutige Verkehrssituation in der Gegend sei gerade in Stosszeiten angespannt, das heutige System funktioniere aber.

Die Pläne der Stadt ernten aber auch Lob – etwa vom Gastronomen Rolf Hiltl, der sich seit Jahren für die autofreie Zone einsetzt. Die Aufenthaltsqualität in der Innenstadt werde deutlich steigen, sagt er. «Ich bin sehr erfreut über die Ausgestaltung des Projekts.» Sein Haus könne nun möglicherweise die Aussen-Bestuhlung verschönern. Seitens Stadt Zürich sei sogar die Idee aufgekommen, dass der neue autofreie Platz «Hiltl-Platz» heissen könnte – eine gute Idee, findet der Vegetarier-Pionier. «Ich hoffe, dass das Projekt schnell umgesetzt wird», sagt er.

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