Es war ein weiterer Höhepunkt in dem sich endlos hinziehenden Beziehungsdrama zwischen dem ehemaligen SVP-Nationalrat Christoph Mörgeli und seinem früheren Arbeitgeber, der Universität Zürich: Im Dezember 2013 beschloss die Uni, das jahrelang von Mörgeli geleitete medizinhistorische Museum vorübergehend zu schliessen. Der Zustand und die Lagerungsbedingungen wertvoller Präparate in der Objektsammlung unter der Verantwortung des streitbaren SVP-Mannes waren von Exponenten der Universität scharf kritisiert worden. Auch dieses Kapitel der Causa Mörgeli wurde später vor Gericht verhandelt.

2013 sprach die Uni noch davon, das medizinhistorische Museum nach einer Sanierung sowie Instandsetzung und digitalen Erfassung der Objektsammlung wieder zu eröffnen. «Wir sind damals von einer Eröffnung im Jahr 2017 ausgegangen», sagt Professor Felix Althaus, Delegierter der Universitätsleitung für Museen und Sammlungen.

Noch 7 Jahre nicht zugänglich
Jetzt wird klar: Die Medizinhistorische Sammlung wird bis mindestens 2023 für die Öffentlichkeit nicht zugänglich sein. Althaus geht davon aus, dass das Projekt Medizinmuseum ab 2021 abgewickelt werden könne. Eine Eröffnung sei damit etwa 2023 möglich: «Die bis zur Schliessung des medizinhistorischen Museums 2013 öffentlich zugänglichen Objekte werden somit frühestens in sieben Jahren wieder zu sehen sein», bestätigt er.

Wie die Uni diese Woche mitteilte, plant sie, für 30 Millionen Franken ein Naturmuseum zu schaffen. Die Eröffnung des 2014 angekündigten Medizinmuseums wird hingegen aufgeschoben. Diese Planung ist eine erste Auswirkung der Standortbestimmung, welche die Universität im Bereich ihrer 8 Museen und 13 Sammlungen 2014 unter der Leitung von Althaus vorgenommen hat: «Die darin vorgenommene Prioritätensetzung und die begrenzten finanziellen Ressourcen haben zum Entscheid geführt, zunächst das Projekt Naturmuseum anzugehen und das Medizinmuseum zurückzustellen», erläutert Althaus den veränderten Fahrplan.

Dabei wäre die Objektsammlung unterdessen in einem Zustand, der eine öffentliche Präsentation zuliesse. Die 2013 begonnene Instandsetzung und Erfassung der Sammlung, finanziert durch einen Sonderkredit von einer Million Franken, sei weitgehend abgeschlossen. Die noch verbleibenden Aufgaben könnten über das reguläre Budget finanziert werden.

«Was passiert ist, ist passiert»
«Einen Teil der Objekte könnten wir zwar theoretisch ausstellen», sagt Althaus. Aber momentan fehle dafür die Infrastruktur. Die Räumlichkeiten an der Rämistrasse 69, Standort des geschlossenen Museums, erfüllten nicht die baulichen Voraussetzungen für einen modernen Ausstellungsbetrieb. Vor der Eröffnung des Medizinmuseums in Christoph Mörgelis alter Wirkungsstätte stehen noch kostspielige Veränderungen an: Die räumliche Struktur des in die Jahre gekommenen Museums müsse umgebaut werden. Im Bereich IT, Elektrizität, Lüftung und Isolation stehen Renovationsarbeiten in Millionenhöhe an: «Momentan können wir diese Kosten nicht parallel zu den Investitionen fürs Naturmuseum stemmen.» Die Entscheidung, die Eröffnung des Medizinmuseums zu verschieben, habe nichts mit dem schwierigen Verhältnis zwischen der Universität und ihrem ehemaligen Angestellten Christoph Mörgeli zu tun: «Was passiert ist, ist passiert. Jetzt müssen wir vorwärts schauen und es besser machen.»

Interaktives Naturmuseum
Jetzt freut sich Felix Althaus in erster Linie auf das Naturmuseum. Es eröffnet 2021 am bisherigen Standort des zoologischen Museums beim Uni-Hauptgebäude. Zusammen mit den Sammlungen der Museen für Paläontologie, Anthropologie und Botanik soll ein interaktives und partizipatives Museum entstehen. «Im Zentrum wird die Frage stehen: Wie funktioniert überhaupt Forschung?». Kindern und Jugendlichen, die laut Althaus 75 Prozent der Besucher ausmachen, soll auf spielerische, unterhaltsame Weise die Arbeit der Uni im Bereich der Naturwissenschaften nähergebracht werden. Erwachsene sollen mit Uni-Wissenschaftern zusammen an Forschungsprojekten arbeiten können - «Citizen Science» heisst das Konzept.

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