Es hätte sein sollen wie immer: Nach der Geburt ihres dritten Kindes ging eine Studentin der Universität Zürich zur Kanzlei, um ein bis zwei Semester Urlaub einzureichen. Sie wolle sich um ihren Sohn kümmern, sagte sie.

Nur: Dieses Mal bekam sie keine Pause. «Tut uns leid, Ihr Guthaben ist aufgebraucht», hiess es. An der grössten Universität des Landes ist nach vier Urlaubs-Semestern Schluss, egal, ob eine Mutter weitere Kinder bekommt oder nicht. Was bleibt: Die Gebühren bezahlen – und keine Vorlesung besuchen. «Das ist enttäuschend», sagt die Mutter.

Mehrere Gespräche mit der Hochschule haben bis heute zu keinem Ergebnis geführt. Die Universität Zürich verweist auf ihr Reglement. «Hätte die Studentin bei den ersten beiden Kindern jeweils nur ein Semester, also sechs Monate, bezogen, würde sie auch beim dritten Kind noch Urlaub erhalten», sagt Sprecherin Melanie Nyfeler. Natürlich sind die Voraussetzungen für Auszeiten in den Verordnungen zu finden, auf der Kanzlei auf die Beschränkung hingewiesen hat man die Studentin aber nie.

«Es ist bedauerlich, dass die Mutter keine weiteren Semester pausieren kann», sagt Gabriela Lüthi vom Verband der Schweizer Studierenden (VSS) zum Fall. Noch immer sei es nicht einfach, ein Studium mit Kindern zu vereinbaren. «Die Diskriminierung muss behoben werden», sagt sie. Lüthi schlägt vor, auf Obergrenzen zu verzichten, damit bei guten Gründen weitere Urlaubsemester bezogen werden können. So handhabt es auch die Universität Basel. Dort sind zwar nur zwei Urlaubssemester erlaubt, bei einer Schwangerschaft wird aber eine Ausnahme gemacht.

Keine Zwei-Kind-Politik
Allerdings steht der VSS alleine da. Für die Konferenz der Gleichstellungs- und Frauenbeauftragten an Schweizer Universitäten (KOFRAH) sind die heutigen Regeln ausreichend. Jeder sei selber dafür verantwortlich, sich frühzeitig über die Urlaubsbestimmungen zu informieren, sagt Stefanie Brander, Vizepräsidentin der KOFRAH. Das könne man auch Schwangeren zumuten. Sie ist gegen eine Sonderregel für Mütter. «Das wäre gegenüber anderen Studierenden wie Vätern oder Männern, die Militär- oder Zivildienst leisten müssen, nicht fair», sagt sie. Mütter könnten sich exmatrikulieren und später wieder neu einschreiben.

Michael Hengartner, Rektor der Universität Zürich, ist gegen diese Lösung. Bei der Urlaubsbeschränkung gehe es darum, Studierenden in absehbarer Zeit einen Abschluss zu ermöglichen, sagt Hengartner, der selbst sechsfacher Vater ist. Er will sich des Falls annehmen und auch mit dem Studierendenverband über neue Massnahmen diskutieren. «Es ist nicht Ziel der Universität, eine Zwei-Kind-Politik zu betreiben.»

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