Die Stunde der Wahrheit brach am Freitag um 9.30 Uhr an. Der Zürcher Regierungsrat hatte geladen, um bekannt zu geben, welcher Generalunternehmer den Zuschlag für den Bau des Polizei- und Justizzentrums (PJZ) bekommt. Es geht um ein Auftragsvolumen von knapp 400 Millionen Franken. Das Volk segnete den Mammutbau zweimal an der Urne ab. Bereits Ende 2016 war der Entscheid erwartet worden. Auf Folie zwei der Powerpoint-Präsentation folgte die Entscheidung: Die HRS Real Estate AG darf das PJZ bauen. Das Unternehmen mit Sitz im thurgauischen Frauenfeld stach die beiden Zürcher Konkurrenten Steiner AG und Implenia Schweiz AG aus. HRS hatte mit 387 807 900 Franken das günstigste Angebot vorgelegt. Die Offerten liegen aber sehr nahe beieinander. Steiner offerierte um ein Prozent (Fr. 391 560 000.–), Implenia um 2,8 Prozent teurer (Fr. 398 500 000.–).

Vergabe ohne Bonitätsprüfung?
Die Pressekonferenz war ein Befreiungsschlag für den Kanton. «Wenn ein Hauch der Zufriedenheit des Regierungsrates auf Sie übergeht, dann sind wir glücklich», sagte Regierungspräsident Mario Fehr. Die Ankündigung, dass schon im Mai die Hochbauarbeiten beginnen sollen, hatte 17 Jahre nach dem Standortentscheid tatsächlich euphorisierendes Potenzial. Allerdings haben die unterlegenen Mitbewerber nun dreissig Tage Zeit, gegen den Entscheid zu rekurrieren. Recherchen zeigen: Die Vergabe ist umstritten.

Die unterlegene Implenia zeigt sich auf Anfrage «überrascht» über den Entscheid des Kantons. Dieser habe den Auftrag vergeben, ohne die Bonität der Zuschlagsempfängerin zu prüfen. Der Entscheid sei denn auch «unter dem Vorbehalt des Ergebnisses einer noch durchzuführenden Bonitätsprüfung» erfolgt. Die Bonität des Auftragnehmers sei nach den Submissionsbedingungen des Kantons Zürich für dieses Ausschreibungsverfahren ein Eignungskriterium, das gerade bei einem derart komplexen Bauvorhaben von massgeblicher Bedeutung sei. Die Implenia AG habe zudem erst an der Pressekonferenz von der Gewichtung der Vergabekriterien erfahren, welche der Kanton vorgenommen habe. Über diesen Vorgang zeigt sich der Konzern «erstaunt». «Implenia wird nach der Akteneinsicht vom Montag den Entscheid des Kantons Zürich prüfen und danach über das weitere Vorgehen entscheiden», schreibt Implenia-Sprecher Reto Aregger in einem E-Mail.

Die kantonale Baudirektion will sich mit Verweis auf die laufende Beschwerdefrist zu den einzelnen Kritikpunkten nicht äussern. Es seien aber «selbstverständlich» sämtliche vergaberechtlichen Bestimmungen eingehalten worden. Die ebenfalls unterlegene Steiner AG wollte sich auf Anfrage nicht äussern, bevor sie den Vergabentscheid geprüft habe.

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