Als der FCZ am Donnerstag in Bukarest spielte, war auch ein Zürcher Sozialarbeiter mit dabei. Die sogenannte Fanarbeit gilt als Mittel, um Gewalt in den Stadien zu verhindern. Seit dem Jahr 2008 wird sie von Bund, Kantonen und Gemeinden gefördert. Auch die Fussballvereine zahlen einen Teil.

In Zürich wird nun aber Kritik laut: Die Klubs GC und FCZ drückten sich um die Kosten. «Es geht nicht, dass sich die beiden Fussballklubs die Kosten für die Fanarbeit teilen, obwohl beide Vereine je eigene Fanarbeiter und eine entsprechende Infrastruktur bekommen», sagt GLP-Gemeinderat Markus Baumann. Zusammen mit Parteikollegin Maleica Landolt fordert er in einem Postulat eine stärkere Beteiligung der Vereine.

Die Fanarbeit kostet jährlich rund 300 000 Franken. Bezahlt wird dieser Betrag je zu einem Drittel von der Stadt, vom Kanton und von den Fussballvereinen. Sowohl GC als auch der FCZ steuern für die Fanarbeit 50 000 Franken bei. Die Kostenaufteilung entspricht dem Rahmenkonzept für die Fanarbeit des Bundesamts für Sport. Zürich ist aber ein Spezialfall. In keiner anderen Stadt können sich zwei Fussballvereine ihr Drittel der Kosten für die Fanarbeit teilen. Beide Klubs bezahlen den vorgeschriebenen Mindestbeitrag von 50 000 Franken.

Vereine sollen mehr Verantwortung übernehmen
Dieser Betrag soll nun erhöht werden. Um wie viel, lassen Baumann und Landolt in ihrer Petition offen. Gegenüber der «Schweiz am Sonntag» wird Baumann nun konkret. Die Klubs sollen doppelt so viel zahlen, je 100 000 statt bisher 50 000 Franken. Landolt macht deutlich, dass es nicht nur ums Geld gehe, sondern auch um einen Anreiz für die Klubs, in und um die Stadien für Ruhe zu sorgen. Die Logik dahinter: Wenn die Vereine finanziell stärker eingebunden sind, würden sie sich auch sonst stärker engagieren. Sie erinnert an Krawalle der letzten Zeit vor allem von FCZ-Anhängern.

Der Zeitpunkt der Petition ist nicht zufällig gewählt. In den nächsten Wochen muss das Stadtparlament den jährlichen Beitrag der Stadt von je 100 000 Franken für die nächsten vier Jahre bewilligen. Zurzeit brütet die Spezialkommission des Sozialdepartements über dem Thema.

Sollte ihr Anliegen durchkommen, soll nach Meinung der Petitionäre mit dem zusätzlichen Geld die Fanarbeit ausgebaut werden. Eine Reduktion des städtischen Beitrags wäre nicht in ihrem Sinn. «Wir brauchen ein Umdenken in der Fanpolitik: Prävention statt Repression», sagt Baumann. Mit der bestehenden Fanarbeit ist er indes nicht zufrieden. Während das GC-Fanprojekt guten Kontakt zu den organisierten Fans pflege und so Gewalt verhindern könne, sei dies bei der Fansozialarbeit des FCZ nicht der Fall, bemängelt Baumann. Er pocht darum auf eine einheitliche Fanarbeit, die sich am GC-Modell orientiert.

Heute reicht die Fanarbeit vom Vermitteln bei Konflikten bis zur allgemeinen Lebensberatung. Die Fansozialarbeiter des FCZ begleiten Senioren an Heimspiele oder minderjährige Fans an Auswärtsspiele, mit einer Wanderausstellung tourten sie im vergangenen Jahr durch Schulhäuser und sprachen mit Jugendlichen über Fankultur. Fans können sich bei den Sozialarbeitern des FCZ auch bei der Jobsuche helfen lassen. Ähnlich sieht es beim GC-Fanprojekt aus. Es steht den Anhängern der Grasshoppers bei diversen sozialen oder rechtlichen Themen zur Seite. Zudem vermitteln sie bei Auswärtsfahrten zwischen den SBB, der Polizei und den Fussballfans.

Vereine sind mit Fanarbeit zufrieden
Die Verantwortlichen des Vereins Fanarbeit, der für beide Klubs zuständig ist, wollen sich auf Anfrage nicht äussern. Sie verweisen auf den laufenden politischen Prozess. Auch die Fussballklubs selbst sind zurückhaltend. GC-CEO Manuel Huber sagt nur: «Wir sind mit der Fanarbeit sehr zufrieden.»

Gleich klingt es beim FCZ, dessen Fanarbeit explizit kritisiert wird. Sprecher Säha Demokan sagt: «Wir sind sehr zufrieden mit der Arbeit der sozioprofessionellen wie auch mit der klubeigenen Fanarbeit.» Auch die Kritik, die Fanarbeit zeige zu wenig Resultate, weist er zurück. «Die Ausschreitungen um Fussballspiele sind rückläufig.» Diese bestätige auch die Polizei.

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