Die von der Nationalbank verhängten Negativzinsen befeuern den Streit um die Renten neu. Branchenvertreter und bürgerliche Politiker wollen den Mindestzins für Pensionskassen-Sparguthaben senken: von heute 1,75 auf 1 Prozent. Der Zinssatz entspreche nicht mehr der Realität an den Finanzmärkten, sagt Philipp Gmür, Schweiz-Chef der Helvetia.

Unterstützung finden die Versicherer im Bundeshaus. SVP-Ständerat Alex Kuprecht hält den aktuellen Mindestzins für «viel zu hoch»: Er fordert eine Senkung auf 0,75 bis 1,0 Prozent. «Die ganze Situation ist für die Anleger verrückt. Es findet eine Verlagerung in den Aktienbereich statt, die mit enormen Risiken verbunden ist. Geht das so weiter, kommt es zu einem gewaltigen Crash.»

Der Bundesrat entscheidet im Herbst über den Mindestzins. Auch GLP-Nationalrat Thomas Weibel hält eine Senkung des Satzes auf 1 Prozent für angemessen. Die Grünliberalen fordern zudem eine grundlegende Reform: «Der Mindestzinssatz sollte entpolitisiert werden. Das muss jetzt auf das Tapet.» Statt die Höhe der Zinsen auf Guthaben politisch festzulegen, brauche es eine technische Formel. Branchenvertreter fordern eine Ausrichtung an den Zinsen von Bundesobligationen – mit Abschlag.

Auch die FDP kämpft für ein solches Modell und nimmt damit eine Senkung der Rentenverzinsung in Kauf. «Es ist nötiger denn je, den Mindestzinssatz zu entpolitisieren», sagt FDP-Nationalrat Ignazio Cassis: «Der Satz sollte die Realität an den Märkten widerspiegeln, nicht einen politischen Wunsch.» Nun müsse der Bundesrat handeln.

Bei der SP spricht man bereits von Rentenklau. «Verdeckt hinter der Politik der Nationalbank, versucht man einen kalten Rentenabbau», sagt SP-Nationalrätin Susanne Leutenegger Oberholzer. «Damit zahlen schliesslich die Versicherten den Preis für die Spekulation auf den Franken. Das darf nicht sein.»

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