VON YVES CARPY UND ARTHUR RUTISHAUSER

Herr Ziegler, ist OC Oerlikon – bildlich gesprochen – stehend k. o.?
Stehend k. o. kann ich nicht mit Journalisten sprechen.

Bis wann müssen Sie eine Lösung mit den Banken finden?
Ich will so schnell wie möglich eine Lösung. Unser Ziel ist, bis spätestens Ende Februar eine Einigung zu erzielen. Damit wir sie dann umsetzen können.

Was tun Sie, wenn die Einigung scheitert: Zahlen Sie dann die fällige Kredittranche von 600 Millionen Franken zurück oder gehen Sie in den Nachlass?
Ich spekuliere nicht. Wir arbeiten an der Lösung.

Ist der Aktienkurs angesichts des Kapitalschnitts nicht noch zu hoch?
Sicherlich ist der Kursrückgang der letzten Tage damit zu erklären, dass wir einen Kapitalschnitt als Vorschlag unterbreitet haben.

Ursprünglich wollten Sie Ende Jahr eine Sanierung präsentieren. Diese Woche skizzierten Sie erst die Idee eines Schuldverzichts der Banken. Wieso?
Die Lösung ist ja nicht trivial. Man muss jetzt den Banken Gelegenheit geben, zu analysieren und zu rechnen. Es ist völlig unrealistisch zu erwarten, dass hier eine spontane Zustimmung kommt.

Wie sieht die Lösung genau aus?
Wir haben die Mechanik unseres Vorschlages dargelegt. Er enthält fünf Elemente: Die Verschiebung der Fälligkeiten der Kredite, niedrigere Schuldzinsen, Umwandlung der Kredite in Aktien, Kapitalschnitt und Kapitalerhöhung.

Wieso sind Sie public gegangen?
Wegen eines Infolecks im angelsächsischen Raum. Wir hatten eine Anfrage eines elektronischen Mediums, welches über genaue Informationen aus unserem streng vertraulichen Papier verfügte.

Wieso veröffentlichen Sie die Zahlen nicht?
Wenn die Details öffentlich werden, macht das die Verhandlungen schwerer. Wir konnten die Publikation stoppen und Infos aus dem Internet entfernen.

Ihre Lösung sieht keine Firmenverkäufe vor. Wollen Sie die OC Oerlikon in gleicher Grösse fortführen?
Der langfristigen Zusammensetzung des Portfolios des Oerlikon-Konzerns widmen wir uns im Anschluss an die Lösung der drängenden Finanzierungsfragen. Die Tests und Gespräche der letzten Wochen haben gezeigt, dass die Bilanzsanierung nicht sinnvoll mit Verkäufen von Tochtergesellschaften zu machen ist. Es wurde uns für die Firmen zu wenig geboten. Im Moment versuchen alle, die Preise mit dem Hinweis auf unsere angespannte Situation zu drücken. Und die Tochtergesellschaften, die verkauft werden könnten, machen in der aktuellen Wirtschaftslage kaum Gewinn. Auch werden derzeit nur geringe Multiples geboten. Zweimal wenig gibt nicht viel.

Letztes Jahr hat die Firma Von Roll 600 Millionen Franken für die Oerlikon-Tochter Balzers geboten. Würden Sie jetzt zu dem Preis verkaufen?
Ich bin überzeugt, dass Balzers mehr Wert hat als 600 Millionen. Balzers ist eine echte Industrieperle. Das Potenzial unseres Beschichtungsgeschäfts ist doch gar nicht voll ausgereizt. Ich habe von einem Brief von Von Roll gehört. Doch ich weiss nicht, wie ernst das Angebot gemeint war. Es kommt ja auch darauf an, was eingeschlossen ist.

Man zweifelt an der Werthaltigkeit des Goodwills in der Höhe von 1,7 Milliarden Franken auf dem Kauf von Saurer. Rechnen Sie mit einem Abschreiber?
Wir haben zum Halbjahr einen Impairmenttest gemacht, ohne Abschreibungen machen zu müssen. Inzwischen haben sich die Aussichten gerade im Textilgeschäft positiv entwickelt.

Sie haben laut Halbjahresbericht etwa 300 Millionen liquide Mittel und müssen Ende März 600 Millionen zahlen. Schliessen Sie einen Nachlass aus?
Daran kann niemand Interesse haben.

Gibt es keinen Alternativplan?
Es macht doch keinen Sinn, x verschiedene Pläne zu entwickeln. Das, was wir den Banken präsentiert haben, ist unserer Meinung nach ausgewogen und fair.

Wieso «ausgewogen»?
Wir haben eine Opfersymmetrie: Die Banken müssen einen Teil der Kredite abschreiben. Die Aktionäre müssen einen Kapitalschnitt in Kauf nehmen und neues Geld einschiessen, wenn sie ihren Anteil halten wollen. Die Firma hat bereits mit den Kostenprogrammen und Personalabbau geblutet. Alle Beteiligten müssen ihren Teil leisten, um die Finanzierung von Oerlikon wieder auf eine solide Grundlage zu stellen.

Ist OC Oerlikon nach OR 725 überschuldet?
Ich kann Ihnen nur sagen, dass wir das OR mit all seinen Finessen kennen.

Sie haben Erb liquidiert und Swisslog saniert. Wenn es Ihnen gelingt, ist OC Oerlikon die grösste Firmensanierung der Schweiz – auch Ihre schwierigste?
Jeder Fall hat seine eigene Gesetzmässigkeit. Im Fall Erb hatte ich es mit 82 Banken zu tun. Die Betreibungen stapelten sich und es fehlte Bargeld. Im Gegensatz dazu habe ich hier fast eine überschaubare Gruppe, darunter viele ausländische Banken. Das macht die Aufgabe anspruchsvoll. Doch stimmt mich die Cashsituation zuversichtlich.

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