Von Patrik Müller und Christian Dorer

In gut zwei Wochen wird die Weltöffentlichkeit wieder nach Davos schauen: Dann beginnt das 44. Weltwirtschaftsforum. Doch viele Teilnehmer hätten sich in den letzten Jahren über die fehlende Gastfreundschaft im Graubündner Tourismusort beklagt, sagt WEF-Gründer Klaus Schwab im Interview. «Die Gastfreundschaft hat leider nicht die ganze Bevölkerung durchdrungen.» Wer nach Davos komme, solle sich hier als Gast fühlen können – «und nicht nur als Milchkuh».

Wiederholen sich negative Vorfälle, könnte sogar der Durchführungsort Davos gefährdet sein. Schwab sagt: «Ich bin Ehrenbürger von Davos, fühle mich diesem Ort sehr verpflichtet und habe auch gesagt: Wir halten Davos die Treue, wenn keine schwerwiegenden Umstände vorliegen.» Doch er schränkt ein: «Aber es gibt Grenzen. Die Konkurrenz in der Welt ist gross. Und die Treue zu Davos hängt nicht von mir ab, sondern davon, ob unsere Teilnehmer sich in Davos wohlfühlen.»

Schwab hat auch selbst unschöne Erfahrungen gemacht: «Weil meine Frau verletzt war und nicht gut gehen konnte, musste ich kurz in einem Parkverbot halten – und wurde gleich zwei Mal auf unflätige Art beschimpft. Wäre ich zum ersten Mal in Davos gewesen: Ich wäre sofort wieder abgereist.»

Der wirtschaftliche Nutzen des WEF für den Durchführungsort des global beachteten Jahrestreffens ist gross. Das wissen auch potenzielle Konkurrenten von Davos. China hat für ein regionales WEF-Treffen ein Kongresszentrum für 100 Millionen Franken aus dem Boden gestampft. Viele Länder wären bereit, das WEF kostenlos zu beherbergen.

Im Interview spricht Schwab auch über die drängenden Probleme, über die am World Economic Forum diskutiert wird, das vom 22. bis 25. Januar dauert. Schwab sorgt sich insbesondere um die Konflikte in Nahost, ihn beschäftigt aber auch «die Entwicklung, dass die Gesellschaft auseinanderdriftet». Schwab: «Die Kluft zwischen Reich und Arm wird grösser, sowohl national als auch international. In vielen Ländern wächst eine verlorene Generation heran: Millionen von Jugendlichen finden keine Arbeit.» Die Jugendarbeitslosigkeit in Spanien und Griechenland liegt nach wie vor bei über 50 Prozent. «Da tickt eine Zeitbombe», sagt der WEF-Gründer.

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