Von Niklaus Vontobel und Laurina Waltersperger

Syngenta wird die Zweifel ihrer Investoren nicht los. Die Aktie des Agrochemie-Konzerns verliert seit Wochen an Wert. Nun hat sie mit der Trump-Wahl erneut nachgegeben und liegt bei 378 Franken – weitab des Angebots von Chemchina, das 470 Franken für jede Aktie beträgt. Dabei hatte das Komitee für Auslandsinvestitionen in den USA (Cfius) dem Merger bereits grünes Licht gegeben, eines der grössten Hindernisse schien damit ausgeräumt.

Mit der Trump-Wahl kommen neue Ängste auf. Trump hatte China schon wiederholt angegriffen. Unter anderem sagte er, Amerika habe einen Handelskrieg mit China, und, bezogen auf Chinas grosse Exporte: «Wir dürfen es nicht weiter zulassen, dass China unser Land vergewaltigt.» Damit spielt China eine Hauptrolle in der Trump’schen Erzählung davon, wie Amerikas Unternehmen und Arbeiter im internationalen Handel benachteiligt seien.

Konkreten Anlass zur Sorge bietet nun ein Bericht von Trumps Übergangs-Administration, der in Washington kursiert. Darin werden die Prioritäten für die neue Regierung beschrieben. In einer entscheidenden Passage heisst es: «Zu den anderen Geschäften für den ersten Tag zählt, China als Währungs-Manipulator zu kennzeichnen (…) und das Amt des US-Handelsbeauftragten und Cfius zusammenzubringen, um alle wichtigen ausländischen Übernahmen von US-Unternehmen zu untersuchen und so gleiche Chancen für amerikanische Investoren im Ausland zu gewährleisten.»

Nun treibt Investoren die Sorge um, Trump könnte den Cfius-Entscheid rückgängig machen. Gemäss einem US-Politik-Insider wären Syngenta und Chemchina ein leichtes Ziel. «Weil es für US-Unternehmen viel schwieriger ist, in China ein Unternehmen zu kaufen als umgekehrt; weil es um die Nahrungsmittel-Sicherheit geht und damit ein strategisches Thema für die USA.» Es scheine fair zu sagen, dass die Genehmigung des Deals gerade viel schwieriger geworden sei.

Das scheint auch das Analysehaus Bernstein Research zu befürchten. Der zuständige Analyst schrieb diese Woche, die Übernahme werde nach der Wahl Trumps komplizierter, und nahm das Kursziel für die Aktie deutlich herunter. Am Markt gibt es indessen auch andere Stimmen. Diesen zufolge werde die Trump-Regierung eher chinesische Übernahmen von in den USA beheimateten Unternehmen verhindern wollen. Der Londoner Broker Olivetree hat sich die Risiken genauer angeschaut und gibt Entwarnung: «Das Zeitfenster, in dem der neue Präsident handeln müsste, wird sehr kurz sein; und es gab bislang keine Hinweise für ein Eingreifen.»

In Europa hat sich die Haltung gegenüber China bereits verhärtet. Berlin und Brüssel fordern eine verstärkte Prüfung chinesischer Übernahmeangebote. Allen voran verhandelt Deutschland dieser Tage in einem weit härteren Ton als auch schon mit Peking. Der SPD-Parteivorsitzende Sigmar Gabriel sorgte bei der Regierung in Peking jüngst für Verstimmung, als er zwei chinesische Übernahmen, die eigentlich schon über die Bühne gegangen waren, nochmals untersuchen wollte. Global sind laut dem britischen Investmentspezialisten Grisons Peak chinesische Übernahmedeals von über 40 Milliarden Dollar blockiert – ohne den Syngenta-Deal und die deutsche Aixtron.

Schon 13 Schweizer Betriebe
Anders sieht es in der Schweiz aus. Obschon der geplante Syngenta-Deal der grössten Merger in der chinesischen Geschichte wäre, hält sich die Schweiz gegenüber China zurück. Dabei hat der rote Drachen seit 2009 bereits 13 Unternehmen geschluckt. Zu den prominentesten Beispielen zählen der Trinkflaschenhersteller Sigg, der Flughafendienstleister Swissport oder der Uhrenhersteller Eterna.

In der Öffentlichkeit sorgt dies für Unbehagen. «Ausländische Investitionen wecken vielerorts Sorgen um die Schweizer Arbeitsplätze der betroffenen Firmen», heisst es beim Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco). Der Bundesrat verfolge diese Entwicklung aufmerksam. Handlungsbedarf sieht man jedoch weder beim Seco noch beim Wirtschaftsdachverband Economiesuisse. Im Vordergrund stünden die Vorteile für den Wirtschaftsstandort Schweiz, heisst es beim Seco.

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