Die weiss-orangen Zalando-Pakete überfluten die Schweiz. 2016 konnte der deutsche Online-Modehändler seinen Umsatz hierzulande erneut massiv steigern. Die Beratungsfirma Carpathia schätzt ihn auf mehr als eine halbe Milliarde Franken. Und dabei soll es nicht bleiben, wie Oliver Samwer im Gespräch mit der «Schweiz am Sonntag» sagt.

Der 44-Jährige war mit seinen beiden Brüdern Marc und Alexander treibende Kraft in den Anfangsjahren von Zalando, als der Konzern begann, mit aggressiven Preisen und TV-Spots den klassischen Modehändlern Kunden abzujagen. Zuletzt haben sie ihre Beteiligung am inzwischen börsenkotierten Konzern via ihren Fonds Global Founders auf unter 10 Prozent gesenkt. Doch Samwers Wort hat nach wie vor Gewicht.

«Wir sind sehr zufrieden mit dem Geschäftsverlauf in der Schweiz», sagt Samwer. Die Kundenakzeptanz sei genauso hoch wie im Heimmarkt Deutschland. Das Schweizer Geschäft wachse überdurchschnittlich und sei auch für seine anderen Online-Geschäfte wie Westwing (Möbel) und Hellofresh (Food-Lieferungen) attraktiv. In diese und zahlreiche andere Startups sind die Samwers mit ihrer Beteiligungsgesellschaft Rocket Internet investiert.

Samwer sagt, er könne sich hierzulande weitere Kooperationen vorstellen. Was er damit antönt: Schweizer Modemarken sehen in Zalando eine Chance anstatt nur den bösen Online-Gegner. Neu wird es beispielsweise Kleider der Aargauer Outdoor-Firma Mammut auf Zalando geben. Zuvor waren die Schuhmarke Navyboot und das Modelabel Zimtstern dazugestossen, wie Zalando-Länderchef Dominik Rief sagt. Das Interesse der Schweizer Modemarken steige spürbar. Insgesamt ist ein gutes Dutzend bereits an Bord, so Strellson, Calida, Hanro oder Triumph. Die Modekette PKZ hält eine Listung der Eigenmarken Paul Kehl und Paul auf Zalando für «prüfenswert».

Auch kleine Händler im Visier
Olav Kratz, Sprecher des Aargauer Dessous-Riesen Triumph (Umsatz 2015: 1,4 Milliarden Euro), spricht von einem zweistelligen Umsatzwachstum, das man im letzten Jahr via Zalando mit BHs, Négligés und Slips erzielt habe. Aufgrund des Erfolgs werde man das Angebot auf Zalando erweitern. Daneben betreibt Triumph allein in Europa zwölf eigene Onlineshops. Den Kooperationen liegt die Erkenntnis zugrunde, dass der Onlineanteil im Modemarkt weiter steigt und Zalando aufgrund seiner grossen Reichweite ein interessanter Zusatzkanal darstellen kann. Ganz nach dem Motto: «If you can’t beat them, join them» – wenn du sie nicht schlagen kannst, verbünde dich mit ihnen. Denn im hiesigen Detailhandel leidet insbesondere die Modebranche unter der Verlagerung ins Internet und dem Einkauf ennet der Grenze. Viele Geschäfte haben aufgegeben. Zudem kosten der Aufbau und der Betrieb eines eigenen Internetauftritts viel Geld. «Da wir in der Schweiz derzeit noch keinen eigenen Webshop betreiben, ist Zalando ein guter Weg, um unsere Kunden auch online zu bedienen», sagt Brigitte Hardt, Verkaufschefin des Modelabels Hanro. Doch gibt es auch solche, die standhaft bleiben. Für den Unterwäschehersteller Zimmerli hat Zalando «keine Priorität», genau so wie für den Zürcher Schuhhändler Benci Brothers, das Warenhaus Manor und und die Migros-Tochter Schild.

In Deutschland geht Zalando einen Schritt weiter. 2016 startete der Pilot «Integrated Commerce». Dabei arbeitet der Konzern unter anderem mit über 20 stationären Modehändlern zusammen. Die Idee dahinter: Wenn ein Kunde auf Zalando einen bestimmten Schuh bestellt, sehen das die Partner. Wer den Schuh an Lager hat, kann sich den Auftrag krallen und ihn selbst in einer Zalando-Box versenden. Der Vorteil aus Zalando-Sicht: Die Lieferung erfolgt noch schneller als über die eigenen Verteilzentralen, und Zalando erhält eine Marge.

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