VON ARTHUR RUTISHAUSER

Der Industriekonzern OC Oerlikon hat das Potenzial, zum grössten Sanierungsfall seit dem Konkurs der Swissair zu werden. Bankschulden in der Höhe von 2,2 Milliarden Franken, wovon 600 Millionen anfang nächstes Jahr fällig werden, stehen Aktiven gegenüber, die immaterielle Vermögenswerte in der Höhe von 1,7 Milliarden Franken enthalten.

Davon noch immer eine Milliarde Goodwill aus der Saurer-Übernahme vor drei Jahren. Wie werthaltig diese Positionen sind, darüber darf man streiten. Denn sowohl im Automobil- wie auch im Textilgeschäft werden heute für Unternehmen kaum mehr Übernahmepreise gestellt.

Nun ist der bekannte Sanierer Hans Ziegler fieberhaft daran, Käufer für Teile des hoch verschuldeten Unternehmens zu suchen. Eine Idee, wie das geschehen sollte, hat er noch keine, so ein Insider. Aber dass die Lage heute so verzweifelt ist, ist nicht gottgegeben. Im Gegenteil: Ende November letzten Jahres schickte Thomas Limberger, Ex-CEO bei Oerlikon und heute Chef des Industriebetriebs

Von Roll, dem damaligen Konzernchef Uwe Krüger eine so genannte «non binding indicative offer». 600 Millionen wollte er für den Bereich Coating (Balzers) zahlen. Der damalige Oerlikon-Chef Krüger wollte nicht einmal verhandeln, er schrieb am 12. Dezember 2008: «The Proposal ist wholly inadequate». Verwaltungsratspräsident Vladimir Kuznetsov schrieb Limberger zwei Tage später eine höflichere, aber ebenso negative Antwort.

Nun muss man zu Balzers drei Dinge wissen. Erstens ist bekannt, dass die Führungsetage von Sulzer, Vekselbergs zweiter Schweizer Beteiligung, Balzers ebenfalls kaufen möchte. Zweitens ist der Wert von Balzers dieses Jahr dramatisch eingebrochen. Das Unternehmen macht nun statt 52 Millionen Ebit einen Verlust von 6 Millionen auf gleicher Stufe.

Drittens könnten sich Krüger und Limberger nicht ausstehen. Wie man allerdings den Banken erklären will, dass sie einen Schuldverzicht unterschreiben müssen, wenn diese erfahren, dass eigentlich Kaufinteressen für namhafte Teile des Unternehmens vorhanden gewesen wären, ist nicht klar. Auf die Frage, wie sichergestellt wird, dass es bei Firmenverkäufen nicht zu Interessenkollisionen kommt, meint Unternehmenssprecher Burkard Böndel: «Mögliche Preisfindungen werden durch externe, unabhängige Gutachter begleitet.»

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