Herr Hälg, am Freitag hat das Kantonsgericht Ihnen im Streit mit der Familie recht gegeben. Haben Sie besser geschlafen als sonst?
Paul Hälg:Ich bin persönlich sehr erleichtert. Vor allem freue ich mich für die Firma. Gestern war ein sehr guter Tag für Sika, die 17000 Mitarbeiter, das Management, für alle Verwaltungsräte.

Fühlen Sie sich persönlich bestätigt?
Das Urteil hat gezeigt, dass der Verwaltungsrat auf dem richtigen Weg ist. Wir hatten immer die Überzeugung, das Richtige zu tun. Aber eine gerichtliche Bestätigung ist etwas anderes.

Man weiss ja auch nicht, ob die eigenen Anwälte wirklich richtig liegen.
Am Schluss zählt halt immer der Gerichtsentscheid.

Gab es etwas im Urteil, was Sie persönlich besonders gefreut hat?
Das Gericht hat beispielsweise unsere Interpretation des Vinkulierungsartikels gestützt. Dass es eine materielle Betrachtung braucht und nicht eine rein formalistische.

Dass es also keinen Unterschied macht, dass die Familie formal ihre Sika-Aktien nicht verkauft hat, sondern nur ihre Aktien an der Familienholding SWH, in der wiederum die Sika-Aktien drin sind?
Richtig. Rein formalistisch gesehen werden die Aktien der SWH und nicht der Sika selber verkauft. Aber materiell gesehen, hätte natürlich Saint-Gobain durch den Kauf der Familienholding die Kontrolle übernommen.

Im Urteil bewertete das Gericht auch das Vorgehen des Verwaltungsrates.
Es hat uns bescheinigt, dass wir im Sinne der Firma gehandelt haben und nicht aus persönlichen Interessen.

Es steht drin, wenn Sie bloss Ihre Macht hätten erhalten wollen, hätten Sie sich besser dem Willen der Familie gefügt.
Ja, wir haben immer gesagt: Wir sind den schwierigeren Weg gegangen. Wir haben dafür gesorgt, dass die Vinkulierungsbestimmung in unseren Statuten gerichtlich sauber angeschaut wird.

Ist dieses Urteil eine Vorentscheidung?
Das ist ein Entscheid der ersten Instanz. Aus meiner Sicht ist das Urteil deutlich und klar. Es wird schwierig werden, dies mit überzeugenden Argumenten anzufechten.

Aber ist nicht dennoch so: indem Sie die Stimmrechte der Familie Burkard beschränkt haben, kehren Sie die Verhältnisse um. Eigentlich müssen die Aktionäre über den Verwaltungsrat bestimmen.
Es bestreitet niemand, dass der Aktionär bestimmt, wer Verwaltungsrat wird. Nun gibt es aber den Spezialfall der Vinkulierung. Diese gibt dem Verwaltungsrat das Mittel, einen Wechsel der Kontrolle zu verhindern. Die Familie wollte diesen Artikel mit der Neubesetzung des Verwaltungsrates umgehen. Sie selber hat diese Vinkulierung in die Statuten schreiben lassen. Sie hat sogar eingeführt, dass sie die Vinkulierung nicht im Alleingang aufheben könnte, sondern nur mit einer Mehrheit der Publikumsaktionäre.

Indem Sie den Verkauf verhindern, schränken Sie doch die Eigentumsrecht der Familie ein?
Die Familie ist an die Vinkulierung gebunden, die mit ihrer Zustimmung in die Statuten aufgenommen worden ist. Sie kann sich jetzt im Nachhinein nicht beschweren, ihr Eigentum werde eingeschränkt.

Sollte sich Saint-Gobain jedoch zurückziehen, wäre die Familie wiederum frei, Sie abzusetzen.
Die Familie hat entschieden, ihr Paket zu verkaufen und will dies wohl weiterhin. Wir als Sika haben eine Offerte, die für die Familie eine bessere Alternative ist. Die Sika Führung hat bewiesen, dass sie auf dem richtigen Kurs ist. Aus operativer Sicht gibt es keinen Grund für einen Wechsel.

Wie sieht Ihre Offerte an die Familie aus?
Über konkrete Eckpunkte möchte ich zuerst mit der Familie sprechen. Aber es wird eine finanziell attraktive und schnelle Lösung sein, die die Unabhängigkeit von Sika bewahrt. Auch die Publikumsaktionäre würden von dieser Lösung profitieren. So viel kann ich sagen.

Wer käme denn als Käufer in Frage?
Wenn Sie sich unsere Bilanz anschauen, sehen Sie, dass wir eine solche Offerte aus eigenen Mitteln finanzieren könnten.

Diese Offerte ist Ihr Kompromiss-Angebot an die Familie?
Nachdem wir uns zwei Jahre lang vor Gericht gestritten haben, wäre nun der Moment gekommen, uns zusammenzusetzen und gemeinsam eine Lösung zu suchen. Das Urteil zeigt, dass wir nicht weiter kommen, wenn wir weiterhin gegeneinander arbeiten. Die Probleme des Verkaufs an Saint-Gobain sind bekannt. Der Wunsch beider Seiten ist auf dem Tisch. Die Familie will verkaufen, der Verwaltungsrat will die Unabhängigkeit bewahren.

Sie wollen nicht erst einmal ihren Sieg feiern.
Wir möchten in erster Linie eine Lösung finden für Sika.

Aber die Familie möchte Rekurs einlegen.
Meines Erachtens hat das auch rechtliche Gründe. Tut sie dies nicht, akzeptiert sie das Urteil und ihre Stimmen wären nichts mehr wert. Sie kann beides tun: das Urteil weiterziehen und gleichzeitig verhandeln.

Ist die Familie schlecht beraten worden?
Bevor die Verkaufsabsicht bekannt wurde hatten wir ein gutes Verhältnis mit der Familie. Ich hatte nie den Eindruck, dass der Familie die Firma gleichgültig ist. Sie fühlte sich immer verantwortlich für Sika.

Warum haben Sie sich dem Willen der Familie vor zwei Jahren eigentlich nicht gefügt?
Heldentum war das nicht. Unsere Analyse ergab einfach, dass wir diesem Verkauf nicht zustimmen konnten.

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