10 Jahren nicht mehr.
VON BENJAMIN WEINMANN

Es weihnachtet. Seit dieser Woche verkaufen zahlreiche Coop-Geschäfte die ersten Weihnachtsartikel, Denner seit gestern. Lidl begann schon eine Woche früher. Aldi gar Anfang September. Bei der Migros Aare und im Globus gibts den ersten Baumschmuck Ende Oktober und bei Manor eine Woche darauf. Der Verdacht ist jedes Jahr derselbe: Die Händler beginnen mit dem Weihnachtsverkauf immer früher, schliesslich ist dies für sie die wichtigste Verkaufsperiode.

Bei Warenhäusern wird im November und Dezember bis zu einem Viertel des Jahresumsatzes erzielt. Migros, Coop und Co. dementieren den früheren Verkaufsstart unisono, er beginne jedes Jahr zur selben Zeit. Fakt ist jedoch: Die Schweizer Geschäfte müssen sich dieses Jahr besonders warm anziehen. Noch nie lockten der tiefe Euro- und Dollarkurs so sehr für den Festtagseinkauf im Ausland. Ende August rief Preisüberwacher Stefan Meierhans gar offen zum Einkaufstourismus auf. Und er ist nicht der Einzige:

Swiss: Die Airline verschickte diese Woche Newsletter an ihre Kunden: «Keine Lust auf Vorweihnachtsstress? Verbinden Sie doch dieses Jahr Ihr Christmas-Shopping mit ein paar entspannenden Tagen in einer europäischen Metropole.» Und: «Mit unseren attraktiven Spezialangeboten und dem günstigen Euro sparen Sie sogar doppelt.» Die Weihnachts-Specials kommen laut Sprecherin Sonja Ptassek sehr gut an, die Buchungen seien deutlich über dem Vorjahr.

Reisebüros: «Die Buchungen für New York in der Vorweihnachtszeit liegen 20 Prozent im Plus gegenüber dem Vorjahr», sagt Hotelplan-Sprecherin Prisca Huguenin-dit-Lenoir. «Dies entspricht dem höchsten Buchungsstand seit zehn Jahren.» Die eigenen Kontingente sind bereits seit September ausverkauft. Nun bietet Hotelplan zusätzliche Hotels im «Big Apple» an. Economy-Flüge sind ebenfalls praktisch ausgebucht.

Auch Kuoni wirbt fürs Shopping im Ausland. Laut Sprecherin Andrea Müller liegen die Buchungen für London 30 Prozent über Vorjahr, für Barcelona 25 Prozent. Seit Anfang Jahr passt der Reisekonzern bei den Städtereisen die Wechselkurse wöchentlich an – zurzeit ein Vorteil für alle reisewilligen Shopper.

SBB: 2010 sind die Weihnachtsmärkte Teil der Dachkampagne der SBB, im Angebot sind drei neue Märkte dabei. Bereits jetzt liegen an vielen Schaltern Prospekte auf für Adventsreisen nach Strassburg, München oder an den Christkindlmarkt Innsbruck. «Wir gehen dieses Jahr von einer klaren Steigerung aus», sagt SBB-Sprecher Christian Ginsing. 2009 lösten 12 500 Personen ein SBB-Ticket für Weihnachtsmärkte in der Schweiz oder Europa.

Trotz der grossen Konkurrenz im Ausland, rechnen Manor, Migros Aare, Coop und Globus dieses Jahr mit grösseren Weihnachtsumsätzen als im Vorjahr. Grund zur Hoffnung macht Ihnen das Konjunkturforschungsinstitut Bak Basel: Aufs ganze Jahr hinweg dürften die Umsätze im Detailhandel um 2,3 Prozent steigen. Und die diesjährige Konstellation beschert ihnen einen zusätzlichen Verkaufstag.

Zudem sollen nebst dem Fondue chinoise, den Cashmere-Schals und iPads auch neue Produkte für noch mehr Umsatz sorgen: So gibts bei Manor zum Beispiel eine Biermaschine zum Zuhause-Brauen.

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