Wer am Wochenende bei Coop Frischfleisch oder Fisch einkaufte, bekam eine Lyoner-Wurst der Marke Bell, 300 Gramm, hergestellt in der Schweiz mit Schweizer Fleisch, in die Hand gedrückt. «Vielen Dank für Ihr Vertrauen, Ihr Coop Metzgerei-Team» steht darauf.

Eigentlich, so der Metzger einer Filiale im Aargau, sei der Lyoner für die Besucher der «Tage der offenen Tür» in den Coop-Metzgereien gedacht. Aber es kommt niemand. In einer Filiale in Zürich stapeln sich Plastikkisten mit Gratis-Lyonern. «Gestern waren acht Leute hier», sagt ein Mitarbeiter, der den Gästen die Metzgerei zeigen soll. Es ist ihm langweilig. «Wir haben auch nichts zu zeigen», sagt der Metzger der Aargauer Filiale resigniert. Deshalb würden die Würste nun an die Kundschaft verschenkt. «Sonst müssen wir sie wegwerfen», sagt er.

Die Kundschaft lässt sich von den Lyonern nicht an die Frischfleisch-Theke locken: «Man merkt schon, dass weniger Leute kommen», sagt der Aargauer Metzger. Dasselbe bestätigen Mitarbeiter in Zürcher Filialen. «Die Stammkunden, die uns persönlich kennen, die bleiben», sagt jemand. Andere Kunden bedienen sich nun selbst – mit abgepackter Ware.

Auch Coop-Medienchefin Susanne Sugimoto bestätigt diesen Trend gegenüber dem «Sonntag»: «Wir spüren eine Verlagerung in den Selbstbedienungsbereich.» Genauere Zahlen hat sie nicht. «Ob es einen Einfluss auf die Fleischumsätze hat, können wir noch nicht sagen.»

Auch die Verkäufer hinter der Theke sind verunsichert. Viele fühlen sich durch die Vorfälle in ihrer Berufsehre verletzt: «Das ist nur in anderen Filialen passiert, nicht hier!» Es habe dort mehr Fälle gegeben, wo der Kontakt zur Kundschaft nicht so persönlich sei. Im Coop City in Zürich gibt man die Schuld den kleinen Standorten: «Bei uns geht sowieso immer alles weg.» Ein weiterer Zürcher Metzger bestätigt hingegen die Problematik: «Jede Woche werfen wir hier Fleisch im Wert von Tausenden von Franken weg», sagt er.

Unterdessen melden sich auf der Website des «Kassensturzes» immer mehr Leute mit ähnlichen Fällen. Darunter sind sehr konkrete Angaben. «Fische werden dreimal aufgetaut und wieder angeboten», schreibt jemand. Eine Tochter eines ehemaligen Coop-Metzgers schreibt: «Viel Fleisch hat er heimlich entsorgt, weil er sonst nicht schlafen konnte.» Äussern dürfen sich die Mitarbeiter zum Fleisch-Skandal nicht. Bei einer kritischen Frage des Kunden wird sofort der Chef-Metzger geholt – aber auch er darf nichts sagen. «Wir setzen alles daran, das Vertrauen der Kunden wieder zurückzugewinnen», sagt Coop-Medienchefin Sugimoto.

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