Walter Kielholz baut seine Machtbasis im Verwaltungsrat der Credit Suisse aus. Der 61-Jährige ist auf dem Papier zwar nur einfaches Verwaltungsratsmitglied, doch sein Einfluss auf die Bank ist so gross, wie schon lange nicht mehr. «Er engagiert sich stark», sagt ein Vertrauter.

Pikant ist: Eigentlich sollte sich seine Tätigkeit auf den Verwaltungsrat und zwei Ausschüsse beschränken. «Doch Kielholz sitzt überfallartig rein, wenn er meint, er werde gebraucht», sagt ein Kenner der herrschenden Verhältnisse. Und gebraucht wird er: So nimmt Kielholz an fast allen wichtigen Sitzungen anderer Ausschüsse teil. «Die Meetings werden zwar von Präsident Urs Rohner geleitet, doch es ist Kielholz, der mit seinen Fragen und Einschätzungen die Gesprächsrunde dominiert.»

Die Erfahrung und das Beziehungsnetz von Walter Kielholz und Peter Brabeck sind jetzt besonders gefragt. Denn die Lage der Credit Suisse ist dramatisch. Die CS-Aktie liegt trotz etwas Aufwind am Freitag mit gut 17 Franken auf historischem Tiefststand.

Seit Rohner im Frühling 2011 das Präsidentenamt übernommen hat, hat der Titel 56 Prozent verloren. Die UBS-Aktie gab «nur» um 36 Prozent nach. Kielholz muss retten, was sein Zögling Urs Rohner, 52, verkachelt hat. Zusammen mit CS-Vize und Nestlé-Präsident Peter Brabeck sucht das Schlachtross des Finanzplatzes nach Lösungen, um den Finanz-Tanker auf Kurs zu bringen.

Für Rohner wird die Lage mit jedem Kurs-Taucher ungemütlicher. Dass er im Verwaltungsrat unter Druck geraten ist, zeigen Äusserungen von Kielholz. Im engen Kreis sagte er kürzlich, dass man Rohner die schwierige Lage ansehe. Kielholz setzt somit ein Fragezeichen hinter die Krisenresistenz des CS-Kapitäns. Auch Rohner-nahe Quellen attestieren: «Die CS kann das Know-how von Kielholz derzeit gut brauchen.»

Für die grossen Aktionäre der Grossbank aus dem arabischen Raum hat sich das bisher nicht bezahlt gemacht. Vor allem die seit Herbst 2008 stark investierten Ölscheichs aus Katar, die derzeit über 6 Prozent der Bank besitzen, machen derzeit stark Druck. «Der Herrscher von Katar sagte mir kürzlich, es müsse nun etwas passieren», sagt ein Zürcher Geschäftsmann mit Beziehungen ins Katar-Zentrum. Für intakte Beziehungen mit den arabischen Investoren sind Kielholz und Brabeck Gold wert.

Ob sich Rohner an der Spitze der CS halten kann, hängt entscheidend von der Einschätzung der beiden VR-Schwergewichte Kielholz und Brabeck ab. Dass Kielholz selbst mit Ziehsöhnen kurzen Prozess macht, wenn er überzeugt ist, diese seien nicht mehr die Richtigen für den schwierigen Job, bewies er bei der Swiss Re. Dort setzte er seinen CEO Jacques Aigrain nach Milliardenverlusten Anfang 2009 kurzerhand ab.

Rohner hat sich seine missliche Lage zum Teil selbst eingebrockt. Der Kampf mit der Nationalbank über die ungenügende Kapitalisierung geht auf sein Konto. Rohner liess es sich nicht nehmen, selbst in die «Too big to fail»-Expertenkommission zu sitzen, wo er mit SNB-Chef Thomas Jordan die Kapitalregeln der Zukunft aushandelte. Bei der UBS hütete sich CEO Oswald Grübel vor dem Gremium und schickte stattdessen seinen Statthalter Ulrich Körner. Grübel behielt dadurch die kritische Distanz zum SNB-Regulator.

Umso unverständlicher war Rohners Reaktion vor zwei Wochen, als die SNB die CS aufforderte, sofort mehr Eigenkapital aufzutreiben. Als Mitglied der Expertenkommission musste der CS-Präsident um die Vorbehalte der SNB wissen; zudem hätte er dank seinem direkten Draht zu Jordan vorzeitig herausfinden können, dass der SNB der Geduldsfaden reissen würde. Gleich nochmals in die Nesseln setzte sich Rohner, als er seinen Widerstand gegen die SNB innert sieben Tage aufgab und seine Position um 180 Grad drehte.

Für Kielholz war Rohner trotz seinem Werdegang als Wirtschaftsanwalt und Medienmanager der richtige Mann, um die CS in die Zukunft zu führen. Als Kielholz im stürmischen Lehman-Brothers-Herbst 2008 zuerst frisches Kapital in Katar auftrieb und danach seine Nachfolge als CS-Präsident plante, brachte er Rohner in Stellung. Dieser sollte als Vizepräsident an Statur zulegen, um dann definitiv das Steuer zu übernehmen.

Als Übergangspräsident brachte Kielholz das CS-Urgestein Hans-Ulrich Doerig ins Spiel. Dagegen erhob ausgerechnet Kielholz-Power-Kollege Brabeck das Veto. Doerig sei nicht der Richtige, um die CS, die besser als andere Grossbanken durch die Krise gesegelt war, weiterzubringen. Schliesslich setzte sich Kielholz mit seiner Idee durch, und Doerig, mit Rohner als kommendem starkem Mann, wurden installiert.

Doerig verpasste in der Folge, darauf zu drängen, dass die CS ihre grossen Risiken rasch abbauen und nachhaltige Gewinne schaffen würde. Statt die Reserven zu stärken, liessen Doerig und Rohner hohe Dividenden-Ausschüttungen zu.

Nun muss Rohner das Steuer herumreissen, zu einem Zeitpunkt, an dem es an den weltweiten Finanzmärkten lichterloh brennt. Seine Rolle als verantwortungsbewusster Grossbankenkapitän findet er nur langsam. Weiterhin tritt Rohner an branchenfremden Anlässen auf. So debattierte er kürzlich auf einem Podium über den Einfluss von Social Media. Oder er war ein einem Anlass, wie man Frauen in verantwortungsvolle Positionen führen kann. «Immerhin hat er seine Auftritte an Schweizer Promi-Anlässen reduziert», nimmt ihn ein Kenner der Szene in Schutz.

Für Rohner brechen entscheidende Wochen an. Schafft er es nicht, den Kurs der CS zu stabilisieren, könnten seine Tage an der Spitze der Bank gezählt sein. Dann würde der Anwalt, der sich immer als grosser Banker gesehen hat, als kürzester Grossbanken-Präsident in die Geschichte eingehen.

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