Die Grossbank Credit Suisse legte im dritten Quartal überraschend enttäuschende Zahlen vor. Die Bank ist mit ihrer Strategie gescheitert, weiterhin im Investmentbanking eine führende Rolle zu spielen. Jetzt gibt sie klein bei und bildet eine sogenannte Bad Bank, in der Geschäfte, die sie nicht mehr betreiben will, entsorgt werden.

Für CS-Konzernchef Brady Dougan ist dies eine Kapitulationserklärung. Er als Investmentbanker konnte nicht anders. Trotz der knallharten Kapitalvorschriften in der Schweiz glaubte er weiterhin an das Geschäft mit dem Handel von komplexen Produkten. Doch die Erträge aus dem Geschäft mit Zinsprodukten deckten nicht mehr die Kapitalkosten. Die UBS hat dies bereits vor einem Jahr gemerkt und die Kapitalströme im Unternehmen geändert.

Jetzt zieht die Credit Suisse nach: In Zukunft will sie die beiden Grossbereiche Investmentbank und Vermögensverwaltung mit gleich viel Kapital versorgen. Heute gilt ein Verhältnis von 60 zu 40 zugunsten der Investmentbank.

Eigentlich müsste ein solch fundamentaler Wechsel den Kopf des CEOs kosten. Doch wer soll Brady Dougan beerben, der bereits seit sieben Jahren unangefochten an der Spitze der Bank steht? Der Verwaltungsrat der Credit Suisse hat die Nachfolgeplanung an der operativen Spitze verpasst. Geführt wird das Gremium von Urs Rohner, einem Anwalt, der spät in seiner Karriere ins Banking eingestiegen ist und bis zu seinem Wechsel in den Verwaltungsrat bei der CS als Chefjurist arbeitete.

Der Verwaltungsrat der CS scheint sich schwerzutun mit wichtigen Entscheidungen. Das dürfte zu einem guten Teil mit der Zusammensetzung zu tun haben. Bisher hat Urs Rohner vor allem Persönlichkeiten geholt, die zwar alle gescheit sind und über ein hohes Renommee verfügen wie die Schweizer Starprofessorin Iris Bohnet, die in Harvard lehrt, und der ehemalige Chef des Staatssekretariats für Wirtschaft, Jean-Daniel Gerber. Die können zwar intelligent mitdiskutieren, doch in führungs- und bankstrategischen Fragen ist ihr Einfluss mehr als begrenzt.

Die ohnehin unterdotierte unternehmerische und bankfachliche Kompetenz wird in den kommenden Monaten noch zusätzlich leiden. Denn auf die kommende Generalversammlung werden die beiden Schwergewichte Walter Kielholz und Peter Brabeck aus dem Verwaltungsrat ausscheiden.

Kielholz muss wegen Amtszeitbeschränkung zurücktreten. Nestlé-Präsident Brabeck wird nächstes Jahr 70. Bei ihm schlägt die Altersguillotine zu. Beide habe keine Lust mehr, sich einen Machtkampf mit Brady Dougan zu liefern. Schon heute agieren sie passiv im Verwaltungsrat. Deshalb stehen die Chancen gut für Konzernchef Brady Dougan, sich noch einige Monate auf dem Chefposten halten
zu können.

Derweil geht der Schlingerkurs der Credit Suisse weiter. Wie aus der Präsentation zu den Quartalszahlen hervorgeht, wird in den kommenden Monaten vor allem die in der Schweiz starke Vermögensverwaltung leiden. Insgesamt muss die Abteilung, die im dritten Quartal enttäuschende 2 Milliarden Franken Neugeld generiert hat, 650 Millionen Franken einsparen. Davon dürften rund 400 Millionen durch Entlassungen wegfallen, wie aus dem Innern der Bank zu vernehmen ist. Das bedeutet, dass rund 1500 Stellen oder 7 Prozent der Belegschaft von total 20 000 Beschäftigen inklusive Zentralfunktionen gestrichen werden könnten.

Bereits in den letzten Monaten wurden etliche Privatebanker entlassen. Weil sich das Geschäft stark wandelt hin zur Verwaltung von versteuertem Geld, braucht es viele Privatebanker, die Europa-Kunden bedient haben, nicht mehr. Kommt hinzu, dass das Geschäft standardisierter wird, sodass ein Banker deutlich mehr Kundengelder verwalten muss.

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