Sie sind klebrig und süss, ihr Geruch gilt vielen als Ärgernis. Dennoch wurden im vergangenen Jahr in der Schweiz über 37 Millionen Liter Energy-Drinks verkauft. Das ergibt einen durchschnittlichen Pro-Kopf-Konsum von 4,7 Litern oder 19 der üblicherweise 0,25 Liter fassenden Dosen im Jahr. Das ist so viel wie noch nie, wie Daten des Marktforschers Euromonitor zeigen.

2014 ist der Markt erneut um über 3 Prozent gewachsen. Allein Marktführer Red Bull hat 124 Millionen Dosen abgesetzt. In absoluten Zahlen hat der österreichische Getränke-Riese damit zwar erneut eine neue Höchstmenge erreicht. Seit geraumer Zeit wächst die Firma hierzulande aber weniger stark als der Gesamtmarkt.

Eine besonders harte Konkurrenz erwächst dem Flügel-Getränk von der Kioskbetreiberin Valora. Deren «o. k.»-Energy-Drinks sind mit einem Franken bedeutend günstiger als die Markendosen von Red Bull, die etwa bei Coop für Fr. 1.70 verkauft werden. Zudem sind sie an jeder der rund 1000 Valora-Verkaufsstellen erhältlich. Im Jahr 2009 hatte Valora mit ihren Energy-Drinks noch einen Marktanteil von 5 Prozent, im vergangenen Jahr kam bereits jede fünfte verkaufte Dose und damit geschätzt etwa 70 Millionen Dosen insgesamt aus dem Haus des Handelsunternehmens mit einem Jahresumsatz von 3 Milliarden Franken. In derselben Periode sank der Marktanteil des Red-Bull-Konzerns mit seinem globalen Umsatz von 5,4 Milliarden Franken hierzulande von 43 auf knapp 35 Prozent.

Die restlichen Anbieter wie Migros oder Coop konnten ihren kumulierten Marktanteil bei 30 Prozent halten. Migros verkaufe deutlich mehr M-Budget-Dosen als Marken-Energy-Drinks, sagt Sprecherin Christine Gaillet. Der M-Budget Energy Drink gehöre zu den meistverkauften Produkten der Migros. Auch bei Coop heisst es, die Verkäufe an eigenen Dosen hätten in den letzten Jahren zugenommen.

Energy-Drinks gehören zu den grössten Erfolgsstorys des Detailhandels. Der Boom der koffein- und zuckerhaltigen Erfrischungsgetränke hat mit dem Markteintritt von Red Bull im Jahr 1995 seinen Anfang genommen. Seither konnte allein der Marktführer seine Verkäufe um 1400 Prozent steigern.

Energy-Drinks haben in der Regel einen Koffeingehalt von etwa 90 Milligramm pro 0,25-Liter-Dose und damit rund 60 Prozent weniger als ein gleich grosser durchschnittlicher Kaffee. Nichtsdestotrotz warnt der Sucht-Präventionsverband Sucht Schweiz vor den vor allem bei jugendlichen beliebten Muntermachern. Mehr als 400 Milligramm Koffein pro Tag könnten zu Schlafstörungen, Angstzuständen und Herzrasen führen, schreibt der Verband. Insbesondere Jugendliche sollten seiner Einschätzung nach am Tag nicht mehr als 100 Milligramm Koffein zu sich nehmen – also nicht viel mehr als eine Dose.

Auch kritisiert Sucht Schweiz den hohen Zuckergehalt der Drinks. Das Bundesamt für Gesundheit empfehle erwachsenen Personen, nicht mehr als 50 Gramm Zucker pro Tag zu sich zu nehmen. Eine Dose Red Bull enthält etwa 27,5 Gramm Zucker. Die meisten Hersteller verkaufen auch zuckerfreie Getränke, die sich einer steigenden Beliebtheit erfreuen. Bei der Valora war die zuckerfreie Variante im Jahr 2013 noch vor diversen Spezialversionen die zweitbeliebteste Wahl. Diese dürfen allerdings in der Regel nicht als «Energy Drinks» bezeichnet werden, weil diese Bezeichnung von Gesetzes wegen einen gewissen Kaloriengehalt pro Liter verlangt.

Neben Zucker enthalten die meisten Energy-Drinks den künstlich hergestellten Bestandteil Taurin, ein sogenanntes Aminosäure-Derivat, das auch in Fleisch oder Fisch vorkommt und die Glukoseaufnahme in den Zellen verbessern soll. Sucht Schweiz weist darauf hin, dass positive Wirkungen, die gewissen Inhaltsstoffen zugeschrieben werden, nicht wissenschaftlich belegt werden könnten.

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