Auch zwei Jahre nach Aufhebung des Euromindestkurses bleibt der Druck auf den Schweizer Franken hoch, sehr hoch. Die Fremdwährungsreserven klettern von Quartal zu Quartal auf neue Höchststände. Insgesamt haben sie per 30. September mit 640 Milliarden die Grösse der Schweizer Wirtschaftsleistung, des BIP erreicht. Die gesamte Bilanzsumme der schweizerischen Nationalbank befindet sich auf schwindelerregenden 720 Milliarden Franken.

Das Anwachsen auf dieses Niveau ist nicht ungefährlich. Schnell ändernde Märkte können der SNB riesige Verluste bescheren. Ein solches Ereignis trat mit der Wahl von Donald Trump ein. Mit der Aussicht auf steigende Zinsen verkauften die Anleger so schnell, wie es ging, ihre Obligationen und deckten sich mit Aktien ein. Die Kurse der Aktien explodierten, der US-Leitindex Dow Jones springt auf 20 000 Punkte.

Die Anleihen dagegen verloren an Wert. Vor allem solche mit hoher Bonität und langen Laufzeiten brachen ein. Ein Beispiel: Ein Bond der Eidgenossenschaft mit Rückzahlungsdatum im Jahr 2064 verlor innert weniger Tage rund 15 Prozent. War das Schuldpapier vor dem 8. November 100 Franken wert, sind es heute noch 85 Franken. Das zeigt, welche dramatischen Folgen ein marginaler Zinsanstieg haben kann.

Dieser Sell-off im Obligationenmarkt hat die Notenbanken kalt erwischt, auch die SNB. Sie sitzt auf Bergen von AAA-Anleihen. Wie sich das Portfolio im Detail zusammensetzt, darüber gibt die SNB auf Anfange keine Auskunft. Bekannt ist: Von den Devisenreserven in der Höhe von 640 Milliarden hält die SNB 440 Milliarden in Form von Staatsanleihen. 377 Milliarden besitzen ein AAA-Rating. Zu den Verlusten schweigt die SNB.

Wie sich der Ausverkauf im Anleihenmarkt auf die Fremdwährungspositionen ausgewirkt hat, wird man erst im neuen Jahr erfahren, wenn die SNB die Zahlen zum vierten Quartal veröffentlicht. «Heute fehlen uns nähere Angaben zu den einzelnen Positionen, daher ist es schwierig, eine Einschätzung zu machen», sagt Bernd Schips, ehemals Leiter der Konjunkturforschungsstelle KOF.

Er sieht aber auch Entwicklungen, die der SNB derzeit in die Hände spielen: «Der Umstand, dass die SNB den Aktienanteil an den Währungsreserven erhöht hat und Aktien zuletzt starke Kursgewinne verzeichnet haben, wird sich positiv auf die Bewertung der Fremdwährungspositionen auswirken», sagt Schips. Da die SNB ihre Devisenreserven in «zunehmendem Mass weniger in problematische Staatsanleihen», sondern mehr in Aktien von Unternehmen investiert, sollte das Anwachsen der SNB-Bilanz «auf eine das nominale BIP der Schweiz übersteigende Grössenordnung wenig Sorgen bereiten», sagt der bekannte Ökonom.

Entscheidend hingegen ist, wie die Geldpolitik der Nationalbank auf die Realwirtschaft wirkt. SNB-Chef Thomas Jordan sagte diese Woche, dass der Franken nach wie vor «deutlich überbewertet» sei. Der Kurs liegt aktuell bei 1.073 Franken pro Euro. Seit Januar 2016 bewegt er sich mit Schwankungen nach unten. Die Credit Suisse hat ihr Kursziel zuletzt gesenkt. Sie sieht den Euro-Franken-Kurs in drei Monaten bei der psychologischen Schmerzgrenze von 1.05. In einem Jahr soll er laut den Währungsstrategen gar bei 1.04 liegen. In einem früheren Szenario rechnete die CS mit einem steigenden Kurs auf 1.09.

Für die exportorientierten Branchen könnte der erstarkende Franken gegenüber dem Euro wieder zum Thema werden. Allein in diesem Jahr verlor der Euro-Franken-Kurs seit dem Höchst 3,7 Prozent. Ein Kurs von 1.04 würde nochmals eine Verschlechterung ihrer Wettbewerbsfähigkeit für die Unternehmen bedeuten. Zwar gehen etliche Prognostiker von einem beschleunigten Wirtschaftswachstum in der Schweiz aus. Die Ökonomen des Bundes rechnen für 2017 mit einem Wachstum von 1,8 Prozent (2018 1,9%). Eine Prognose zum EuroFranken-Kurs machen sie dabei nicht. Einen Strich durch die Rechnung des Seco könnten die anhaltenden Probleme im Euroraum machen. «Falls es dadurch zu Verwerfungen auf den Finanzmärkten kommt, ist eine erneute Aufwertung des Schweizer Frankens mit entsprechenden Auswirkungen auf die Wirtschaft zu befürchten», schreiben sie.

Rettet uns der Dollar? Mit der Wahl von Donald Trump hat sich die US-Währung gegenüber dem Schweizer Franken verteuert, was Schweizer Exporte in die USA verbilligt. Doch Trump ist gleichzeitig eines der grössten Risiken für die Schweiz. Im Oktober setzte die US-Notenbank Fed die Schweiz auf die Watchliste von Staaten mit grossem Handelsbilanzüberschuss und deren Notenbanken, die am Markt intervenieren, um ihre Währung zu schwächen. Trump hat angekündigt, dass er hart gegen Währungssünder vorgehen will, und gedroht, selbst China auf diese Liste zu setzen. «Die SNB ist unter Druck der Amerikaner, ihre Interventionen ein wenig zurückzufahren», sagte diese Woche Mark Hammarskjöld, ein hoher CS-Investmentbanker, an einer Veranstaltung in Zürich.

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