Die Grossbank UBS kündigte der Firma Intertabak AG in Münchenstein das Zahlungsverkehrskonto. Das bestätigt Zigarrenunternehmer Heinrich Villiger auf Anfrage.

Er ist Vizepräsident des Verwaltungsrats der Handelsfirma: «Ja, es ist so, dass die UBS der Interbank AG die Bankbeziehung gekündigt hat.» Intertabak, die edle Zigarren aus Kuba importiert, hat inzwischen eine neue Bank gefunden.

Pikant ist: Sein Bruder Kaspar Villiger ist der oberste Lenker der UBS; und er war über den Rauswurf orientiert. Gegenüber dem «Sonntag» wollte sich Kaspar Villiger nicht direkt zum Fall äussern. UBS-Kommunikationschef Michael Willi bestätigt hingegen: «Die UBS hat den Zahlungsverkehr im Rahmen ihrer internationalen Geschäftspolitik eingestellt.» Über Willi lässt Villiger ausrichten, dass er mit seinem Bruder «über die Angelegenheit gesprochen hat und es kein Problem bezüglich des UBS-Entscheids gibt».

Heinrich Villiger ist Chef der bekannten Luzerner Zigarren- und Tabakdynastie Villiger und Söhne. Zu seinem Imperium gehören mehrere Firmen in der Schweiz und in Deutschland. Die Firma Intertabak ist ein grosser Player im Importgeschäft von kubanischen Zigarren. Die sogenannten Habanos aus dem Castro-Reich zählen zu den weltweit begehrtesten Tabakerzeugnissen. Insgesamt betragen die Exporterlöse rund 400 Millionen Dollar.

Die Schweiz ist der fünftgrösste Abnehmer von Havannas weltweit. Intertabak, die von der einer gewissen Ana García López aus Havanna präsidiert wird, importiert für die Schweiz insgesamt 31 kubanische Zigarrenmarken, darunter so legendäre Marken wie Cohiba, Romeo Y Julieta, Trinidad oder Upmann – der Lieblingsmarke von US-Präsident John F. Kennedy. Persönlich dürfte es ihn geschmerzt haben, als seine Regierung am 7. Februar 1962 ein Handelsembargo gegen das revolutionäre Castro-Regime erlassen hatte. Nie hat ein Staat ein anderes Land länger boykottiert wie die USA den karibischen Inselstaat. Weil die Kubaner die Amerikaner nicht entschädigt hatten für annektierten Besitz auf der Insel, sind seit nunmehr 50 Jahren die amerikanischen Häfen für kubanische Handelsschiffe gesperrt und grenzüberschreitende Finanztransaktionen erschwert.

Die Handelsbeschränkung wird bis heute mit aller Härte aufrechterhalten und so weit möglich weltweit durchgesetzt. Zwar können die Amerikaner anderen Staaten nicht verbieten, mit Kuba Geschäfte zu betreiben. Aber sie setzen ihre faktische Monopolstellung im internationalen Finanzgeschäft ein, um den Export kubanischer Produkte global zu erschweren. Einen gewichtigen Hebel haben die Amerikaner insbesondere bei Dollar-Transaktionen.

Intertabak überwies über das Zahlungsverkehrskonto der UBS US-Dollar nach Kuba. Aus Sicht der Amerikaner ist das per se nicht verboten, doch wenn eine Firma mehr als 70 bis 80 Prozent ihres Umsatzes mit Kuba macht, haben sie etwas dagegen. Diese Schwelle ist bei Intertabak überschritten.

Die Kubaner sind auf Dollars angewiesen, um ihren Staat halbwegs zu finanzieren. Denn seit mehreren Jahren ist der Export von Waren von den USA nach Kuba erlaubt. Um diese zu bezahlen, brauchen die Kubaner amerikanische Devisen. Das ist der Grund, warum der Handel von kubanischen Zigarren in US-Dollars abgewickelt wird.

Die Schweizer Grossbanken können es sich nicht leisten, gegen US-Sanktionen zu verstossen. Beide Institute mussten bereits Millionenbussen bezahlen und riskieren keine Verstösse mehr. Die Credit Suisse (CS) zahlte 2009 536 Millionen Dollar Busse, weil sie Dollar-Transaktionen mit Ländern abgewickelt hatte, die auf der Sanktionsliste der Amerikaner stehen.

Die CS hat ihre internen Kontrollen seither verschärft. Bank-Sprecher Marc Dosch sagt: «Die Credit Suisse verfügt über strenge Richtlinien, um sicherzustellen, dass alle geltenden nationalen und internationalen Sanktionsprogramme eingehalten werden. In diesem Zusammenhang sind Geschäftsaktivitäten mit gewissen Ländern, Einzelpersonen und Organisationen beschränkt.»

Die UBS musste bereits 2004 Lehrgeld bezahlen. Sie bezahlte 100 Millionen Dollar Busse, weil sie Dollarnoten von Kunden aus Ländern entgegennahm oder lieferte, gegen die US-Exportrestriktionen bestehen. Der damalige Konzernchef Peter Wuffli sagte damals reuig: «Die UBS anerkennt, dass schwerwiegende Fehler gemacht wurden, und akzeptiert die entsprechenden Sanktionen. Wir bedauern diesen Vorfall und übernehmen dafür die volle Verantwortung.»

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