Der umstrittene Fahrdienst Uber will mit neuen Prämien Zürcher Taxi-Fahrer an sich binden. Das US-Unternehmen, bei dem die Autos per App gerufen werden, sorgt weltweit für Ärger in der Taxi-Branche und wurde etwa in Berlin zeitweise verboten. Uber wirbt damit, 30 bis 40 Prozent billiger zu sein als die offiziellen Taxis. Damit sich das Geschäft für die Fahrer trotzdem lohnt, erhielt in der Limmatstadt bisher jeder UberX-Chauffeur zusätzlich 20 Franken pro Auftrag, unabhängig von der Anzahl Fahrten.

Das ist jetzt vorbei. Vom neuen Anreizsystem profitiert nur noch, wer eine Mindestanzahl an Aufträgen annimmt. Seit dem 1. August gebe es die 20 Franken-Pauschale nicht mehr, sagt ein Fahrer, der nicht namentlich genannt werden will. Rasoul Jalali, Chef von Uber Zürich, bestätigt dies: «Die 20 Franken pro Fahrt waren von Anfang an eine zeitlich begrenzte Aktion.» Als Start-up-Unternehmen habe Uber dafür von den Investoren wie Google einen gewissen Betrag gesprochen bekommen. Das Geld sei eine Kompensation für die lange Anfahrtszeit gewesen, da UberX bei der Lancierung im Juni erst wenige Fahrer gehabt habe.

«Uns ist nicht das Geld ausgegangen. Die 20 Franken sind als Anreiz nicht mehr nötig», sagt Jalali. Uber habe heute genug Fahrer, und diese könnten auch ohne Pauschale einen «guten Umsatz» generieren. Dieser Aussage widerspricht der Fahrer vehement: «Seit die 20 Franken nicht mehr ausbezahlt werden, lohnt sich Uber nicht mehr für mich.»

Damit die Chauffeure trotzdem beim Fahrdienst bleiben, gilt seit August das neue Bonussystem. Über dessen Inhalt werden die Fahrer einmal wöchentlich per E-Mail informiert. Die Mails liegen der «Schweiz am Sonntag» vor. Nach dem Grund für die neuen Prämien gefragt, sagt Jalali: «Es geht uns darum, die guten Fahrer halten zu können. Dabei helfen die Belohnungen.»

In der ersten Augustwoche galt ein Prämiensystem für die besten Fahrer. In den drei Kategorien «Anzahl Fahrten», «Annahmerate» und «Sterne-Bewertung durch die Kunden» wurden die jeweils fünf erfolgreichsten Fahrer ausgezeichnet. Für den 1. Rang gab es 500 Franken. Jeder weitere Rang bekam 100 Franken weniger, sodass Rang 5 noch eine Hunderternote wert war. Da eine Teilnahme am Programm erst ab 20 Fahrten pro Woche möglich war, gingen nicht wenige Chauffeure leer aus. «Ich sah keinen Rappen», ärgert sich der Fahrer.

Er war nicht der einzige Unzufriedene. «Vom Prämiensystem sind wir wieder abgekommen, weil uns Fahrer gesagt haben, dass ihnen dieses nicht viel bringt», sagt Jalali. Seit der zweiten Augustwoche gilt bereits wieder ein neues System. Darin kann sich jeder Fahrer für eines von drei Programmen entscheiden. Bei Variante 1 wird dem Fahrer ein Mindestumsatz von 1050 Franken garantiert. Er muss dafür von Donnerstag bis Samstag von 17 bis 5 Uhr in der Innenstadt mindestens 30 Stunden online sein und 90 Prozent der Bestellungen annehmen. Option 2 garantiert in der gleichen Zeitspanne einen Mindestumsatz pro Fahrt. Ab 15 Fahrten beträgt dieser 15 Franken, ab 30 Fahrten 22 Franken und ab 40 Fahrten 30 Franken. Das Problem: Wer weniger als 15 Fahrten macht, geht leer aus.

So passiert beim Chauffeur, der anonym bleiben will. Diese Woche hat sich der Fahrer deshalb für Option 3 entschieden. In der erwähnten Zeitspanne winkt ihm ab 15 Fahrten eine Pauschale von 50 Franken zusätzlich. Macht er 30 Fahrten, sind es 150 Franken, ab 40 Fahrten 300 Franken. Auf den Vorwurf der Fahrer, beim neuen System würden viele leer ausgehen, entgegnet Jalali: «Die Fahrer, die Interesse haben, viel zu fahren, und das System Uber verstanden haben, sind hell begeistert vom neuen System.» Dieses werde noch eine Zeit lang weitergeführt. Ziehe ein Angebot nicht mehr, werde es angepasst.

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