Es mag erstaunlich klingen nach einer Woche, in der sich die UBS des Betrugs schuldig erklärte und in der die US-Behörden ein weiteres Mal Schweizer Banker anklagten. Und doch: Die Schweiz hat ihren guten Ruf in diesem Jahr verteidigt – und teilweise sogar verbessert.

Zwar haben milliardenteure Strafzahlungen, zockende Börsenhändler, gestohlene Daten-CDs und Razzien in Bankfilialen dem Schweizer Finanzplatz in diesem Jahr weltweite und anhaltende Negativschlagzeilen eingebracht. In globalen Rankings und Meinungsumfragen, die 2012 im Ausland durchgeführt wurden, belegt die Schweiz aber nach wie vor Spitzenplätze.

Gar das beste Image aller untersuchten Länder hat die Schweiz bei 3600 Meinungsführern aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Kultur, die vom Beratungsunternehmen Future Brand für dessen Country Brand Index befragt wurden.

Bestnoten erhielt die Schweiz für die Wirtschaftsfreundlichkeit, die gelebten Werte wie politische Freiheit und Umweltschutz sowie die hohe Lebensqualität. Gleichzeitig bezeichneten die Meinungsführer die Schweiz als sicherstes Land – und als Ort, an dem sie am liebsten wohnen würden. Die Autoren des diesjährigen Berichts bilanzieren: «Die Schweiz ist ein Land, das auf seine Einwohner und deren Bedürfnisse ausgerichtet ist.» 2009 nahm die Schweiz in der gleichen Rangliste noch den neunten Platz ein.

Auch in den Rankings, für die breitere Bevölkerungsschichten befragt wurden, schneidet die Schweiz gut ab. Rang 4 belegt sie im Country Rep Trak, für das 36 000 Konsumenten ihre Meinung abgaben. Nur Kanada, Australien und Schweden wurden höher eingestuft. Von Rang 7 auf Rang 8 geklettert ist die Schweiz im Nations Brand Index. Hier schneidet die Schweiz als bester Kleinstaat ab.

Die guten Positionen in den Image-Rankings stehen im Widerspruch zur schlechten Presse, die der Finanzplatz der Schweiz in den vergangenen Jahren eingebracht hat. Eine Auswertung von Präsenz Schweiz, der Imageagentur des Bundes, zeigt: Die Intensität der ausländischen Berichterstattung über die Schweiz stieg 2012 meistens dann, wenn ihre Banken betroffen waren. Dabei war die Tonalität überwiegend kritisch.

Nicolas Bideau, Chef von Präsenz Schweiz, sagt dazu: «Medieneffekte sind begrenzt und eher kurzfristig.» Die meisten finanzplatzkritischen Artikel seien 2012 in deutschen Medien erschienen. «Gerade in Deutschland kennt man aber dank anderer Informationskanäle wie Bekannten, eigenen Erfahrungen oder Ferien auch andere Aspekte der Schweiz sehr gut.» Hinzu komme, dass das Image eines Landes im Normalfall etwas Stabiles sei. Bideau hält es aber für «denkbar», dass sich die Berichterstattung über den Finanzplatz zeitverzögert auf den Ruf der Schweiz niederschlagen könnte.

Die Gründe für den guten Ruf der Schweiz sieht Bideau auch in wirtschaftlichen Eckwerten, wie sie durch mehrere Indizes abgebildet werden. Platz 1 belegt die Schweiz etwa im WEF-Ranking, das die Wachstumschancen von 144 Volkswirtschaften bewertet; einen Spitzenplatz sichert sie sich auch in mehreren Indizes, welche die Innovationskraft eines Landes messen.

Schliesslich landet die Schweiz dank ihrer Natur und dem nachhaltigen Umgang mit Ressourcen auch an unwahrscheinlicher Stelle an der Spitze: Sie belegt den ersten Platz in einem Index für Abenteuertourismus.

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