Die SBB besitzt eine Goldgrube: ihre zentral gelegenen Bahnhöfe. In den vergangenen Jahren haben die Bundesbahnen die einst leeren Schalterhallen zu Shopping-malls umgebaut. Entsprechend stiegen die Einnahmen aus der Liegenschaftsverwaltung an. Auf 395 Millionen Franken belief sich 2014 das Segmentergebnis Immobilien. Zum Vergleich: Das Stammgeschäft Personenverkehr brachte nur 104 Millionen Franken ein.

Rund eine Million Pendler passieren täglich die vier grossen Bahnhöfe von Basel, Bern, Luzern und Zürich. Da bleibt viel in den Läden vor den Perrons hängen. In den zehn grössten Bahnhöfen machten die SBB 2014 mehr als eine Milliarde Franken Umsatz.

Die Verkäufe der Geschäfte legten lange zu. Zwischen 3 und 73 Prozent wuchsen die Einnahmen in den grossen Bahnhöfen gemäss dem Marktforschungsunternehmen GfK zwischen 2005 und 2014. Zahlen, von denen der übrige Detailhandel nur träumen kann.

Doch nun stockt das Geschäft. Statistiken mit detaillierten Umsätzen aus dem ersten Halbjahr bis Ende Juli oder August, die der «Schweiz am Sonntag» vorliegen, zeigen, dass viele Läden aktuell im Minus liegen. Auch bis zum Herbst habe sich daran nichts mehr geändert, sagt jemand, der regelmässig Einsicht in diese Zahlen hat. Auffallend schlecht sind etwa die Kioske der Valora unterwegs. In Basel lagen ihre Umsätze Ende Juli zwischen 5 und 9 Prozent im Minus. Auch in Bern verloren von sechs Valora-Kiosken fünf an Umsatz.

Auch die Bahnhöfe als Ganzes stagnierten oder verloren, sofern sie das nicht mit einem Flächenausbau kontern konnten. Luzern legte noch leicht um 1 Prozent zu. Bern liegt 1 Prozent im Minus, Winterthur 2 Prozent. Besonders schlecht läuft es am SBB-Bahnhof in Basel, der, verglichen mit dem Vorjahres-Wert, gleich 5 Prozent im Minus liegt.

In Zürich sieht die Bilanz per Ende August auf den ersten Blick gut aus. Der von den SBB verwaltete Teil des Bahnhofs – ein Teil gehört der Stadt – legte 15 Prozent zu. Dies allerdings nur, weil ein Jahr zuvor die Fläche im Rahmen des Bahnhofausbaus um 20 Prozent erweitert worden war. Ohne die neu dazu gekommenen Läden verlor auch der Bahnhof Zürich 2 Prozent Umsatz.

Auf Anfrage wollen die SBB diese Zahlen nicht im Detail kommentieren und verweisen auf die erst kommendes Jahr erscheinenden Zahlen zum aktuellen Geschäftsjahr. «Alles in allem sind unsere Umsätze auf Kurs», sagt Sprecherin Lea Meyer. «Rückläufige Zahlen stellen wir lediglich an grenznahen Bahnhöfen wie Genf und Basel fest, wo wir den starken Franken spüren.»

Dabei fällt auf: Ausgerechnet die Migros im Bahnhof Basel, die eigentlich die Konkurrenz durch deutsche Konkurrenten spüren müsste, verliert unterdurchschnittlich. Das Minus von 1,6 Prozent erklärt sich allein durch Preisanpassungen. Verlierer ist hingegen der Media Markt, der im Vergleich zum Vorjahr volle 15 Prozent Umsatz verloren hat. Sprecherin Séverine de Rougemont erklärt die Zahlen mit fehlenden Besucherfrequenzen aufgrund der Grenzlage.

Die Valora verweist auf den Ausbau durch die SBB als Grund fürs Minus. Die Konkurrenz habe zugenommen, sagt Sprecher Mladen Tomic. Anders gesagt: Die Mieter in den SBB-Hallen kannibalisieren sich.

Derweil bauen die SBB weiter aus, denn sie rechnen mit steigenden Frequenzen. In den nächsten zwanzig Jahren sollen sich die Pendlerströme in Zürich um 70 Prozent erhöhen. In Luzern, Basel und Bern rechnet die Bahn mit 50 Prozent mehr. 600 Millionen Franken wollen die SBB in den nächsten sechs Jahren in Gebäude investieren.

Doch vielleicht ist gerade das das Problem. In der «Bilanz» warnte Michael Gruber, Geschäftsführer der Valora-Kette Brezelkönig, unlängst vor verstopften Bahnhöfen. Wenn die Pendlerdichte in den Stosszeiten zu hoch sei, komme es vor, dass weniger gekauft werde als sonst. «Dann wollen die Leute nur noch raus aus der Menschenmenge.»

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