Der Genfer Rohstoffhandelsriese Trafigura, gemessen am Umsatz von 120 Milliarden Franken das drittgrösste Unternehmen der Schweiz, kontrolliert neu einen Grossteil des Ölgeschäfts in Simbabwe. Über eine südafrikanische Tochtergesellschaft der Genfer Ölhandelsfirma Puma Energy, an der Trafigura als Hauptaktionärin mit 49 Prozent beteiligt ist, hat sie kürzlich den grössten simbabwischen Ölimporteur und -händler Sakunda erworben. Das berichtet die gewöhnlich bestens informierte Zeitschrift «Africa Confidential». Victoria Dix, Sprecherin von Puma Energy, will die Übernahme weder bestätigen noch dementieren. Sie sagt, man wolle «potenzielle Übernahmen nicht kommentieren».

Der Kauf würde nicht weiter interessieren, wenn Sakunda eine normale Firma wäre. Ist sie aber nicht. Sakunda ist eng verflochten mit hochrangigen Regierungsstellen und der Partei von Diktator Robert Mugabe, der Zimbabwe African National Union-Patriotic Front (ZANU-PF). Verwaltungsratspräsident von Sakunda ist Willard Manungo, Präsident der staatlich kontrollierten Infrastrukturentwicklungsbank von Simbabwe und langjähriger Chef-Finanzberater von Mugabe. Chef der Energiesparte von Sakundo ist Mberikwazvo Chitambo, ein früherer Banker, der die Regierungspartei mit Geldern versorgte. Zu den Aktionären gehören Gideon Gono, der frühere Leiter der Zentralbank von Simbabwe und einer der engsten Freunde von Mugabe, und der ZANU-Parlamentarier Justice Mayor Wadyajena.

Wegen seiner Nähe zu Diktator Mugabe, der das Land seit 1980 mit eiserner Faust regiert, darf Gono nicht in die USA einreisen. Auch die Schweiz und die Europäische Union hatten ihn mit einem Reisebann belegt und seine Vermögenswerte eingefroren. Erst vor einem Jahr hoben sie die Sanktionen auf. Mugabe selbst ist den Sanktionen aber weiterhin unterworfen. Der Bundesrat hatte sie im Jahr 2002 wegen Wahlmanipulationen und Menschenrechtsverletzungen beschlossen. Unter Mugabes korrupter Herrschaft ist Simbabwe zu einem Armenhaus geworden. Gemessen am Human Development Index ist es eines der ärmsten Länder der Welt.

Mit Sakunda sind laut «Africa Confidential» auch Vizepräsidentin Joice Mujuru, Justizminister Emmerson Mnangagwa und Umweltminister Saviour Kasukuwere verbandelt. Es gibt Spekulationen, wonach Mugabe persönlich Aktien hält.
Sakunda ist ausserdem mit dem nationalen Geheimdienst CIO verknüpft. Zwei ihrer 60 Tankstellen werden von CIO-Generaldirektor Happyton Bonyongwe betrieben, der direkt Mugabe untersteht.

Sakunda versorgt Simbabwe über ein landesweites Tankstellennetz, das früher BP und Shell gehörte, mit Benzin. Sie importiert mehr als 50 Prozent des nationalen Bedarfs. Dank ihrer guten Beziehungen zur Regierung hat sie sich das Recht gesichert, alle Regierungsstellen und die meisten Ölhändler im Land zu bedienen. Dank Mugabes direkter Einflussnahme bei den Regierungen ist sie auch einer der grösseren Öllieferanten für Sambia und Malawi.

Im Dezember hat Puma Energy für 24 Millionen US-Dollar bereits einen anderen grossen simbabwischen Ölhändler, Redan, gekauft. Mit den beiden Akquisitionen hat sie nun die Kontrolle über 125 Tankstellen im ganzen Land, was sie zur grössten Benzinverkäuferin in Simbabwe macht. Gemäss einem hochrangigen Manager von Sakunda ist geplant, das Geschäft von Sakunda und Redan zu verschmelzen.

Sicher nicht schädlich für beide Deals war, dass Trafigura im vergangenen Jahr eine Anleihe der Regierung im Umfang von 120 Millionen US-Dollar absicherte, die von der französischen Bank Société Générale ausgegeben wurde. Mit dem Geld finanziert Mugabe seine Landwirtschaftsreformen.

Es zeigen sich viele Parallelen zu Trafiguras Monopolstellung beim anderen dienstältesten Despoten Afrikas, dem angolanischen Präsidenten José Eduardo dos Santos. Um sich lukrative Verträge in dem erdölreichen Land zu sichern, hat sich Trafigura mit General Leopoldino Fragoso do Nascimento zusammengetan, der zum engsten Umfeld des autokratischen Präsidenten gehört. Seine Cochan Holding ist an Puma Energy mit 15 Prozent beteiligt, die staatliche Mineralölfirma Songanol mit 30 Prozent. Fragoso do Nascimento steht im Verdacht, über Sonangol 32 Milliarden Dollar aus der Staatskasse abgezweigt zu haben.

Dass Trafigura nun auch in Simbabwe mitmischt, macht die entwicklungspolitische Organisation Erklärung von Bern hellhörig. «Es gibt gewisse Analogien zu den Deals mit dem Regime in Angola», sagt ihr Sprecher Oliver Classen. «Jetzt ist Trafigura in Simbabwe auf dem Weg zu einer ähnlichen Monopolstellung wie in Angola. Sie profitiert dabei von den Erfahrungen, die sie mit der ebenfalls staatlich kontrollierten Ölindustrie in Angola gemacht hat.»

Mehr Themen finden Sie in der gedruckten Ausgabe oder über E-Paper