Finanzministerin Eveline Widmer-Schlumpf sind die geltenden Eigenkapitalbestimmungen zu schwach. Sie will die Verschuldungsquote (Leverage Ratio) von heute maximal 4,5 Prozent massiv erhöhen. «Wir müssen uns Gedanken darüber machen, ob wir die Eigenkapitalbasis nicht weiter verstärken müssen. Nach den in der letzten Zeit gemachten Erfahrungen scheint mir das (4,5 Prozent) tief. Derzeit spricht man von 6 bis 10 Prozent», sagt Widmer-Schlumpf. Es müsse eine vernünftige Höhe sein, die Sicherheit gibt, aber die Verantwortung bei den Instituten belässt.

Würden die Grossbanken ihre aktuellen Bilanzgrössen behalten, müssten sie bei einer Leverage Ratio von 6 Prozent 20 (UBS) bzw. 33 Milliarden Franken (CS) frisches Eigenkapital aufnehmen. Bei 10 Prozent maximaler Verschuldung wären es bereits 62 (UBS) bzw. 81 Milliarden Franken (CS). Es ist schlicht undenkbar, dass die Banken so viel Eigenkapital aufnehmen könnten.

Setzt sich Widmer-Schlumpf durch, bedeutet das für die Grossbanken das sichere Ende ihrer Geschäftsmodelle. Das Investmentbanking, das schwergewichtig in den USA betrieben wird, müssten sie nochmals deutlich herunterfahren, einstellen oder verkaufen. Das ist sich auch Widmer-Schlumpf bewusst: Eine Verschärfung der Eigenmittelvorschriften «würde automatisch dazu führen, dass sich die Banken überlegen müssen, ob sie das Investmentbanking beibehalten oder noch stärker auf die Vermögensverwaltung setzen wollen», sagt Widmer-Schlumpf. «Ich bin nach wie vor der Meinung, dass die Banken ihre Geschäftsfelder selber bestimmen sollen. Aber sie müssen so organisiert sein, dass nicht zuletzt der Staat haften muss.» Das ist vor fünf Jahren geschehen, als die UBS gerettet werden musste.

Die Grossbanken reagieren bereits. Gestern verschickte die UBS den Quartalsbericht. Auf Seite 11 wird beschrieben, dass die Grossbank in der Schweiz eine neue Tochtergesellschaft gründen will, in der das Filial- und Firmenkunden sowie – «wahrscheinlich» – auch das in der Schweiz gebuchte Privatkundengeschäft gebündelt werden soll. «Die UBS beabsichtigt, eine neue Banktochter der UBS AG in der Schweiz aufzubauen», heisst es klipp und klar im Quartalsbericht. Die Gesellschaft dürfte dereinst von Schweiz-CEO Lukas Gähwiler geleitet werden.

Es wird nicht die einzige Neugründung bleiben. Bereits im Bericht zum zweiten Quartal machte die UBS Angaben dazu, welche die Aktivitäten in den USA betreffen. So heisst es, dass die US-Notenbank Fed von der UBS verlange, bis 2015 eine Intermediate Holding Company (ICH) aufzubauen, die getrennt vom Stammhaus in der Schweiz kapitalisiert werden müsse.

Wie die «Schweiz am Sonntag» erfahren hat, plant die Grossbank die Zusammenführung sämtlicher US-Aktivitäten, also das Investmentbanking (IB) und die amerikanische Vermögensverwaltung (WM USA) unter ein Holdingdach. Bisher sind die Einheiten direkt beim Stammhaus angegliedert. Ähnliche Anforderungen könnten auch aus England kommen, wo die Behörden ebenfalls darauf drängen, dass Grossbanken ihre Tochtergesellschaften vor Ort mit Eigenkapital und Liquidität versorgen. Bei der Credit Suisse wird an ähnlichen Plänen gearbeitet.

Hinter all diesen Bestrebungen stehen die vier Buchstaben TBTF – Too big to fail. Seit die Steuerzahler für die Rettung von Grossbanken weltweit Hunderte Milliarden zahlten, arbeiten Regierungen fieberhaft an Lösungen, wie Grossbanken im Krisenfall in Einzelteile zerlegt und restrukturiert oder abgewickelt werden können. Der Vorstoss von Eveline Widmer-Schlumpf wird dazu führen, dass die Grossbanken bereits in Friedenszeiten das Investmentbanking abspalten müssen.

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