VON YVES CARPY

Der Nationalbanker Philipp Hildebrand kämpfte am G-20-Gipfel in Pittsburgh für eine strengere Bankenregulierung. Zugleich präsentierte die Schweizer Finanzmarkt-Aufsichtsbehörde Finma die eingegangenen Reaktionen auf ihre neuen Bonus-Regeln. Unter den Kritikerinnen tut sich besonders die Credit Suisse hervor.

Der Entwurf «greife zu stark und ohne genügende gesetzliche Grundlage in die Eigentumsrechte» der Bank ein, verwehrt sie sich gegen eine Einmischung in die Art, wie sie ihre Banker entlöhnt. Sie zerzaust das Rundschreiben der Finma in allen wichtigen Punkten.

Die CS wehrt sich gegen die Lohntransparenz auf einer Ebene unter der Geschäftsleitung: Mit diesen Informationen würde es ausländischen Konkurrenten leicht fallen, ihre besten Kaderleute abzuwerben.

Die Finma will die Leistung am ökonomischen Gewinn ausrichten, der insbesondere berücksichtigt, mit wie viel Risiko ein Ertrag erwirtschaftet wurde und gerade Börsenhändler weiterhin formelbasiert vergüten können.

Die Blockierung des Bonus über mindestens 3 Jahre sei zu starr: Die Bank will auch garantierte Boni zahlen können, um Wunschkandidaten anzuheuern oder diese mit Willkommensprämien loskaufen zu können.

Zugleich bezeichnet sich die Credit Suisse selber als Pionierin auf dem Feld moderner Vergütungsmodelle: «Die CS erfüllte mit PIP bereits vor fünf Jahren das, was Politik und Regulatoren weltweit heute fordern: Programme mit Rückforderungsklausel, die von der sehr langfristigen Entwicklung des Unternehmenswerts abhängen und nur dann zur Auszahlung kommen, wenn auch die Aktionäre profitiert haben», sagt der Banksprecher Marc Dosch.

Nach der jüngsten Erholung des Aktienkurses muss die Grossbank einen Bonustopf von 1,9 Milliarden Franken für nächstes Jahr bereitstellen, wenn das Beteiligungsprogramm zur Auszahlung gelangt, errechnete die «Financial Times» diese Woche.

Das macht 6,36 Millionen Franken für jeden der 300 Teilnehmer des PIP-Bonusplanes von 1994. Basierend auf dem Schlusskurs von 57 Franken, stünden CEO Bradey Dougan 43 Millionen zu. Bei einem Kursanstieg auf 90 Franken stiege der Zustupf gegen 100 Millionen; nur bei einem Rückfall auf unter 30 Franken verlöre er alles. «Seit Beginn dieses Programms beträgt der Ertrag des Aktionärs inklusive Gewinnausschüttungen über 40 Prozent», rechtfertigt Dosch.

Seit über zehn Jahren profiliert sich die CS als besonders innovativ, was Managersaläre angeht: Angefangen 1996 mit der Einführung der mittlerweile verpönten Optionen in der Schweiz über PIP (Performance-Incentive-Pläne) mit riesigen Multiplikatoren bis zur Beteiligung an einem Fonds mit Ramschpapieren dieses Jahres.

Zwar waren die 2000 Topbanker im Februar 2009 nicht glücklich, die einen Teil ihres variablen Lohns in Anteilen an unverkäuflichen Kreditderivaten beziehen mussten. Doch die CS-Salärspezialisten wussten schon in der Vergangenheit für die Mitarbeiter Profit aus der Not zu schlagen. Nach dem Börsensturz 2003 organisierten sie eine riesige Umtauschaktion für wertlose Optionen.

Die toxischen Kreditderivate waren im Februar immerhin bereits um 40 Prozent abgeschrieben. Prompt errechnete die Bank per Mitte Jahr bereits einen Kursanstieg von 17 Prozent. Das ist kaum das, was sich die Finma unter Bonus-Malus-System vorstellt.