Mit «Überraschung» habe der Verwaltungsrat der Publigroupe zur Kenntnis genommen, dass der Zürcher Medienkonzern Tamedia den Lausanner Werbevermittler übernehmen wolle, schrieb der Übernahmekandidat am Donnerstag in einer eiligen Mitteilung.

Alles andere als «Überraschung» wäre nämlich hochproblematisch, weil sowohl Publigroupe als auch Tamedia börsenkotierte Unternehmen sind. Nur erscheinen die Vorgänge der vergangenen Tage und Wochen, als handle es sich hier um eine wohlkonzertierte Aktion.

Schon im vergangenen Jahr hat sich die Publigroupe schrittweise zur Holding verschiedener Medienbeteiligungen umgebaut und sich damit fit für die grosse Zerlegung gemacht. Seit Anfang April folgte dann Schlag auf Schlag. Am 2. April verkündete die Publigroupe den Verkauf ihres historischen Herzstücks Publicitas an den deutschen Finanzinvestor Aurelius. Der Verkauf erlöst die Publigroupe einerseits von einem seit Jahren rückläufigen und defizitären Geschäft, dem Verkauf von Werbung für die Schweizer Presse. Andererseits verliert das knapp 150-jährige Unternehmen damit seine Daseinsberechtigung.

Entsprechend schwammig formulierte Verwaltungsratspräsident Hans-Peter Rohner den künftigen Firmenzweck als «performance-orientierte Marketingdienstleistungen». Der Aktienkurs der Publigroupe schoss um über 30 Prozent auf knapp 140 Franken nach oben, als hätten die Zukäufer geahnt, dass bald ein Angebot für 150 Franken vorliegt. So viel will die Tamedia für eine Publigroupe-Aktie bezahlen.

nicht nur die mit allen Verlagen teils verbandelte, teils zerstrittene Publicitas wäre ein Hindernisgrund für eine Übernahme durch die Tamedia gewesen, sondern auch die Vinkulierungsbestimmungen in den Publigroupe-Statuten. Auch hier leistete der Werbevermittler Vorarbeit: An der Generalversammlung vom kommenden 29. April soll die Stimmrechtsbeschränkung aufgehoben werden — plötzlich soll möglich werden, was die Altaktionäre über Jahrzehnte verweigert hatten.

Auch die Tamedia hat sich vorbereitet. In der Vorwoche verkündete sie den Verkauf ihrer Anteile an der Westschweizer Zeitung «Le Temps» an den Ringier-Konzern. Damit betonte das Zürcher Verlagshaus, dass es sich vor allem als Informationsbroker versteht, das eigentlich wenig Interesse an demokratierelevanten publizistischen Produkten hat.

In den vergangenen Tagen hat die Tamedia schliesslich mit dem Aufkauf von Publigroupe-Aktien begonnen. Sie baute eine Beteiligung von 7,22 Prozent auf, ohne dass sich der Kurs nach oben bewegte. Nach Auskunft des Tamedia-Sprechers Christoph Zimmer seien die meldepflichtigen Schwellen von 3 und 5 Prozent erst am Donnerstag überschritten worden. Zimmer betont, der Entscheid für das Angebot sei «bewusst ohne Absprache mit Dritten» gefällt worden. Auch nicht mit dem US-Investor Tweedy Browne, der an der Publigroupe und an der Tamedia beteiligt ist.

Am Gründonnerstag, nach Börsenschluss, publizierte die Tamedia ihr Kaufangebot. Sie sei vor allem an der Publigroupe-Beteiligung local.ch interessiert, die mit der eigenen Plattform search.ch zum Marktführer bei den elektronischen Verzeichnissen zusammengeführt werden soll. Dies sei wichtig, um mit dem globalen Player Google konkurrieren zu können. Die politisch heiklen Minderheitsbeteiligungen an den Regionalzeitungen der NZZ-Gruppe, an der «Südostschweiz» und an Westschweizer Zeitungen, die ebenfalls mit dem Publigroupe-Kauf verbunden wären, seien dagegen nicht «strategisch», erklärt die Tamedia und versucht damit, entsprechende Befürchtungen zu entkräften.

Kommunikationsberater Aloys Hirzel, der für die Publigroupe die Sprecherrolle übernommen hat, sagt: Man warte, bis das Angebot der Tamedia schriftlich vorliege. Skepsis liegt in seiner Stimme. Schliesslich soll nicht der Eindruck erweckt werden, es handle sich um eine konzertierte Aktion zur politisch reibungslosen Übernahme der Publigroupe durch die Tamedia.

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