Poker wäre einfacher gewesen. Doch Swisslos hiesse nicht Swisslos, wenn die Lotterie-Betreiberin mit Sitz in Basel nicht das Schweizerische suchen würde. Und so hat sie sich den Jass vorgenommen. Noch dieses Jahr soll es das Nationalspiel als Online-Glücksspiel geben, sagt Pressesprecher Willy Mesmer.

Swisslos hat sich die kompliziertere Spielart ausgesucht: «Es gibt einen Differenzler, den man entweder gegen eine Maschine oder gegen drei weitere Menschen spielen kann», sagt Mesmer. Man arbeite bei der Entwicklung mit dem Eidgenössischen Differenzlerjassverein zusammen.

Vielleicht gäbe es das Spiel schon lange, hätte die Lotterieveranstalterin auf den einfacheren Schieber gesetzt. «Wir haben die Komplexität der Sache unterschätzt», gibt Mesmer zu. Es habe immer wieder Verzögerungen gegeben, weil man zusammen mit dem externen Entwickler der Software auf Probleme gestossen sei. Auch der Jassverband entdecke immer wieder Fallstricke. Und so ist Swisslos etwas in Verzug mit der Einführung, die einst für Februar 2014 geplant gewesen war, wie Mesmer sagt. Bereits beinahe ein Jahr ist es her, als Swisslos im Markenregister den Eintrag «Jass» angemeldet hatte.

Jass wird das erste echte Online-Spiel von Swisslos sein. «Wir hatten bisher bloss ‹Bingo›», sagt Mesmer. Dabei handle es sich um eine Art Lottomatch, bei dem mehrere Spieler gleichzeitig online spielen können. «Das ist aber nicht wirklich ein Spiel gegeneinander.» Den Differenzler hingegen könne man sich vorstellen wie eine Online-Partie Poker.

Poker-Websites wie PartyPoker.com erlebten in den letzten Jahren auch in der Schweiz grossen Zulauf. Allerdings gilt Poker hierzulande als Glücksspiel, das nur von lizenzierten Veranstaltern wie etwa offiziellen Spielkasinos durchgeführt werden darf. Erst im Januar wurden zahlreiche Basler Pokerspieler zu hohen Geldstrafen verurteilt, weil sie in einem Club an Pokerturnieren teilgenommen hatten.

In Netz ist das Glücksspiel ein Riesenmarkt, der in Europa legal vor allem in Grossbritannien stattfindet. In der Schweiz gibt es bisher keine legalen Online-Anbieter. Das Beratungsunternehmen PWC schätzte die Wachstumsraten im Markt für Online-Gaming vor ein paar Jahren auf beinahe 10 Prozent pro Jahr. Im Jahr 2015 lägen die weltweiten Umsätze bei 180 Milliarden US-Dollar. Ein paar tausend Franken davon dürften dereinst auch mit dem Differenzler erzielt werden.

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