Bekommt die Bank Valiant bald einen starken Grossaktionär? Gemäss Recherchen der «Schweiz am Sonntag» verhandelt die aus Bern stammende Regionalbankengruppe mit dem Lebensversicherer Swiss Life über eine strategische Beteiligung.

Jürg Bucher, der ehemalige Post-Chef und seit Anfang Jahr Verwaltungsratspräsident von Valiant, ist seit einiger Zeit auf der Suche nach einem oder mehreren starken Aktionären. So sagte Bucher an der Bilanzmedienkonferenz Anfang März, dass die Bankengruppe zwar eigenständig in die Zukunft gehen wolle, aber offen für den einen oder anderen Grossaktionär sei.

Heute ist das Aktionariat der Valiant breit gestreut. Die Zürcher Kantonalbank ist seit 2011 mit knapp über 3 Prozent beteiligt. Die beiden Banken sind zudem durch eine Vertriebskooperation miteinander verbunden. Im März 2013 meldete die britische Investmentgesellschaft Highclere International Investors eine Beteiligung von 3,6 Prozent. Dass der Einstieg von Swiss Life substanzieller Natur sein könnte, zeigt sich daran, dass Ivo Furrer, CEO von Swiss Life Schweiz, zur Wahl in den Verwaltungsrat von Valiant vorgeschlagen ist. Die Generalversammlung findet am 24. Mai statt.

Furrer machte nie einen Hehl aus seinen Ambitionen im Schweizer Markt. In einem Interview mit dieser Zeitung im Juli 2012 sagte er, dass Swiss Life Kooperationen mit Banken stärken wolle. Damals dachte er vor allem an die Online-Bank Swissquote, mit der Swiss Life seit 2011 zusammenarbeitet. Vor einem Jahr bestätigte der Versicherer, eine finanzielle Beteiligung an Swissquote zu prüfen. Bisher wurde nichts daraus. Zu den neusten Informationen nehmen weder Valiant noch Swiss Life Stellung.

Ein Schulterschluss zwischen den beiden Unternehmen weckt Erinnerungen an die berüchtigten Allfinanz-Strategien, die Ende des letzten Jahrtausends durch die Finanzbranche geisterten. In den 1990er-Jahren schlossen sich Banken mit Versicherungen zusammen, um gemeinsam Produkte zu entwickeln und zu vermarkten. Die Credit Suisse übernahm die Kontrolle bei der Winterthur Versicherung (heute Axa). Die Zurich Versicherung stürzte sich unter der Führung des damaligen Chefs Rolf Hüppi in ihr eigenes Allfinanz-Abenteuer – und scheiterte kolossal.

Und auch Swiss Life machte ihre Erfahrungen. 1999, damals noch als Rentenanstalt, übernahm sie für 2,4 Milliarden Franken die Banca del Gottardo. Neun Jahre später verkaufte Swiss Life die Bank für 1,8 Milliarden an die Generali-Tochter BSI. Der Erlös wurde später in die Akquisition des deutschen Finanzvertriebs AWD gesteckt – ein Fehlkauf, unter dem die Swiss Life noch heute leidet. Inzwischen wurde die Marke AWD eingestampft. Fast vergessen ist das Abenteuer Redsafe: Im Jahr 2000, damals herrschte Goldgräberstimmung im anbrechenden Internet-Zeitalter, lancierte die Rentenanstalt das Finanz- und Banking-Portal und versenkte damit Dutzende Millionen Franken.

Das Engagement bei Valiant bedeutet für Swiss Life eine Teilrückkehr ins Banking. Der Einstieg bei Valiant dürfte den Versicherer deutlich billiger zu stehen kommen als die früheren Engagements. Die Börse bewertet die Regionalbankengruppe derzeit mit 1,2 Milliarden Franken. Der Kurs der Aktie brach von einem Jahr von 110 auf 75 Franken ein. Seit dem Antritt von Jürg Bucher Anfang Jahr verharrt er bei 85 Franken.

Valiant ist die grösste Regionalbankengruppe der Schweiz mit 400 000 Kunden und einer Bilanzsumme von 25 Milliarden Franken. Mit knapp 1000 Mitarbeitern ist sie eine kleine Universalbank mit Schwerpunkt im Retail-Geschäft. Sie bietet auch Finanzdienstleistungen für institutionelle Anleger, KMU sowie vermögende Kunden an. Sie hat ihren Sitz in Bern, vis-à-vis dem Bundeshaus. Die Bank gehört der Valiant Holding, die in Luzern ihren Sitz hat.

Entstanden ist die Bank 1997 durch den Zusammenschluss der drei Regionalbanken Spar + Leihkasse Bern, Gewerbekasse in Bern und BB Bank Belp. Unter dem Holding-Dach sind inzwischen 40 Banken vereint. Über 15 Jahre lang wurde die Bank von Kurt Streit geprägt, der nach einem Skandal um Marktmanipulationen mit eigenen Aktien die Bank verliess.

Valiant befindet sich im Umbruch. Vor einem Monat wurde bekannt, dass auch der langjährige CEO Michael Hobmeier das Unternehmen verlässt. Die Suche nach einem neuen CEO ist offiziell voll im Gang. So führt Headhunter Sandro Gianella noch in diesen Tagen Gespräche mit Kandidaten und soll dafür ein Honorar von 300 000 Franken beziehen. Doch der Suchprozess ist eine Farce, wie ein mit den Vorgängen vertrauter Insider sagt. Denn intern sind die Würfel bereits gefallen.

Wie die «Schweiz am Sonntag» erfahren hat, soll Postfinance-Topmann Armin Brun an die Unternehmensspitze stossen. Brun ist derzeit in der Geschäftsleitung für den Bereich Marketing und Vertrieb zuständig. Er ist zudem seit 2003 stellvertretender Leiter von Postfinance. Er kennt Jürg Bucher bestens, den langjährigen Chef von Postfinance. Brun war auch Buchers Wunschkandidat für seine Nachfolge. Doch Post-Präsident Peter Hasler entschied sich für Hansruedi Köng – der sich in der Schweizer Finanzbranche nach kurzer Zeit einen exzellenten Namen gemacht hat.

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