Sie sind der Horror jeder Flight Attendant: die sogenannten Unruly Passengers. Rüpelpassagiere, die saufen, fluchen, rauchen oder sich sonst irgendwie nicht an die Regeln an Bord halten. Im vergangenen Jahr zählte die Schweizer Fluggesellschaft Swiss so viele renitente Reisende wie noch nie. «2012 wurden gesamthaft 580 Fälle registriert», sagt Swiss-Sprecherin Susanne Mühlemann. Gegenüber dem Vorjahr entspricht dies einer Zunahme von 29 Prozent und ist ein Rekord seit Bestehen der Airline.

Bei rund einem Drittel der Fälle waren Alkohol oder Drogen die Ursache für das unflätige Benehmen. Es folgen Beschimpfungen gegen das Kabinenpersonal, Rauchen an Bord und das unerlaubte Mitführen von Tieren. Ebenfalls Grund für Unruhen waren das Nichtbeachten der Regeln bezüglich Gepäck, Sitzgurte und elektronischer Geräte.

«Die Zahlen müssen in Relation zu den insgesamt beförderten Passagieren gesetzt werden», sagt Mühlemann. Stellt man die transportierten Passagiere mit den renitenten Bordpassagieren in ein Verhältnis, kommt man auf 2,8 Rüpelpassagiere pro 100 000 Reisende. «Die allermeisten unserer Fluggäste verhalten sich korrekt und freundlich.»

Trotzdem sensibilisiert die Airline ihr Personal in Kursen immer wieder über den Umgang mit renitenten Passagieren, um sie schon vor dem Betreten der Maschine zu entdecken. Mit Erfolg: «Rund ein Viertel der Fälle konnte bereits am Boden behandelt werden», sagt Mühlemann. Die Schulungen des Personals sind mit ein Grund für die Zunahme, da die Fälle vermehrt gemeldet werden. Ausserdem befindet sich die Swiss auf Wachstumskurs, und somit steigt auch die Zahl der negativ auffallenden Passagiere.

Hinzu kommt die gesellschaftliche Entwicklung. So haben beispielsweise auch auf SBB-Zügen die Übergriffe auf die Kondukteure im letzten Jahr um 20 Prozent zugenommen. Trotz des negativen Rekords gibt es einen kleinen Lichtblick: Die Zahl der physischen Übergriffe gegenüber dem Kabinenpersonal ging 2012 weiter zurück auf gerade mal fünf Fälle.

Für besonderes Aufsehen sorgte im Herbst der Fall von zwei chinesischen Passagieren auf einem Swiss-Flug von Zürich nach Peking. Die beiden Streithähne gerieten sich derart in die Haare, dass der Pilot über Moskau entschloss, zurückzufliegen. Der eine Chinese wurde später von der Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland zu einer bedingten Geldstrafe von 90 Tagessätzen in unbekannter Höhe verurteilt. Er gab zu, dass er im Handgemenge auch auf den Maître de Cabine losgegangen sei, der den Streit hatte schlichten wollen. Zum Streit kam es, weil sich der alkoholisierte Chinese an der heruntergelassenen Lehne des anderen Chinesen störte.

Laut dem Bundesamt für Zivilluftfahrt beträgt die durchschnittliche Busse von «Unruly Passengers» 200 Franken. In schlimmen Fällen drohen Bussen bis hin zu 20 000 Franken.

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