Die Grossbanken UBS und CS, der Pharmariese Novartis und mehrere Exportunternehmen haben in den letzten Wochen den Abbau Tausender Jobs bekannt gegeben. Jetzt überrascht ein Unternehmen, das ebenfalls unter dem starken Franken leidet, mit einer erfreulichen Ankündigung: «Wir planen für 2012 den Aufbau von 500 zusätzlichen Stellen», sagt Rudolf Schumacher, Leiter Verkauf und Marketing Schweiz bei der Fluggesellschaft Swiss. Die frohe Botschaft überbrachte er gestern Abend in einem Referat anlässlich der Jubiläumsgala von Knecht Reisen, des viertgrössten Schweizer Reiseunternehmens, das in Baden das 50-jährige Bestehen feierte.

Weiter erklärte Schumacher, die Swiss habe schon dieses Jahr still und leise deutlich ausgebaut. «Insgesamt werden wir 2011 rund 700 Stellen geschaffen haben.» Die Mitarbeiterzahl übertraf somit erstmals die Marke von 7000. Davon sind 5700 am Hauptstandort Zürich, die meisten übrigen in Basel, wo etwa noch die Finanzabteilung ist, in Genf und in Lugano. Zürich wird von dem für nächstes Jahr geplanten Ausbau am meisten profitieren. Die Airline hat in den ersten neun Monaten 2011 einen Gewinn von 288 Millionen Franken ausgewiesen.

Bei den Flugverbindungen kündigte Schumacher ein «moderates Wachstum» an und erwähnte insbesondere die bereits bekannte Destination Peking (ab 11. Februar 2012). Im Europaverkehr wird die Swiss vor allem am Flughafen Genf ausbauen – mit den Destinationen Nizza, Moskau, Madrid und Athen.

Allerdings wird die Swiss gemäss «Sonntag»-Recherchen auch eine traditionsreiche Verbindung streichen: Kamerun fällt aus dem Streckennetz. Seit 1970 flog die Swissair und später die Swiss nach Douala, der Wirtschaftsmetropole des westafrikanischen Landes. 1992 folgte die Hauptstadt Yaoundé als Weiterflug. Doch nun, nach über 40 Jahren, gibt die Schweizer Airline den Staat als Destination auf. «Der Flug wird zum Sommerflugplan 2012 ab dem 25. März aus wirtschaftlichen Gründen eingestellt», heisst es bei der Swiss.

An Bord nach Kamerun sind vor allem Handels- und Geschäftsreisende sowie Kameruner und andere AuslandAfrikaner, die in der Schweiz leben und ihre Heimat besuchen. Ihnen empfiehlt die Swiss, ab Sommer 2012 per Umweg via Brüssel mit Brussels Airlines nach Kamerun zu fliegen. Die Schweizer Fluggesellschaft hat mit der belgischen Airline einen gemeinsamen, so genannten Codeshare-Flug.

Afrika ist bei weitem nicht mehr so wichtig für die Swiss, wie der Schwarze Kontinent einmal für die Swissair war. Zu den besten Zeiten zählte Letztere rund 19 Afrika-Destinationen wie Brazzaville (Kongo), Monrovia (Liberia), Lagos (Nigeria), Abidjan (Elfenbeinküste) oder Dakar (Senegal). Heute fokussiert sich die Swiss auf Ost- und Südafrika. Kamerun war insofern ein Überbleibsel der untergegangenen Vorgängerin.

Die drei wöchentlichen Flüge von Zürich nach Douala und danach weiter nach Yaoundé seien laut Swiss zwar nicht schlecht ausgebucht gewesen. Doch seien die Kosten für einen solchen «Gabelflug» mit zwei Destinationen höher als für einen Direktflug. Tatsächlich hat die Swiss bereits vor einigen Jahren zum Beispiel auch die Gabelflüge nach Dschidda und Riad (Saudi-Arabien) sowie nach São Paulo und Buenos Aires (Brasilien/Argentinien) aufgegeben.

Bereits wird in der Branche spekuliert, dass der Swiss-Gabelflug Zürich–Dubai–Muscat als nächster drankommt. Denn ab Dezember fliegt Oman Air von Zürich direkt nach Muscat. Möglich wäre auch, dass die Swiss stattdessen von Dubai weiter nach Abu Dhabi fliegt. Oder aber, sie setzt die frei werdende A330-Maschine für eine neue Destination in Nordamerika ein.

In Pilotenkreisen wird Washington D.C. herumgereicht, da die US-Hauptstadt zuletzt in den Verhandlungen für den Gesamtarbeitsvertrag offenbar ein Thema war.

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