Die Swiss hat ein Gepäckproblem. Seit der Einführung eines neuen Tarifsystems reisen die Passagiere mit deutlich mehr Handgepäck. Gepäck, für das Platz an Bord fehlt. Im Juni hatte die Swiss ihr neues Tarifsystem lanciert. Für Europaflüge gibt es seither die Billigkategorie Economy light. Dabei ist lediglich Handgepäck inbegriffen, genau gesagt ein kleiner Koffer und eine Hand- oder Laptoptasche. Check-in-Gepäck kostet extra. Für die Swiss würde dies im Idealfall bedeuten, dass sie weniger Gebühren für die Gepäckabfertigung an den Flughäfen bezahlen muss.

Doch im aktuellen Mitarbeitermagazin spricht die Swiss von einem Problem. Die Kunden würden mehr Handgepäck mit sich bringen, wobei der Platz an Bord beschränkt sei. Verschiedene Massnahmen wurden in Zürich und Genf sowie an europäischen Flughäfen eingeführt. Swiss-Sprecherin Sonja Ptassek spricht von präventiven Massnahmen. Es komme immer wieder zu Verspätungen aufgrund von Handgepäck, auch wenn diese im Vergleich zu allen Verspätungen gering seien. Man habe bereits früher Handgepäckkontrollen durchgeführt. Aber: «Diese wurden mit Einführung des neuen Tarifkonzepts intensiviert.» Auch auf der Website und im Newsletter werde auf die Regelung hingewiesen.

Neu könne man ein zusätzliches Gepäckstück vor Antritt der Reise auf der Website bereits für 55 Franken dazubuchen, sagt Ptassek. Früher war dies nur am Check-in-Schalter für 90 Franken möglich. In Genf und Zürich habe man neu auch an allen Gates die Möglichkeit, überzähliges Gepäck zu verrechnen.

In Zürich wurde ein Extraschalter eingerichtet. Wer vor dem Sicherheitscheck vom Swiss-Gepäckkontrolleur abgefangen und zum Check-in-Schalter zurückgeschickt wird, weil sein Koffer zu gross ist, muss sich nicht mehr in die Warteschlaufe einreihen. «Die Massnahmen sind teuer», heisst es im Mitarbeiterheft. «Und sie reichen nicht aus. Weitere Schritte sind offensichtlich nötig.»

Denny Manimanakis, Präsident der Kabinengewerkschaft Kapers, bestätigt den Trend. «Seit der Einführung des neuen Tarifsystems haben sich die Rapporte unserer Crew bezüglich Handgepäck verdoppelt.» Man wolle das Thema ansprechen, bald gebe es ein Treffen mit den Verantwortlichen. Denn für die Flight Attendants sei die Situation mühsam, sagt Manimanakis. «Oft kommt es zu unangenehmen Diskussionen an Bord, da unsere Crews die Passagiere zurechtweisen müssen, die zu viel Gepäck mit sich tragen, das sich nicht verstauen lässt.»

Vor allem bei Flügen mit kleiner Besatzung habe die Crew schon genügend andere Aufgaben, sagt Manimanakis. Erst kürzlich habe die Swiss die Crew aufgefordert, den Boardingprozess zu beschleunigen, um die Pünktlichkeit sicherzustellen. Die Kapers mache sich nun Sorgen, dass der Sicherheitsgedanke leiden könnte.

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