Es ist erst der Anfang, was Swisscom, Sunrise und Orange in den letzten Tagen angekündigt haben. Die Telekomfirmen teilten mit, dass die Kosten fürs mobile Surfen in den Ferien fallen werden. Denn diese Preissenkungen sind nicht mehr als ein Vorgeplänkel. Verglichen mit der Situation in den Nachbarländern, bezahlen Schweizer Konsumenten noch immer deutlich mehr für die Nutzung des Handys im Ausland, denn die EU reguliert die Tarife für die Auslandnutzung, das Roaming, gnadenlos nach unten. Vor kurzem schlug EU-Kommissarin Nelly Kroes sogar vor, Roaminggebühren für innereuropäische Telefongespräche ganz zu streichen.

Das hat Folgen für die Schweiz. Ab Mitte 2014 müssen Mobilfunkanbieter in der EU zulassen, dass für Datenverbindungen lokale Anbieter direkt genutzt werden können. Wer in Frankreich in den Ferien ist, kann direkt über den Anbieter SFR surfen, statt dass die Verbindung via Roaming über den Netzbetreiber zu Hause abgerechnet wird. Anders als heute braucht es keine separate SIM-Karte mehr. Das Handy bleibt jederzeit mit der normalen Telefonnummer erreichbar.

Die Swisscom bestätigt bereits heute, dass auch ihre Schweizer Kunden vom lokalen Datensurfen profitieren können. «Wir werden das anbieten, auch wenn wir als Schweizer Netzbetreiber nicht dazu verpflichtet sind», sagt Pressesprecher Sepp Huber. Die Anmeldung ins ausländische Netz werde wohl über eine App geschehen, die auf dem Handy installiert werden muss. Die Details arbeite man noch aus, so Huber.

Bei Orange und Sunrise ist der Entscheid noch nicht gefallen. Orange evaluiere die Möglichkeiten für den sogenannten «Local Breakout», sagt Sprecherin Marie-Claude Debons. Man habe dazu mit Anbietern in der EU Kontakt aufgenommen. Auch bei Sunrise liefen noch interne Abklärungen, sagt Sprecher Tobias Kistner. Es seien noch Fragen technischer Natur offen. Die beiden Swisscom-Konkurrenten werden aber wohl nachziehen müssen.

Mit der Möglichkeit, auf lokale Anbieter auszuweichen, nimmt der Preiswettbewerb zu. Denn für einen französischen Netzbetreiber ist jeder Schweizer ein Neukunde, den es zu erobern gilt, und weil die Touristen aus der Schweiz die freie Auswahl der französischen Netzbetreiber haben werden, spielt der direkte Preiskampf unter diesen. Wollen die Schweizer Anbieter verhindern, dass ihnen ihre Kunden in den Ferien reihenweise untreu werden, müssen sie ihre Roaming-Tarife also weiter senken.

Zwar gilt dieses Schlupfloch nur fürs Surfen und nicht fürs Telefonieren. Doch auch bei den Sprachverbindungen können sich die Anbieter ihre hohen Preise immer weniger leisten. Denn wer ein Smartphone besitzt, kann heutzutage auch übers Internet telefonieren. Etwa mit dem Programm Skype, das die Verbindungen gratis aufbaut, wenn der Gesprächspartner ebenfalls Skype nutzt. Die immer billigeren oder gar kostenlosen Datenverbindungen über Mobilnetz oder WLAN haben bereits heute Gesprächsverbindungen ins Internet abwandern lassen.

Und so bieten neu alle Mobilfunkbetreiber Handyverträge an, bei denen eine gewisse Menge Auslandnutzung in der monatlichen Pauschale inbegriffen ist. Wer bei Orange 3 Gigabyte Daten pro Monat abonniert hat, bekommt als Zückerchen 100 Megabyte im Ausland dazu.

Bei Sunrise brauchts dafür ein «Max»-Abonnement und bei der Swisscom bekommt der Kunde ab dem Preisplan «Infinity M» unter anderem 30 Megabyte Roaming im Ausland mitgeliefert. Und wer das nicht hat, kann sich speziell für die Ferien ein Daten-Päckli dazukaufen: Das grösste gibts bei der Swisscom. 1024 Megabyte Datenroaming kosten 99 Franken – oder 9,7 Rappen pro Megabyte.

Die Preise fürs Surfen im Ausland sind günstiger geworden. Übersichtlicher sind die Tarife deswegen aber noch lange nicht.

Mehr Themen finden Sie in der gedruckten Ausgabe oder über E-Paper!