Der Mann fährt einen Porsche Turbo und hat einen Ferrari in der Garage – und jetzt erhält er auch ein «turbogeladenes» Beteiligungsprogramm: Oliver Steil, CEO von Sunrise und Autosammler. Ausgeheckt hat das in der Schweizer Wirtschaftsgeschichte einmalige Vehikel die Finanzgesellschaft CVC Capital Partners, die Sunrise dem dänischen Konzern TDC im Oktober 2010 für 3,3 Milliarden Franken abkaufte.

Der Brite Lorne Somerville ist zuständig für das Telekommunikationsportfolio von CVC und sitzt als Vizepräsident im Verwaltungsrat von Sunrise. Dem «Sonntag» liegt eine zehnseitige Präsentation vor, worin Somerville die Eckpunkte des Investments bei Sunrise, den Ausstiegsplan, Kostensparmassnahmen sowie Details zum «Management Equity Program» bekannt gibt. Das Aktienbeteiligungsprogramm steht rund 50 Managern von Sunrise offen. Das Programm für Topkader scheint mehr oder weniger Pflicht zu sein: Laut der Präsentation hat CVC «grosse Erwartungen», dass sich alle Manager an dem Programm beteiligen.

Sie sollen privat Gelder investieren, die bis Ende 2014 gebunden sind. Laut Sunrise-Insidern beträgt der maximale Hebel bei den Topkadern den Faktor fünf. Der mit Abstand höchste Hebel ist allerdings für Oliver Steil reserviert, den deutschen CEO von Sunrise. Seine 2 Millionen, die er als Übernahmebonus erhalten hatte und in das Programm investierte, soll bei Erreichen der Ziele um den Faktor neun multipliziert werden. Er kann somit auf eine Gesamtentschädigung von 20 Millionen Franken hoffen. Sunrise-Sprecherin Nastasja Sommer macht keine Angaben dazu, hält aber fest, dass das Programm auch zu Verlusten führen könne. Zum Vergleich: Swisscom-CEO Carsten Schloter verdiente letztes Jahr 1,89 Millionen Franken.

Laut CVC-Unterlagen bietet das Programm den Sunrise-Managern eine «Chance, die sich im Leben nur einmal bietet». Sie können in ein «hochgradig gehebeltes, turbogeladenes Aktienprogramm» investieren, das «ein Vielfaches der Erlöse von CVC» bringen kann. Das Programm soll zudem «steuereffizient» für die Mitarbeiter ausgestaltet sein.

Wie Recherchen ergeben haben, ist das umstritten. Anwälte und Spezialisten von Sunrise stehen dazu in Kontakt mit den kantonalen Steuerbehörden in Zürich, wie Sommer bestätigt. Die Verhandlungen verlaufen offenbar harzig.

Es geht dabei um die Frage, ob die Einkünfte aus dem Programm als Kapitalgewinn oder Einkommen zu betrachten sind. Bei CEO Steil geht es dabei um Millionen. Sprecherin Sommer sagt dazu: «Mögliche Gewinne würden teilweise der persönlichen Einkommenssteuer unterliegen.» Die kantonale Steuerbehörde gibt unter Berufung auf das Steuergeheimnis keine Auskunft.

Beteiligen können sich auch einfache Sunrise-Mitarbeiter. Dazu hat CVC das so genannte Mitarbeiter-Partizipationsprogramm auf die Beine gestellt. Gemäss Insidern verfügt es über einen maximalen Hebel von drei. Laut Sommer haben bisher insgesamt 200 Sunrise-Mitarbeiter in die Programme investiert.

Die eingezahlten Gelder sind bis Dezember 2014 blockiert. Dann nämlich will sich CVC wieder von Sunrise trennen. Im Dokument wird explizit von einem «Exitszenario» per Dezember 2014 gesprochen. Sunrise dürfte dann verkauft oder an die Börse gebracht werden.

Bis dahin bleibt viel zu tun für CEO Oliver Steil. Laut der Präsentation erwartet CVC in der verbleibenden Zeit ein kräftiges Ertragswachstum (siehe Grafik). Die Erträge auf Stufe Ebitda sollen im Basisszenario von 540 Millionen Franken im Oktober 2010 auf 674 Millionen Franken per Ende 2014 gesteigert werden. Dieses ambitionierte Wachstum um 25 Prozent soll durch mehr Einkünfte (61 Millionen), Kostensenkungen (49 Mio.) und einen verbesserten Produktemix (24 Mio.) geschafft werden.

Damit soll der Unternehmenswert von Sunrise kräftig gesteigert werden. CVC zahlte 3,3 Milliarden Franken für Sunrise. Aus der Somerville-Präsentation geht hervor, wie CVC das Unternehmen damals bewertete. Demnach errechnete sich der Wert auf dem 6,1-Fachen des damaligen Ebitda. Von den investierten 3,3 Milliarden sind 1,005 Milliarden als Eigenkapital ausgewiesen, der Rest von 2,295 Milliarden sind aufgenommene Schulden. Bis Ende 2014 soll der Firmenwert auf 4,04 Milliarden Franken hochgeschraubt werden. Abzüglich der auf 1,435 Milliarden abgebauten Schulden ergibt sich ein auf 2,6 Milliarden Franken gesteigertes Eigenkapital. Das entspricht einem Wertzuwachs um den Faktor 2,6.

Damit zahlt sich das Investment auch für CVC aus. Das Private-Equity-Unternehmen ist ein Gigant in der Szene: Mit seinen Fonds ist es in 56 Unternehmen investiert, die kombiniert 120 Milliarden Dollar Umsatz erzielen und 400 000 Angestellte beschäftigen.

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