VON PATRIK MÜLLER

Die Zeiten sind vorbei, als die UBS bei Uni-Absolventen der beliebteste Arbeitgeber war, wie neue Umfragen zeigen. Der Reputationsschaden und die Massenentlassungen haben auch auf dem Arbeitsmarkt Spuren hinterlassen. Doch der grosse Abbau ist vorbei. «Wir suchen wieder Leute und haben zum Teil Mühe, die Stellen mit guten Leuten zu besetzen», sagt Lukas Gähwiler, der seit 1. April die UBS Schweiz leitet.

360 Stellen sind bei der UBS im Inland momentan offen. «Selbst für die Lehrstellen ist es schwierig, gute Leute zu finden», ergänzt Gähwiler am Rand des Swiss Economic Forum im Gespräch mit dem «Sonntag». Er führt dies aber nicht auf das Imageproblem der UBS zurück; die ganze Branche kenne dieses Problem. Es müsse auch ausserhalb der Schweiz rekrutiert werden: «Die Personenfreizügigkeit halte ich für matchentscheidend.»

Gähwiler zeigte sich am Forum in Interlaken erstmals seit seinem Amtsantritt in der Öffentlichkeit. Medienauftritte scheut der 45-Jährige aber noch. «Ich möchte zuerst, dass mich die Mitarbeiter kennen lernen.» Er will alle zwölf Regionen der UBS persönlich besuchen, in zehn war er bereits.

«Es ist mir wichtig, die Stimmung zu spüren», sagt Gähwiler, «ich ziehe den Hut vor den Leuten, die in den vergangenen zwei Jahren Unglaubliches durchmachen mussten.» Dass Gähwiler von der beim UBS-Personal wenig geliebten CS kommt, «war auf meiner Tournee kein Thema», sagt er, der in seiner Karriere bei der Credit Suisse eng mit dem damaligen CEO Oswald Grübel zusammenarbeitete, dem heutigen UBS-Chef.

Gähwiler will der UBS im Heimmarkt, wo ihr Ruf am meisten gelitten hat, den Stolz und das Selbstbewusstsein zurückgeben. Dies gegen innen und aussen: Der neue Chef möchte die Mitarbeiter fördern und «die UBS wieder zu einer Bildungsstätte machen», zu einer Kaderschmiede, als die sie früher berühmt war. Gähwiler: «Schauen Sie einmal, welche der heutigen Kantonalbanken-Chefs zuvor bei der UBS waren – sehr viele!»

Auch im Aussenauftritt soll die UBS offensiver werden. «Wir möchten am Markt aktiver auftreten», sagt Gähwiler. Man trifft die Grossbank, die ihre Werbung zwischenzeitlich fast gänzlich einstellte, vermehrt als Sponsor an – so auch beim Swiss Economic Forum. Die UBS ist zudem eine Partnerschaft mit Schweiz Tourismus eingegangen. Um die Öffentlichkeitsarbeit zu verbessern, gelang Gähwiler ein Coup: Er holte den bei Journalisten beliebten Ex-Chefredaktor des «Tages-Anzeigers», Peter Hartmeier, als Kommunikationschef an Bord.

Der Banker, der bei der St. Galler Kantonalbank das KV machte und sich in Harvard weiterbildete, sieht seine Aufgabe bei der UBS als eine sehr langfristige Herausforderung an. Gegenüber dem SF-Magazin «Eco» sagte Gähwiler: «Ich habe mir vorgenommen, lange zu bleiben – es kann sein, dass dies meine letzte Stelle ist.» Dann hätte er bei der UBS noch 20 Jahre vor sich. Gähwilers Vorgänger als Schweiz-Chef, Franco Morra, musste nach nur einem Jahr wieder gehen.

Gähwiler lebte lange in Vancouver und heiratete eine Kanadierin. Mit den drei Kindern spricht er Englisch. «Als ich zurück in die Schweiz kam, sah ich viel deutlicher als zuvor, welch eine Lebensqualität und welch ein Potenzial dieses Land hat.» Es sei ein starkes Signal, dass er als UBS-Schweiz-Chef – im Gegensatz zu seinen Vorgängern – nun in der Konzernleitung sitze. Gähwiler möchte dem Heimmarkt in der Grossbank, deren USA-Geschäft sie an den Abgrund brachte, wieder das Gewicht geben, das ihm früher zustand. Doch bei aller Langfristigkeit: Gähwiler braucht rasch Erfolge – erste Priorität hat für ihn, dass die Kunden ihr Geld wieder auf die UBS bringen, statt es abzuziehen.

Mehr Themen finden Sie in der gedruckten Ausgabe oder über E-Paper!