Geruhsame Festtage? Nicht für die Heizölhändler. In den letzten Tagen des Jahres herrschte bei ihnen ein emsiges Kommen und Gehen. Jeder wollte noch seinen Öltank gefüllt haben, bevor das neue Jahr anbrach. «Gewisse Lieferanten mussten Bestellungen ablehnen oder aufs neue Jahr vertrösten», sagt Roland Bilang, Chef der Erdölvereinigung. Der Grund für die Panikkäufe: eine Gebühr. Seit dem 1. Januar verlangt der Bund eine fast doppelt so hohe CO2-Abgabe auf Brennstoffe. Beim Heizöl steigt sie um 68 Prozent von 9,5 auf 16 Rappen pro Liter, bei Erdgas von 7 auf 12 Rappen pro Kubikmeter. Der Besitzer eines Häuschens mit einem jährlichen Verbrauch von 2000 Litern bezahlt 130 Franken mehr, wenn er das Öl erst im Januar kauft statt im Dezember.

Heizöl ist nur ein Beispiel für Preisaufschläge im neuen Jahr. Ein anderes ist – um bei der Energie zu bleiben – der Strom. Zwar ist davon auszugehen, dass der vor allem in Deutschland produzierte Wind- und Solarstrom auch 2014 die Marktpreise für Strom eher tief halten wird. Dafür steigen die Netzkosten. Weil die Netzbetreiberin Swissgrid Geld an Kraftwerke zurückbezahlen muss, verlangt sie mehr für sogenannte Systemdienstleistungen, was bei einem Durchschnittshaushalt etwa 15 Franken pro Jahr ausmachen dürfte.

Teurer wird auch die Ökostromförderung. Die Abgabe für die kostendeckende Einspeisevergütung (KEV) steigt um 33 Prozent auf 0,6 Rappen pro Kilowattstunde Strom. Insgesamt legen die Stromkosten für Schweizer Kleinkunden im Schnitt um 1 Prozent zu.

Teurer wird vielerorts auch der Staat. Zahlreiche Gemeinden scheinen ihre Budgets vernachlässigt zu haben oder zu optimistisch gerechnet zu haben, und müssen nun ihre Steuern erhöhen. Betroffen sind offenbar vor allem Zürcher Landgemeinden und solche aus dem Baselbiet. Im zürcherischen Bachenbülach etwa steigt der Steuerfuss für die Gemeindesteuer von 96 auf 100 Prozent. In Bachs durchbricht er sogar eine frühere Obergrenze und liegt neu bei 124 Prozent.

Auch grössere Städte fordern mehr von ihren Einwohnern. Olten etwa leidet darunter, dass der dort ansässige Stromkonzern Alpiq weniger Unternehmenssteuern generiert als auch schon. Nun soll eine Erhöhung der Steuern von 95 auf 115 Prozent das Budget retten. Und in St. Gallen erhöhen mit Wil und Gossau zwei Städte ihre Steuern – nicht zuletzt, weil ihnen das Sparpaket des Kantons neue Aufgaben überlassen hat.

Mehr Geld wollen auch die Banken. Verschiedene Institute haben auf Anfang Jahr Preiserhöhungen angekündigt. Etwa die Credit Suisse, deren «Bonviva»-Pakete um bis zu 120 Franken teurer werden. Die CS, die für Coop die Supercard-Gratiskreditkarte betreibt, erhöht bei den eigenen Kunden auch die Gebühr fürs Plastikgeld. Eine Zusatzkreditkarte für das Silver-Paket kostet statt 25 neu 60 Franken im Jahr, bei den Gold- und Platinum-Paketen müssen die Kunden neu 120 Franken pro Zusatzkarte berappen. Früher waren diese kostenlos. Für die Maestro-Karte will die Credit Suisse neu 50 statt 40 Franken im Jahr sehen.

Bei Raiffeisen schlägt die Maestrokarte von 30 auf 40 Franken auf, bei der Zürcher Kantonalbank gar von 20 auf 40. Die Postfinance, eben erst zur Bank erkoren, erhöht die Kontoführungsgebühren von 3 auf 5 Franken pro Monat, die ZKB ihre von 6 auf 12 Franken pro Jahr.

Bei der Post verteuert sich unter anderem die Zeitungszustellung. Das Austragen einer Tageszeitung kostet statt 29,8 Rappen neu 31,8 Rappen. Ein Aufschlag von knapp 7 Prozent. Massiv teurer wird es auch, Pakete per Nachnahme zu verschicken. Die Post erhöht die Gebühr um 38 Prozent von 18 auf 25 Franken. Auch sogenannte Webstamp-Pakete werden einen Franken teurer, weil das Einführungsangebot ausläuft.

In Luzern geht das Sparen sogar so weit, dass das bisher kostenlose Sterben teurer wird. Gewisse Bestattungsarten werden mit 350 bis 800 Franken kostenpflichtig, zwei ausgewählte Bestattungen bleiben gratis. Die Stadt will damit 250 000 Franken jährlich einnehmen.

Die Bauern profitieren von höheren Milchpreisen. Der Richtpreis für sogenannte A-Milch wurde um 2,9 Prozent auf 71 Rappen angehoben. Teilweise deutliche Aufschläge gibt es auch bei Milch, die an Käsereien verkauft wird. Der Bauernverband warnt zudem davor, dass die Preise für Dünger weltweit stark am Steigen seien. Viele noch zu tieferen Preisen aufgefüllte Lager mit Stickstoffdünger seien praktisch aufgebraucht.

Preisaufschläge werden auch im Tourismus ausgemacht. Nicht die üblichen Verdächtigen wie Seilbahnen und Hotels schlagen auf, aber die Reise dahin. Der Autoverlad Furka etwa erhöht die Preise um 2 Franken im Sommer und 3 Franken im Winter. Eine neue Tourismusgebühr führt der Kanton Baselland ein: Eine Übernachtung in Touristenorten wie Liestal kostet neu Fr. 3.50.

Gefallen ist ausserdem die letzte Bastion der Sackgebühr-Gegner: Mit dem Kanton Nidwalden kennen seit Anfang 2014 alle Deutschschweizer Kantone die Abgabe für die Abfallentsorgung. 2 Franken kostet in Nidwalden nun ein Abfallsack.

Geistige Arbeit lohnt sich gerüchteweise zwar nach wie vor, aber ihr Schutz kostet mehr. Auch das Institut für Geistiges Eigentum erhöht seine Preise. Eine Marke zu verlängern, wird 27 Prozent teurer und kostet neu 700 statt 550 Franken. Und Patente einzutragen, wird um 50 Franken teurer.

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