Wer heute mit dem Zug von Zürich nach München fährt, zahlt für die einfache Fahrt mit dem Eurocity 98 Franken. Ab dem 1. Februar wird die gleiche Reise wesentlich günstiger sein. Dann senken die SBB die Billettpreise im internationalen Verkehr, damit die Kunden von der markanten Aufwertung des Frankens profitieren.

Die rasche Preissenkung mag überraschen, denn normalerweise gleichen die SBB die Kurse für Bahnreisen ins Ausland nur alle drei Monate an. Der ausserordentliche Schritt geschehe in Absprache mit den Partnerbahnen, sagt SBB-Sprecher Christian Ginsig. Wie stark die Preise sinken, ist noch offen. Der bis heute gültige Umrechnungskurs der Billette liegt bei 1.23, der neue Kurs wird im Verlauf dieser Woche festgelegt.

Auf breiter Front sinken nun die Preise für Importgüter. Coop-Sprecherin Nadja Ruch sagt, Früchte und Gemüse aus dem Ausland würden bereits am Montag und Dienstag um bis zu 20 Prozent günstiger. Das betrifft mehr als 200 Artikel. Auch andere Produkte, welche Coop in Euro einkauft, werden günstiger, darunter Blumen, Weine und Schaumweine, Importbier, Konserven, tiefgekühlter Fisch, Babynahrung und Backwaren. Die Migros verspricht, sie werde Einsparungen in der Beschaffung sofort an die Kunden weitergeben. Erste Preissenkungen wird es laut Sprecherin Monika Weibel bei importierten Früchten und Gemüsen aus dem Euroraum geben. Die Migros-Tochter Globus startet Anfang dieser Woche erste Verhandlungen mit den Lieferanten. Weil der Einkauf etwa sechs Monate im Voraus geschieht, sind erste Preissenkungen im Non-Food-Bereich auf den Herbst zu erwarten.

Rasch gehandelt hat das Möbelhaus Pfister. Es gibt bereits seit Freitag auf das gesamte Möbelsortiment aus dem Euroraum den vollständigen Währungsausgleich an die Kunden weiter. Bei der aktuellen Franken-Euro-Parität bedeutet das 16,6 Prozent Preisnachlass. 40 Prozent des gesamten Möbelsortiments von Pfister kommen aus dem Euroraum.

Beim Online-Reiseportal Ebookers sind Reisen ab sofort 18 Prozent günstiger. In der Modebranche kommen die Preise ebenfalls ins Rutschen. Bei Esprit gab es gestern 15 Prozent Euro-Rabatt, bei Tally Weijl erhalten die Kundinnen laut Verwaltungsratspräsident Beat Grüring spätestens ab Mittwoch auf allen neuen Kollektionen einen währungsbedingten Sonderrabatt von 15 Prozent.

Mediamarkt, Interdiscount, Möbel Hubacher, Aldi und Denner versprechen, Druck auf die Preise importierter Güter zu machen und jede Preissenkung der Hersteller und Lieferanten sofort an die Kunden weiterzugeben. Denner ist bereits in Gesprächen mit den Lieferanten.

Vorerst abwarten wollen dagegen der Autoimporteur Amag, die Möbelkette Ikea, der Bücherhändler Orell Füssli Thalia, der Computer-Onlineshop Digitec und der Kioskbetreiber Valora. Dies gilt selbst bei internationalen Zeitschriften, die in der Schweiz gemäss Untersuchungen schon vor der jüngsten Frankenaufwertung deutlich teurer waren als in den Ursprungsländern.

Trotzdem zeichnet sich ab, dass die Importeure diesmal den Währungsvorteil rascher an die Kunden weitergeben als bei der letzten markanten Frankenaufwertung im August 2011. Damals weigerten sich viele Unternehmen, die Preise auf importierte Güter zu senken. Das führt zu Proteststürmen und heizte den Einkaufstourismus an. Arbeitgeberpräsident Valentin Vogt forderte damals die Detailhändler auf, überteuerte Importprodukte aus den Gestellen zu nehmen. Bundesrat Johann Schneider-Ammann redete den Währungsgewinnlern an einem Krisengipfel ins Gewissen.

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