Sie ist eine der reichsten Familien der Schweiz – und in Meisterschwanden zurzeit Gesprächsthema Nummer eins. Der Grund: Zugunsten der Uhrenfamilie Hayek wollen der Kanton Aargau und die Gemeinde das Hallwilersee-Schutzdekret lockern, das eine zu starke Überbauung des Seeufers verhindert. Damit die Familie einen neuen Wohnsitz bauen kann, soll die Schutzzone um 0,17 Hektaren reduziert werden.

Das luxuriöse Gebäude wird neben das bestehende Wohnhaus zu stehen kommen, in dem Swatch-Gründer Nicolas G. Hayek und seine Frau Marianne seit 1962 wohnten. «Geplant ist ein Terrassenhaus mit drei Wohnungen und drei Stockwerken», weiss Gemeindeammann Kurt Kaufmann, der mit der Familie eng verbunden ist.

«Es war immer der Wunsch des Vaters, dass die ganze Familie nach Meisterschwanden kommen kann», sagt Kaufmann. Nach dem überraschenden Tod von Hayek senior im Juni 2010 sollen nun Witwe Marianne und ihre Kinder diesen Traum realisieren. Der Umzug von Swatch-Verwaltungsratspräsidentin Nayla Hayek, die heute in der Steueroase Hergiswil NW wohnt, sei so gut wie sicher, sagt Kaufmann.

Noch nicht ausgemacht ist hingegen, dass auch ihr Bruder, Swatch-Konzernchef Nick Hayek, von seinem derzeitigen Wohnsitz Zug an den Hallwilersee zieht. Hayek selbst will es weder versprechen noch ausschliessen. Er sagt dazu nur: «Wieso nicht?» Hayek bestätigt hingegen, dass die Familie einen neuen Wohnsitz erstellen will. «Der Gemeinderat ist auf uns zugekommen, und wir haben selbstverständlich unsere Wünsche geäussert. Wir haben erwähnt, dass der Neubau eines Terrassenhauses für die Familie möglich sei.»

Das ist tiefgestapelt. Laut Kurt Kaufmann war es gerade andersherum: Die Initiative für eine Verkleinerung der Schutzzone sei von Nicolas G. Hayek gekommen. Im Frühling 2010 habe es intensive Gespräche zwischen Hayek, der Gemeinde und mehreren Regierungsräten gegeben. «Vater Hayek wünschte, dass wir die Anpassung machen.» Der Kanton Aargau bestätigt das in seinem Planungsbericht. Mit der Lockerung der Schutzzone könne «dem Wunsch des verstorbenen Nicolas G. Hayek entsprochen werden, dass ein Bau für die Familie möglich wird».

Vom Umzug von Nayla und Nick Hayek erhoffen sich der Regierungs- und der Gemeinderat hohe Steuereinnahmen. «Die Gemeinde und der Kanton würden steuerlich massiv profitieren», sagt Kurt Kaufmann. «Meisterschwanden könnte seinen tiefen Steuerfuss weiter reduzieren.» Der Kanton spricht von einer «Interessenabwägung der landschaftlichen Aspekte und der finanziellen Perspektiven für die Gemeinde und den Kanton». Die Familie Hayek kontrolliert den weltgrössten Uhrenkonzern Swatch. Gemäss der «Reichsten-Liste» des Wirtschaftsmagazins «Bilanz» ist das Familienvermögen im letzten Jahr um eine auf 4,5 Milliarden Franken gestiegen.

Der Aargauer Baudirektor Peter Beyeler bestätigt, dass die Gespräche zwecks Ansiedlung von Nayla und Nick Hayek nach dem Tod ihres Vaters weitergegangen sind: «Die Familie hat anlässlich eines Kondolenzbesuchs des Regierungsrats klar gesagt, dass sie den Standort Meisterschwanden gerne in zweiter Generation weiterführen möchte.»

Schon einmal änderte der Kanton für die Familie das Hallwilersee-Schutzdekret. 1996 wollte Nicolas G. Hayek sein Freibad in ein Hallenbad umbauen. Das wäre unter den geltenden Bestimmungen nicht möglich gewesen. Aber der Grosse Rat änderte das Schutzdekret ab, sodass der Bau möglich wurde. Für ihren neuen Wohnsitz müssen Marianne, Nayla und Nick Hayek indessen noch einige Hürden überspringen. Im Herbst entscheidet der Grosse Rat über die Lockerung des Schutzdekrets, dann ist die Gemeindeversammlung an der Reihe. Frühestens im Frühling 2012 wird die Umzonung rechtskräftig. Danach können die Hayeks ihr Baugesuch eingeben.

Befürchtungen von Einwohnern, die Familie werde das Landstück nach der Einzonung verkaufen, tritt Gemeindeammann Kurt Kaufmann energisch entgegen. «Ich lege die Hand ins Feuer, dass es keine Spekulation gibt. Herr und Frau Hayek haben mir immer gesagt, wenn das Grundstück eingezont wird, dann bauen sie für den eigenen Zweck.»

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