VON PATRIK MÜLLER

Der bisherige UBS-Vizepräsident Sergio Marchionne tritt auf die Generalversammlung vom 14. April hin zurück. Noch immer hat die Grossbank nicht mitgeteilt, wie seine Nachfolge geregelt wird. Jetzt zeigen «Sonntag»-Recherchen: Der ehemalige Nationalbankdirektor Bruno Gehrig (63), der seit Oktober 2008 im UBS-Verwaltungsrat sitzt, soll das Vizepräsidium übernehmen. Er ist der Wunschkandidat des Verwaltungsrats – und hat den Posten auf sicher, wenn er will. Doch Gehrig zögert, wie gut informierte Quellen sagen: Er habe sich noch nicht entschieden, ob er sich zur Verfügung stellen soll. Gehrig selbst wollte auf Anfrage keinen Kommentar dazu abgeben.

Der angesehene Volkswirtschaftsprofessor und Ex-Verwaltungsratspräsident der Rentenanstalt/Swiss Life zögerte schon einmal – und sagte dann ab: Er wurde nach dem Rücktritt von Marcel Ospel als neuer UBS-Präsident angefragt und verzichtete aus gesundheitlichen Gründen. Im Herbst 2005 hatte er einen Hirnschlag erlitten, sich danach aber wieder gut erholt. Präsident wurde dann schliesslich Peter Kurer, der aber schnell wieder abtreten musste.

Die Belastung eines Vizepräsidenten ist jedoch um einiges kleiner als die eines Präsidenten, deshalb ist gut möglich, dass Gehrig diesmal zusagt. Dies umso mehr, als sich die Lage der UBS verglichen mit damals verbessert hat; im letzten Quartal schrieb sie erstmals wieder schwarze Zahlen.

Gehrig, Mitglied der CVP, ist wegen seiner Integrität und seiner Bankkompetenzen der Wunschkandidat. Das Finanz-Know-how ist im Verwaltungsrat sonst dünn gesät; auch der Lufthansa-Chef Wolfgang Mayrhuber, welcher an der GV neu in das Gremium gewählt werden soll, bringt es nicht mit. Noch offen ist, wer als zweiter neuer Verwaltungsrat vorgeschlagen wird. Denn nicht nur Sergio Marchionne, sondern auch Shell-Chef Peter Voser tritt zurück.

Auf Gehrig hofft man in der UBS umso mehr, als Kaspar Villiger (69) – seit April 2009 VR-Präsident – viele enttäuscht. Dass die Bank wieder besser dastehe, sei das Verdienst von CEO Oswald Grübel; Villiger hingegen sei vor allem durch kommunikatives Missgeschick aufgefallen, kritisieren UBS-Kader hinter vorgehaltener Hand. Ein hochkarätiges Verwaltungsratsmitglied hält Villiger gar für eine Fehlbesetzung. Der frühere FDP-Bundesrat habe die Beziehung zur Politik nicht verbessert, sondern verschlechtert, indem er diese unnötig vor den Kopf stiess. So hatte er Parlamentarier als «Laien» bezeichnet.

Die Aktionärsvereinigung Actares hat diese Woche dazu aufgerufen, Villiger an der GV nicht wiederzuwählen. Und jetzt setzt auch die Ethos-Stiftung den amtierenden VR-Präsidenten unter Druck: Für Ethos-Direktor Dominique Biedermann ist «offen», ob man für Villiger stimmen werde. «Er verfügt über wenig Kompetenz im Finanzbereich. Wie kann er da seine Kontrollfunktion gegenüber Oswald Grübel und der Konzernleitung wahrnehmen?», fragt Biedermann – und gibt den Tarif durch: «Villiger kann nur Präsident bleiben, wenn er zwei Vizepräsidenten mit hoher Finanzkompetenz zur Seite hat.»

Die UBS wollte zu Fragen im Vorfeld der GV keine Stellung nehmen.

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