Kosten ihn seine heiklen Devisentransaktionen am Ende doch noch den Job? Die Nationalbank dürfe beim Fall Danthine «nicht zur Tagesordnung übergehen», sagt SVP-Nationalrat Christoph Blocher. Der Fall müsse noch eingehender analysiert werden. «Ob sich Danthine letztlich wird halten können oder nicht, wird sich weisen», sagt Blocher. Auffällig ist gemäss Blocher vor allem der Zeitpunkt der zweiten Transaktion: Jean-Pierre Danthine verkaufte am 20. Mai 2010 126 000 Euro und damit nur kurz bevor die SNB im Juni ihre Politik der Euro-Stützungskäufe stoppte – und der Euro an Wert verlor.

Danthine verteidigt seinen Euro-Verkauf damit, dass sein Kundenberater bei der Bank ihm dazu geraten habe. «Das ist eine billige Ausrede», antwortet Blocher. «Er wusste doch genau, dass der Euro an Wert verlieren wird, sobald die Nationalbank ihre Interventionen stoppt.» Danthine selber betont zwar: «Es gab bei meinen Transaktionen keine Wechselkursbewegungen, von denen ich hätte profitieren können.» Doch der rapide Wertzerfall des Euros ab Juni nährt die Zweifel der Skeptiker. Heute wären seine Euro klar weniger wert.

Für Blocher ist klar: «Es braucht in der Nationalbank eine neue Kultur. Es sollte doch eine Selbstverständlichkeit sein, dass die Nationalbankspitze keine Währungsgeschäfte macht.» Mit der «Wiederherstellung der Glaubwürdigkeit» der Nationalbank beschäftigt sich am Mittwoch auch der Nationalrat in einer ausserordentlichen Session, wo Voten von links und rechts zu erwarten sind, die den Notenbankern das private Geldgeschäft verbieten wollen.

Blochers Angriff ist für Jean-Pierre Danthine nicht ungefährlich, denn schliesslich war er es, der zuvor Nationalbank-Präsident Philipp Hildebrand gestürzt hatte. Nach dessen Rücktritt am 9. Januar sagte Blocher auf die Frage, ob er nun das Ziel erreicht habe: «Wir haben nicht so bescheidene Ziele.» Insgeheim hoffte die Nationalbank, mit dem von einer Zürcher PR-Agentur orchestrierten Auftritt vom Mittwoch den Fall endgültig abzuschliessen. Ziel: Danthine soll unter allen Umständen gerettet werden. Dass das Bundesverwaltungsgericht gleichentags sein Urteil zum AKW Mühleberg publizierte, war ein glücklicher Zufall: Dieses Thema verdrängte die SNB von den Frontseiten der Zeitungen.

Danthines Transaktion wirkt umso problematischer, als er sich selber im Fall Hildebrand gemeinsam mit seinem Direktoriumskollegen Thomas Jordan letztlich gegen Hildebrand ausgesprochen haben soll. Und das im Wissen, dass seine Weste auch nicht blütenweiss ist. Im Nachgang zu Hildebrands Abgang liess sich Danthine damit zitieren, dass er sein Geld «ultrapassiv» verwalten lasse. Doch das stimmt nicht. Wie er zugeben musste, hatte er eben gerade kein passives Vermögensverwaltungsmandat, bei dem der Finanzberater selbstständig schaltet und waltet und den Kunden nur über das Resultat informiert. Sein Finanzberater muss ihn konsultieren, bevor er Positionen kauft oder verkauft.

Irritierend ist zudem, dass Danthine sehr lange wartete, um seine Vermögensverhältnisse fürs SNB-Amt anzupassen. Nominiert wurde er im April 2009, sein Amt im Spitzengremium der SNB trat er Anfang 2010 an. Im Februar 2010, als er schon bei der SNB war, trennte er sich von einer grösseren Bankaktien-Position. Das ist ebenfalls heikel, da die Nationalbank oberster Bankenregulator ist und Insiderkenntnisse besitzt.

Für viele SNB-Kader ist seine Nähe zu den Geschäftsbanken in Dorn im Auge. Danthine war Gründungsmitglied des Swiss Finance Institute, einer von den Banken massgeblich finanzierten Kaderschmiede. Er war Managing Director der Ausbildungsstätte und sass in deren Stiftungsrat. Unter anderem sind dort bekannte Banker vertreten wie Raymond Bär (Julius Bär), Pierin Vincenz (Raiffeisen), Lukas Gähwiler (UBS) und Hans-Ulrich Meister (Credit Suisse).

Schon als Finanzprofessor an der Universität Lausanne fiel seine Nähe zur Bankenbranche auf. So kam er laut «Tages-Anzeiger» auf die Idee, Vorlesungen von einer Bank sponsern zu lassen. Nach den Seminaren wurden die Diskussionen jeweils in einem Gourmetrestaurant bei Hummer und Wein fortgesetzt.

Auch Aussenstehende kritisieren die Devisentransaktionen von Danthine. Holger Alich, Korrespondent des deutschen «Handelsblatts», sagt, dass zumindest der Euro-Verkauf «auf der Kippe steht». Für den Kenner der Nationalbank sind die Eigenhandelsgeschäfte der SNB-Direktoren «erschütternd» und stehen im «krassen Widerspruch zum exzellenten Ruf, den die Nationalbank für ihre Geldpolitik geniesst».

Die Handlungsfähigkeit der SNB scheint allen Unkenrufen zum Trotz nicht eingeschränkt zu sein. Dass sich der Euro in den letzten Wochen zusehends Richtung der 1.20-Franken-Unterschwelle bewegte, hat vor allem mit der verbesserten Wirtschaftslage in der Schweiz zu tun. Laut Devisenhändlern wird die Untergrenze nicht von Hedge-Fonds angegriffen. Die Volumen seien dafür zu klein, sagt ein Händler.

Deshalb dürfte die SNB an der aktuellen Untergrenze festhalten und sie auf keinen Fall erhöhen. Thomas Flury, Devisenstratege der UBS, sagt: «Ich gehe nicht davon aus, dass die SNB die Kursuntergrenze erhöhen wird. Die Wirtschaft in der Schweiz ist in guter Verfassung und die Situation im Euroraum ist nicht mehr so schlecht.»

Doch für Danthine dürfte kommende Woche nicht einfach werden. Es werden Nationalbank-interne Stimmen laut, die Danthines Transaktionen als unhaltbar bezeichnen. Es gibt sogar Stimmen aus dem mittleren Kader, die davon ausgehen, dass er am Mittwoch – also einen Tag vor der vierteljährlichen geldpolitischen Lagebeurteilung – den Hut nehmen muss. Für SNB-nahe Qullen ist klar: Selbst wenn Danthine sich im Nationalbank-Direktorium halten könnte, seine Chance zum Vizepräsidenten aufzusteigen sind bei nahezu null.

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