Starker Franken – war da was? In Arosa scheint man sich wegen der Aufwertung keine Sorgen zu machen. Auf den Winter hin erhöhen die Bergbahnen den Preis für die Tageskarte um mehr als 4 Prozent. Marketing-Leiter Stefan Reichmut erklärt es mit Investitionen von 23 Millionen Franken. Man habe Bahnen gebaut und renoviert.

Was bereits Schweizer erstaunt, könnte Ausländer gänzlich abhalten. Für sie ist der Franken im Vergleich zum Vorjahr von 83 auf 91 Cent angestiegen. Aus den 4 Prozent in Arosa wird in Euro eine Preissteigerung von 14 Prozent.

«Wir sind in der Wahrnehmung der Kunden auch ohne unser Zutun teurer geworden», sagt Jürg Schmid, Direktor von Schweiz Tourismus. «Da verträgt es keine Aufschläge.» Die Situation sei «brutal schwierig» für die Branche. Er bekundet Verständnis mit Arosa, das sein Angebot ausgebaut habe. Aber man merkt: Es wäre ihm lieber, wenn das nicht gerade dieses Jahr stattgefunden hätte.

Viele Skigebiete haben ihre Preise denn auch eingefroren. Das zeigt der Blick in die Tarife (siehe Tabelle). Die Tageskarten kosten meist noch gleich viel wie vor einem Jahr, ob das nun in teuren Gebieten wie Zermatt oder in günstigen Orten wie Scuol ist. Neben Arosa fällt nur noch das Walliser Gebiet «4 Vallées» auf, zu dem unter anderem der Ort Verbier gehört. Um 5,4 Prozent schlägt dort die Tageskarte in der Hochsaison auf. Und das ohne grosse Investitionen.

Die vier zu einem Skigebiet zusammengeschlossenen Täler im Wallis gehen neue Wege bei der Tarifierung. Man habe dynamische Preise eingeführt, sagt Carole Moos, Geschäftsführerin der Bahnen von Verbier. Neu gebe es insgesamt drei Wochen, in denen die Preise rund 5 Prozent höher seien als im Vorjahr. Dafür würden die Preise während rund sieben Wochen in schwächeren Zeiten um 5 Prozent gesenkt. Vor und nach dem offiziellen, gemeinsamen Saisonbeginn der «4 Vallées» gebe es in Verbier zudem Rabatte von bis zu 20 Prozent.

Wer genau sucht, findet Beispiele von echten Preissenkungen. Der Walliser Ferienort Saas-Fee hat zwar bei der Tageskarte leicht aufgeschlagen, dafür aber den Preis für sechs Tage um 3 Prozent gesenkt. Hier zeigt sich auch, wie unterschiedlich die Orte mit dem Mehrtagesrabatt umgehen. Auf dem Flumserberg ist die 6-Tage-Karte 33,5 Prozent billiger als sechs einzelne Tageskarten (siehe Tabelle; Mengenrabatt). Auf der Riederalp hingegen beträgt der Rabatt lediglich 15,2 Prozent. In einigen Regionen wurden die Rabatte im Vergleich zum Vorjahr grösser, in anderen kleiner.

Arosa-Direktor Reichmut sagt, man habe den Mehrtagesrabatt erhöht, indem man die Preise ab 4 Tagen nicht verändert habe. «Wir wollen in erster Linie Wochengäste und nicht Tagesgäste anlocken», sagt er. Im Vergleich zu früher seien die Wintergäste sprunghafter geworden. Auf diese Weise wolle man treue Kunden belohnen. Verbier hingegen hält den Rabatt bewusst tief. Aus Gästebefragungen wisse man, dass sich Tagesgäste eher über zu hohe Preise beklagten als Wochengäste, sagt Moos. «Daher gibt es keinen Druck, mehr Rabatt zu geben.»

Der Blick in die Tarife zeigt auch: Für Konsumenten wird es komplizierter. Wer günstiger Skifahren will, muss alle möglichen Rabatte und Spezialaktionen berücksichtigen. So werden Skitickets zunehmend als Päckli zusammen mit der Hotelübernachtung verkauft. Im Engadin gibt es den Skipass teilweise gratis zur Übernachtung. In Arosa ist die Skischule kostenlos, in Saas-Fee können Kinder unter 9 Jahren gratis fahren, wenn ein Elternteil eine 6-Tage-Karte löst. Ohne es an die grosse Glocke zu hängen, dürfte zudem das eine oder andere Skigebiet die Preise für ausländische Kunden gesenkt haben. Nicht am Billettschalter, sondern in Pauschalarrangements. Man arbeite seit letztem Jahr «intensiver» mit Reiseveranstaltern zusammen, sagt etwa Verbier-Direktorin Moos. Rabatt bekommt oft auch, wer den Skipass im Voraus übers Internet bucht.

Mit Blick auf den starken Franken bleibt den Schweizern ein Trost: Viele Skigebiete im Ausland haben ihre Preise erhöht (siehe österreichische Beispiele in der Tabelle). Das verhinderte nicht, dass sie in Franken gerechnet billiger geworden sind. Allerdings längst nicht so stark, wie das die Währung eigentlich vorgeben würde.

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