Sieben Jahre nach ihrer Rettung ist die Bank UBS wieder zurück. Firmenchef Sergio Ermotti gewinnt im Jahr des grossen Firmenumbaus das Rating der «Schweiz am Sonntag» für den besten Chef einer SMI-Firma. Gut vier Jahre nach seinem Antritt scheint Ermotti fest im Sattel zu sitzen.

Unsere Bewertung basiert nicht auf Expertenmeinungen oder einer Umfrage, sondern auf einer Auswahl messbarer Kriterien. Wie populär ist die Firma? Ist sie ein beliebter Arbeitgeber? Wie gut wurden im zurückliegenden Jahr die Investoren entschädigt? Und sind die Machtstrukturen der Firma (Corporate Governance) zeitgemäss? Über all diese Kriterien hinweg hat die UBS am besten abgeschnitten.

An der Börse hat die UBS die drittbeste Rendite erzielt. Bis vor Weihnachten verdienten die Aktionäre fast 20 Prozent. Der in den Vorjahren gebeutelte Kurs legte wieder auf mehr als 19 Franken zu. Grund dürften die Quartalsabschlüsse gewesen sein. Bis Ende März verbuchte die Bank schon fast zwei Milliarden Franken Reingewinn, bis Ende September stieg dieser auf mehr als fünf Milliarden an. Das macht Hoffnung auf mehr, und vor allem auf ein Ansteigen der Dividenden.

Ist die UBS eine beliebte Arbeitgeberin? Laut der Arbeitnehmerstudie des Beratungsunternehmens Universum hat sie zwar bei Leuten, die schon im Beruf stehen, etwas verloren. Studenten suchen ihren ersten Job aber offenbar zunehmend wieder bei Ermottis Bank. Bei Schweizer BWL-Studierenden legte die UBS von Rang 3 auf 2 zu.

Noch etwas Gas geben könnte die UBS in den sozialen Netzwerken. Zwar holt sie mit 157 000 Followern den dritten Rang bei Twitter. Auf Facebook reicht es mit 53 000 Likes jedoch nur gerade für Rang 11.

Den Markenwert der UBS bezeichnet das Beratungsunternehmen Interbrand in seiner Studie 2015 auf 3,6 Milliarden Franken. Das ergibt den 7. Rang unter den SMI-Firmen. Hier dominieren Industrie-Vertreter wie Nestlé oder die Basler Pharma-Konzerne. Mittelprächtig ist auch die Note der Aktionsberater von zRating. Mit Rang 9 reicht es bezüglich der Corporate Governance gerade noch knapp in die erste Hälfte der grossen Schweizer Unternehmen.

Interessant ist der Blick in die Einzelwertungen. Aus Aktionärssicht war im zurückliegenden Jahr Michel Liès der erfolgreichste Top-Manager. Der Luxemburger leitet die im breiten Publikum wenig bekannte und gerne etwas unterschätzte Zürcher Swiss Re, die zweitgrösste Rückversicherungsgesellschaft der Welt. Mit einem Börsenwert von 36 Milliarden Franken ist diese fast gleich teuer wie Zurich und liegt nur knapp hinter ABB oder Credit Suisse.

Wer Anfang Jahr Aktien der «Rück» kaufte, konnte sein Vermögen bis vor Weihnachten um einen Drittel vergrössern. Für die gleiche absolute Rendite hätte man das Geld bei Ermottis UBS mehr als dreihundert Jahre auf einem Sparkonto liegen lassen müssen.

Auf Rang 2 der Börsengewinner steht einer, der seinen Job bereits nicht mehr hat: Syngenta-Chef Mike Mack. Die Spekulationen um eine Übernahme haben den Börsenkurs des Basler Agrochemie-Konzerns stark ansteigen lassen – zuletzt wieder vor Weihnachten, als Präsident Michel Demaré die zuvor proklamierte Strategie des Alleingangs in einem Interview faktisch beendete. Rendite seit Jahresanfang: rund 27 Prozent auf den damaligen Kurs.

Und wer führt das Unternehmen mit dem stärksten Renommee? Hier verteidigt Novartis-Chef Joe Jimenez erfolgreich den 1. Rang, den er schon vor einem Jahr erreichte. Besonders gut schliesst der Pharmakonzern bei den Universum-Ratings ab, wo praktizierende Naturwissenschafter Novartis auf den 2. Rang setzen, und Studierende sich sogar überhaupt keinen besseren Arbeitgeber vorstellen können. Bei Twitter hat keine Firma so viele Follower, bei Facebook reicht es für einen Platz im Mittelfeld. Interbrand platziert die Marke Novartis auf Rang 3. Lediglich bei zRating muss Novartis untendurch mit Rang 15 von 20.

Den zweiten Rang teilen sich Paul Bulcke von Nestlé und Swisscoms Urs Schaeppi. Der Lebensmittelgigant verzeichnet auf Facebook die unvorstellbare Zahl von fast 8 Millionen Likes, was ihn zur klaren Nummer 1 macht. Bei Interbrand reicht es für Rang 2, bei zCapital schmiert Nestlé ab.

Swisscom punktet beim Arbeitgeberrating und wird von zCapital – trotz staatlichem Mehrheitsaktionär – mit einer guten Corporate-Governance-Note belohnt (Rang 2). Die starke Marke hilft darüber hinweg, dass der Telekom-Konzern ausgerechnet bei Facebook und Twitter eher mittelprächtig abschliesst.

Novartis-Chef Jimenez gewinnt übrigens auch in einer Kategorie, die in unsere Wertung nicht einfloss: Für jeden Franken, den er im Vorjahr als Lohn bezogen hatte, legte der Börsenwert des Pharmakonzerns heuer um 4800 Franken zu. Das ist fast doppelt so viel wie bei der zweitplatzierten Nestlé. Und es wäre noch mehr gewesen, hätte Jimenez nicht 13 Millionen Franken verdient.

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