Der Start in die neue Glace-Saison ist geglückt. Im ersten Quartal liegen die Umsätze der Schweizer Glaceproduzenten rund 7 Prozent über Vorjahr. Im April und Mai waren es gar 15 Prozent mehr. Dies zeigen die neusten Zahlen des Verbands Schweizerischer Glace- und Eiscream-Fabrikanten. Migros und Coop sprechen gar von 10 Prozent.

Zwar sind die kommenden Wochen für die Schlussbilanz entscheidend, aber in einem guten Jahr werden im April und Mai immerhin rund 30 Prozent der Menge verkauft, die in einer ganzen Saison abgesetzt wird.

Der Grund für das gut laufende Geschäft ist klar: die Sonne. «Dank des schönen Wetters wurden bei den Kiosken und Schwimmbädern besonders viele Glaces abgesetzt, aber auch die anderen Kanäle laufen gut», sagt Nestlé-Sprecher Philippe Aeschlimann. Nestlé gehört mit seinen Extrême-Cornets, den Klassikern Pralinato und Winnetou sowie den Mövenpick-Eiscremebechern zu den Marktführern der industriellen Gelaterias. Vom Dauerbrenner, dem Raketen-Glace, produziert die Nestlé-Tochter Frisco in Rorschach jährlich 12 Millionen Stück.

Zu den Marktführern nebst Nestlé gehört der US-Riese Unilever mit seinen «Ben & Jerry’s»-Kreationen und den Magnums. Genaue Verkaufszahlen nennt Unilever nicht, doch sei man mit dem Start ebenfalls sehr zufrieden und man verzeichne einen deutlichen Zuwachs.

Um die Schleckermäuler bei Laune zu halten und um ständig neue Marktanteile zu gewinnen, sind Innovationen gefragt. So hat die Migros beispielsweise alleine für diese Saison rund 25 Neuheiten lanciert, wie zum Beispiel ein Marshmallow-Eis sowie die an «Ben & Jerry’s» angelehnten «Mary Jane’s»-Becher mit den Geschmacksrichtungen Almost Cookie, Blueberry Cheesecake und Banana Star. Nestlé bietet neu die Winnetou- und Raketen-Glaces auch mit rein natürlichen Zutaten an. Und Mövenpick beispielsweise setzt auf ausgefallene Kreationen wie «Lychee & Rose» sowie «Cognac VSOP & Apple».

Der grösste Schweizer Milchverarbeiter Emmi versucht seit längerem, den grossen Glace-Fabrikanten mit einer eigenen Glace-Linie Paroli zu bieten. Daneben produziert man für Dritte auch Eigenmarken. Ob man das vor einigen Jahren formulierte Ziel, hinter Unilever und Nestlé die Nummer drei im Schweizer Markt zu werden, erreicht hat, will Emmi-Sprecherin Sibylle Umiker nicht verraten.

Doch tönt sie an, dass dies bisher nicht gelungen ist: «Der Schweizer Glacemarkt stagniert und ist dementsprechend stark umkämpft.» Zudem sieht Emmi davon ab, wie ursprünglich geplant, die Emmi-Eiscreme nach Deutschland, England und Österreich zu exportieren. «Wir konzentrieren uns auf den Vertrieb in der Schweiz», sagt Umiker.

Der gelungene Saisonstart lässt die Hersteller hoffen, die trübe Bilanz des vergangenen Jahres vergessen zu machen. Denn mit 46,9 Millionen Litern wurden 2010 wegen des schlechten Wetters so wenig Glaces wie seit rund 20 Jahren nicht mehr verkauft.

Am häufigsten essen Herr und Frau Schweizer ihre Cornets und Coups Dänemark zu Hause (60 Prozent), gefolgt vom Konsum in den Restaurants und den so genannten Impulskäufen in der Badeanstalt oder am Kiosk (je 20 Prozent).

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