Erstmals seit sechs Jahren sinken die Umsätze der Schweizer Restaurants, Bars, Betriebskantinen und Mensen. Das zeigt eine repräsentative Umfrage bei 36 000 Kunden, die das Luzerner Meinungsforschungsinstitut Ampuls im Auftrag des Branchenverbandes Gastro Suisse durchführte. In den ersten drei Quartalen dieses Jahres nahm die Zahl der Restaurantbesuche gegenüber dem Vorjahr um 4,3 Prozent ab. Die durchschnittlichen Ausgaben pro Besuch gingen ebenfalls leicht zurück. Unter dem Strich ergibt das einen Umsatzrückgang von 5,7 Prozent. Bei Gästen, die nur etwas tranken, sank der Umsatz sogar um 12,9 Prozent.

«Die Leute beginnen wegen der Krisenstimmung zu sparen», begründet Gastro- Suisse-Direktor Bernhard Kuster den rückläufigen Konsum. «Gleichzeitig gehen sie wegen des starken Frankens vermehrt ins Ausland essen. Vor allem bei Banketten und Hochzeiten spüren das die Wirte in der Ostschweiz, im Raum Basel und im Genferseegebiet stark.»

Tatsächlich zeigt ein Blick auf die Zahlen, dass die grenznahen Restaurants den stärksten Einbruch erlitten haben. Im östlichen Mittelland, welches die Grenzkantone Zürich, Schaffhausen Aargau und Thurgau umfasst, brachen die Umsätze um 19,2 Prozent ein. In der Westschweiz waren es minus 8,7 Prozent. Im westlichen Mittelland sowie den Alpen- und Voralpenkantonen nahmen die Umsätze hingegen leicht zu.

Den stärksten Spardruck verspüren offenbar die Kunden mit tiefen Einkommen sowie die Altersgruppe zwischen 15 und 29 Jahren. Sie haben ihre Ausgaben am meisten reduziert. Deshalb ist es nicht erstaunlich, dass Schweizer Traditionsbeizen, Schnellverpflegungsrestaurants, Kantinen und Universitätsmensen den stärksten Einbruch erlitten. Spezialitätenrestaurants mit ausländischer Küche konnten hingegen ihren Umsatz weiter steigern.

Gastro suisse glaubt nicht, dass sich die Lage schnell bessert. «Ich befürchte, dass der Schweizer Franken noch länger stark bleibt», sagt Bernhard Kuster. «So, wie es aussieht, wird die Situation in den nächsten Monaten eher schwieriger als einfacher.» Gemäss einer Umfrage der Konjunkturforschungsstelle der ETH Zürich erwartet über die Hälfte der Wirte auch im vierten Quartal sinkende Absätze.

Gastro Suisse rät ihnen, sich selber über die Runden zu helfen, etwa mit innovativeren Angeboten, einer besseren Pflege der Stammgäste und schlankeren Betriebsabläufen. Denkbar sei zum Beispiel, dass sich mehrere Restaurants zu Einkaufs- und Marketinggemeinschaften zusammenschliessen. «Auch Zusammenlegungen mehrerer Betriebe können ein Mittel sein», sagt Kuster.

Preissenkungen seien hingegen meistens kein taugliches Mittel, warnt er. «Bei Margen von durchschnittlich 1 bis 2 Prozent ist es schwierig, die Preise zu senken.» Umso wichtiger sei es, dass nun die Politik dem Gastgewerbe helfe. Kommende Woche habe das Parlament in der ausserordentlichen Session zum starken Franken eine Gelegenheit dazu.

Am Mittwoch befindet der Nationalrat über zwei Vorstösse, welche die Beherbergungsbetriebe befristet von der Mehrwertsteuer befreien wollen. Damit sollen die Auswirkungen des starken Frankens auf die Branche gemildert werden. «Der Konsum im Restaurant würde damit angekurbelt», glaubt Kuster.

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