Von Robert Wildi

Die Bässe wummern in den Skihütten von Ischgl. Schweizer Pistenfreaks wippen ausgelassen mit. Zwischen 2009 und 2014 ist die Zahl ihrer winterlichen Hotelübernachtungen im grenznahen Austria-Skiresort um satte 31 Prozent auf 95 000 angewachsen. «Heuer werden wir die 100 000 knacken», ist der lokale Tourismuschef Andreas Steibl überzeugt. Der Februar laufe super. Haufenweise Last-Minute-Buchungen aus Zürich, Basel, der Ostschweiz oder dem Aargau kommen herein. Hotels vermelden regelrechte «Schweizer Sturmtage». Es wird reserviert und gleich der gesamte Rechnungsbetrag einbezahlt.

Denn der Wechselkurs ist günstig. Die im Januar gefallene Euromindestgrenze hat Hotelzimmer, Skischulen und Bergbahntickets in den umliegenden Alpenländern für Schweizer auf einen Schlag um 15 bis 20 Prozent verbilligt. Besser hätte die Nationalbank (SNB) ihre «Werbeaktion» für den Skiplausch im Ausland nicht timen können. Das wollen die Nachbarn jetzt schamlos ausnutzen. Die Region Montafon in Vorarlberg etwa plant eine Blitzkampagne in der Schweiz. Der Slogan könnte lauten: «Direkt neben der Schweiz. Das ist mal günstig gelegen.»

Kampflos überlassen werden die Schweizer Schnäppchenjäger den Österreichern jedoch nicht. Auch deutsche, französische und italienische Skiresorts erheben Ansprüche und profitieren ebenfalls von der Schützenhilfe durch die SNB. Südtiroler Hoteliers in den grenznahen Gebieten des Vinschgau sowie im Raum Meran berichten zurzeit von markanten Buchungseingängen aus der Schweiz.

Und auch im italienischen Wintersportort Livigno, eine Autostunde von St. Moritz entfernt, werden Schweizer Festspiele gefeiert. «Die Gästeankünfte aus dem Nachbarland liegen in der Wintersaison 2014/15 gegenwärtig um 18 Prozent über dem Vorjahreswert», sagt Luca Moretti, Präsident vom Tourismusverband Livigno. Eine weitere Steigerung bis Ende Saison sei durchaus möglich.

Im französischen Chamonix wird der Sprachmix auf den Skipisten gegenwärtig auffallend stark von Westschweizer Dialekten geprägt. «Wir begrüssen in diesem Winter sehr viele Gäste aus den Regionen Genf, Waadt und Wallis», berichtet Cecile Gruffat vom lokalen Tourismusbüro. Wie stark der Währungsentscheid der SNB mit kurzfristigen Ankünften zu Buche schlagen werde, könne man noch nicht definitiv quantifizieren. Die Schweizer Gäste sind in Chamonix jedenfalls beliebt für ihre überdurchschnittliche Ausgabefreudigkeit. Im lokalen Fünf-Sterne-Luxushotel «Hameau Albert 1er» sei die Gästeliste in diesem Winter vollgespickt mit Schweizern, verrät Cecile Gruffat.

Auf den Radar hiesiger Wintertouristen rückt zunehmend auch das nördliche Nachbarland. Skiresorts in den bayrischen Alpen und im Schwarzwald berichten von vielen kurzfristigen Schweizer Buchungen in den letzten Wochen. «In der Feldbergregion im Schwarzwald haben die Schweizer Winterlogiernächte gegenüber dem Vorjahr um 20 bis 30 Prozent zugenommen», bestätigt Harald Henning von der Deutschen Zentrale für Tourismus. «Wer im Februar und März noch ein freies Zimmer will, muss sich bereits beeilen.»

Beliebt sind Ferienaufenthalte in Deutschland speziell bei Familien. Das Kinderhotel Oberjoch im Allgäu zum Beispiel wird den Schweizer Anteil seiner Gäste von 25 Prozent im letzten Jahr auf heuer fast 40 Prozent steigern. So früh abschätzbar ist dies, weil etliche Kunden im Oberjoch bereits jetzt ihre Frühlings-, Sommer- oder gar Herbstferien vorreserviert und auch gleich einbezahlt haben.

Angst und bange wird es vielen Schweizer Skigebieten in Anbetracht der aktuellen Buchungsstatistiken von ausländischen Mitbewerbern. Dem Währungsproblem mit reiner Hilflosigkeit begegnen jedoch nicht alle. Innovative Konzepte wie etwa das Rocksresort in Laax können selbst happige Preisnachteile einigermassen verkraften. Der Buchungsstand vor Ort sei auch für die Februar-Wochen jedenfalls unverändert gut, heisst es von der Betreiberin Weisse Arena.

Nur auf Preisrabatte fixiert sind denn auch nicht alle Schweizer Wintertouristen. «Obwohl ich nur zehn Kilometer von der österreichischen Grenze entfernt wohne, mache ich lieber Skiferien in der Schweiz», heisst es in einem Leserforum. «Ich bin gerade in Flims/Laax und die Pisten sind viel besser präpariert als zum Beispiel am Arlberg.»

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