Diesen Donnerstag kaufte die Bank of New York Mellon über drei Millionen CS-Aktien. Beim aktuellen Börsenkurs von 25 Franken pro Aktie entspricht dies einer Transaktion im Umfang von über 75 Millionen Franken. Mit früher getätigten Aktienkäufen reiht sich die US-Bank laut einer Aufstellung von Bloomberg unter die 20 grössten Investoren der CS ein.

Noch deutlich mehr Geld legte die Norges Bank Mitte Juni auf den Tisch. Die Notenbank von Norwegen, die neben ihren geldpolitischen Aufgaben auch die Erträge der staatlichen Erdölförderung verwaltet, kaufte rund 40 Millionen CS-Aktien auf. Mit 5,01 Prozent gehören die Norweger nun zu den Top-5-Investoren der zweitgrössten Bank der Schweiz.

Warum das plötzliche Interesse an den Titeln der Credit Suisse? Laut einem Fondsmanager ist der Grund trivial. Die CS, wie die meisten anderen Schweizer Banken, sind im Vergleich zu ausländischen Instituten derzeit sehr billig zu haben: Die US-Behörden hätten mit ihren exorbitanten Bussen den Finanzplatz «zusammengeschossen», jetzt könne man sich billig eindecken. In der Tat sind Schweizer Banken wohl so günstig wie noch nie. Auf diesen Befund ist auch Christian Hintermann gekommen, Bankenspezialist der KPMG, der diese Woche in Zusammenarbeit mit der Universität St. Gallen eine Studie zu den Privatbanken veröffentlichte.

Die Übernahme der Tessiner Privatbank BSI durch die brasilianische BTG Pactual ist gemäss KPMG-Bericht mit 1,5 Milliarden Franken die grösste Transaktion seit 2008 durch einen ausländischen Investor. Geduld zahlte sich für die Brasilianer aus: Noch vor zwei Jahren gingen Insider von einem Kaufpreis von 2,5 Milliarden aus.

Der ständige Druck des Auslands auf den Finanzplatz zeigt Wirkung. Besonders belastend sind die Bussen des US-Justizministeriums. Wechselt eine Bank den Besitzer, müssen die alten Besitzer oft für Strafzahlungen weiterhin geradestehen. Zudem wird der Kaufpreis an die Höhe der Kundengelder geknüpft. Fliessen Gelder nach einer gewissen Zeit ab, gibt es nachträglich einen Rabatt für den Käufer. Auf die Preise drückt zudem die Einführung des automatischen Informationsaustauschs (AIA). Für Hintermann von KPMG sind dies Faktoren, welche die Konsolidierung des Bankenplatzes befeuern werden.

Noch mehr Schweizer Banken dürften in ausländische Hände geraten. Bei der CS ist die Übernahme durch Ausländer bereits Tatsache. Im Aktionariat sind inzwischen kaum mehr Schweizer vertreten. In den letzten Jahren konnten ausländische Investoren ihre Anteile sukzessive ausbauen. Gemäss CS-Geschäftsbericht 2013 kontrollieren Ausländer inzwischen 84 Prozent des Aktienkapitals. Nur noch 16 Prozent stammen aus der Schweiz, 11 Prozent aus Kontinentaleuropa (ohne Schweiz), 14 Prozent aus Grossbritannien und Irland, 48 Prozent aus den USA und die restlichen 11 Prozent aus anderen Ländern. Noch 2008 betrug der Anteil der Schweizer Aktionäre 23 Prozent. In früheren Jahren war die CS selbst der mit Abstand stärkste Aktionär: 2004 hielten die Gruppengesellschaften zusammen 8,5 Prozent. Heute sind es noch knapp 2,4 Prozent.

Einen bedeutenden Einfluss auf die Veränderung des Aktionariat hatte die Finanzkrise. Kapitalerhöhungen hatten zur Folge, dass sich ausländische Investoren stark bei der Bank engagierten. Bei der CS kamen die Staatsfonds aus Katar (Qatar IA) und die saudische Olayan Gruppe hinzu (Crescent). Beide kommen zusammen auf einen Anteil von über 10 Prozent.

Für Konzernchef Brady Dougan ist der zunehmende Einfluss ausländischer Aktionären ein Vorteil, da er grosses Vertrauen geniesst. Die Investoren sind an Investmentbanking-Dienstleistungen interessiert. Brady Dougan kommt selbst aus dieser Ecke und kann sie selbst beraten.

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