VON PATRIK MÜLLER

Herr Ackermann, noch vor einem halben Jahr schien es, dass auf die Banken sehr strenge Vorschriften zukommen. Nun krebsen die USA und andere Länder zurück. Was bedeutet das?
Es ist ein Problem, dass die Länder nun sehr unterschiedliche Vorstösse unternehmen. Das führt zu einer Fragmentierung, die nicht sehr produktiv ist. Denn in einem globalen Geschäft braucht es auch globale Regeln.

Wie beurteilen Sie die Vorschläge der Schweizer «Too big to fail»-Expertenkommission, die das Eigenkapital auf 19 Prozent erhöhen will?
Die kleine Schweiz ist speziell herausgefordert, da sie im Verhältnis zur Volkswirtschaft über zwei sehr grosse Banken verfügt. Dennoch: Ich bin der Meinung, dass sich die Schweiz mit diesen Anforderungen zu stark von den globalen Empfehlungen abkoppelt und damit andere Länder unter Druck setzt. Deshalb stehe ich den Vorstössen der Kommission eher kritisch gegenüber.

UBS und CS argumentieren zum Teil, dass sie leichter von ausländischen Instituten übernommen werden könnten, die tieferen Kapitalanforderungen unterworfen sind.
Diese Gefahr sehe ich weniger. Die Bewertungen in der Schweiz sind in der Regel gut. Es bräuchte sehr viel, um eine der Grossbanken zu übernehmen, gerade im Private Banking sind die Schweizer Banken stark. Bei einer Übernahme durch einen ausländischen Konkurrenten würden sie viele Kunden verlieren.

Wie stark wird die Vermögensverwaltung in der Schweiz darunter leiden, dass das Bankgeheimnis aufgeweicht wurde und nun die Regeln von OECD 26 gelten?
Ich glaube nicht an negative Auswirkungen. Ich bleibe zuversichtlich für den Schweizer Bankenplatz als Ganzes.

In Davos wird über die Wirtschaftsentwicklung gerätselt. Wie schätzen Sie die Konjunktur ein: Trauen Sie dem Aufschwung?
Insgesamt ja. Die Schwellenländer sind in einer starken Wachstumsphase, die auch weitergehen wird. In den USA zeigen sich positive Signale, dass die Wirtschaft aus der schweren Krise kommt. Europa bietet ein uneinheitliches Bild. Deutschland wird dieses Jahr meines Erachtens um mehr als zwei Prozent wachsen.

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